Schwester Hatune hat an Weihnachten die Flüchtlingskinder im Nahen Osten besucht »Ein wenig Hoffnung schenken«

Warburg-Rimbeck (WB). Die syrisch-orthodoxe Schwester Hatune Dogan aus Rimbeck ist über die Weihnachtstage in den Südosten der Türkei und dann weiter nach Syrien und in den Irak gereist, um den Kindern in den Flüchtlingscamps eine Freude zu bereiten.

Von Ralf Benner
In einem Flüchtlingscamp im nordirakischen Sharia beschenkt Schwester Hatune Dogan die Kinder mit Süßigkeiten. Über die Weihnachtstage ist die 44-Jährige in die Türkei und dann weiter nach Syrien und in den Irak gereist, um Menschen auf der Flucht zu helfen.
In einem Flüchtlingscamp im nordirakischen Sharia beschenkt Schwester Hatune Dogan die Kinder mit Süßigkeiten. Über die Weihnachtstage ist die 44-Jährige in die Türkei und dann weiter nach Syrien und in den Irak gereist, um Menschen auf der Flucht zu helfen. Foto: privat

»Wir haben uns gedacht, dass es zu Weihnachten eine christliche Geste wäre, mit einem kleinen Geschenk den Flüchtlingskindern ein wenig Hoffnung zu geben«, sagt die 44-jährige Ordensfrau.

Wolldecken für den Winter verteilt die Ordensfrau an die Notleidenden im Nahen Osten. Eine Decke kostet etwa 17 Euro. Foto: privat

Um nicht nur über Solidarität zu sprechen, sondern den notleidenden Menschen ihre Solidarität persönlich zu zeigen, reiste Schwester Hatune am Tag vor Heiligabend in den Nahen Osten. Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern ihrer »Stiftung Hatune – Helfende Hände für die Armen« verteilte sie in den Camps zu Weihnachten mehr als 5000 Geschenke, die zuvor mit Spendengeldern auf örtlichen Märkten gekauft wurden. Vor allem Decken, Nahrung, Medizin und Kleidung für den Winter.

Kinder in Europa erhielten von Eltern und Verwandten Weihnachtsgeschenke oft im Überfluss. »Im Nahen Osten wären die Kinder sehr froh, an Weihnachten überhaupt einmal eine Mahlzeit zu erhalten, die sie satt macht, oder ein Obdach und eine warme Decke zu haben«, erläutert die Schwester die Intention ihrer Weihnachtsaktion für die Flüchtlingskinder: »Alle Kinder sollten das Gefühl der Nächstenliebe kennenlernen, besonders an Weihnachten.«

Anfang Dezember hatte die Ordensfrau ihre Aktion mit einem Spendenaufruf gestartet. Sie habe die Hilfsgüter nun vor Ort mit den Geldern bezahlt, die Menschen dafür in den vergangenen Wochen ihrer Stiftung spendeten, erläutert die 44-Jährige. Ihre »Helfenden Hände für die Armen« sei die kleinste Hilfsorganisation in den hart umkämpften Regionen des Nahen Ostens: »Wir schauen, wo was gebraucht wird.«

Wie berichtet, ist Schwester Hatune Dogan in den vergangenen Monaten mehrfach im Irak und Libanon sowie in Syrien, Jordanien und in der Türkei gewesen, um Notleidende zu unterstützen, die auf der Flucht vor den Milizen des »Islamischen Staates« (IS) sind. Ihre Mitarbeiter in der Türkei und im selbsternannten »Kalifat« im IS-Kriegsgebiet kaufen derzeit mit Spendengeldern auf den örtlichen Märkten Wolldecken, Säcke mit Lebensmitteln, Winterbekleidung und weitere Dinge wie etwa Medikamente für die vielen Flüchtlinge.

Ihre Reisen in das Kriegsgebiet sind gefährlich, doch Schwester Hatune hat keine Angst um ihr eigenes Leben. So sei sie am 19. November selbst nur knapp dem Tod entronnen, als auf dem Marktplatz im nordirakischen Erbil in der Mittagszeit eine Bombe explodierte und zwei Menschen das Leben kostete. »Nur 200 Meter von mir entfernt«, berichtet sie. Es sei ihr zweiter Tag in Erbil gewesen, blickt sie zurück. »Was mich an den Rand der Verzweiflung bringt, ist die Grausamkeit dieses Krieges«, erzählt sie. Man wisse nicht, wo man anfangen soll, sagt die Ordensfrau. Das Maß an Elend und Gewalt sei übermächtig, fasst sie ihre Eindrücke zusammen.

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