36-Jähriger greift in Steinheim einen Ladendetektiv mit Pfefferspray an – Haftstrafe mit Therapie Diebstahl: Für 3,02 Euro vor Gericht

Steinheim (WB/upf). Es ging um denkbar wenig: 3,02 Euro waren die Dose Bier und zwei Päckchen Bonekamp wert, die ein 36-Jähriger im Aldi in Steinheim klauen wollte. Das Gerangel mit einem Ladendetektiv brachte ihn vor das Landgericht Paderborn. Der Vorwurf: Räuberischer Diebstahl in besonders schwerem Fall.

Mit Pfefferspray hat ein 36-Jähriger in Steinheim einen Ladendetektiv angegriffen. Dafür erhält er jetzt eine Haftstrafe.
Mit Pfefferspray hat ein 36-Jähriger in Steinheim einen Ladendetektiv angegriffen. Dafür erhält er jetzt eine Haftstrafe. Foto: dpa

Nachdem der 27-jährige Detektiv den Mann aus Schieder-Schwalenberg an jenem Novembertag 2016 beobachtet und zur Rede gestellt hatte, versuchte der 36-Jährige, sich aus dem Staub zu machen. Der Detektiv wollte dies verhindern und packte zu. In dem sich anschließenden Handgemenge zog der verhinderte Dieb eine Dose Pfefferspray, allerdings konnte der Detektiv dessen Einsatz weitgehend unterbinden und wurde von dem austretenden Spray nur an der Hand getroffen. »Ich konnte die Öffnung abdecken, sonst hätte er sich vielleicht sogar selbst ins Gesicht gesprüht. Es war jedenfalls keine gute Idee von ihm«, sagte der Rintelner als Zeuge aus. Dann habe der Angeklagte noch versucht, ein Taschenmesser aufzuklappen, was ihm aber nicht gelungen sei.

Angeklagter hat Alkoholproblem

Auf jeden Fall war der Versuch, sich »kostenlos« Alkohol zu beschaffen, beendet, nach dem sich zur Unterstützung des Detektivs noch ein Mitarbeiter eines benachbarten Geschäfts eingefunden hatte und man den 36-Jährigen ins Büro brachte. Die strafrechtliche Aufarbeitung allerdings brauchte zwei Anläufe. Der 36-Jährige hatte im vergangenen April für die Tat schon einmal vor dem Landgericht gestanden, aber die Strafkammer bestand seinerzeit auf einem psychiatrischen Gutachten: Der Angeklagte hat offensichtlich ein Alkoholproblem und hatte auch zur Tatzeit Alkohol intus, wenn auch »nur« 0,4 Promille.

36-Jähriger macht reinen Tisch

Sein Motiv für den Schnaps-Diebstahl: Er wollte sich betrinken, um bittere Gefühle »wegzumachen«, weil seine von ihm getrennte Lebenspartnerin kurzfristig verweigert hatte, dass er seine Kinder an jenem Tag sehen durfte. Bei der gestrigen Verhandlung machte der 36-Jährige ebenso reinen Tisch wie bei der ersten Verhandlung und gab alles zu. Das Messer aber sei ihm nur aus der Tasche gefallen, eingesetzt habe er es nicht. Letzterer Aspekt war für die Kammer nicht entscheidend: Viel wichtiger war die Frage, wie es denn mit dem alkoholkranken Angeklagten weitergehen sollte. Denn der hatte aus dem Prozess im April die einzige richtige Konsequenz gezogen und sich in eine stationäre Therapie begeben – mit gutem Erfolg, denn in Kürze könnte ihm in einer der Suchtklinik angeschlossenen Adaptionseinrichtung eine berufliche Perspektive geboten werden.

Therapieerfolge nicht gefährden

Genau das machte es dem Gericht nicht ganz leicht, ein Urteil zu finden, das sowohl der Resozialisierung des Angeklagten wie seiner strafrechtlich doch erheblichen Tat gerecht würde. Der psychiatrische Gutachter riet dazu, die bisherigen Therapieerfolge nicht zu gefährden, indem der 36-Jährige für ein paar Jahre hinter Gitter verschwände, ohne weiter therapiert zu werden. Eine Haftstrafe sah die Kammer jedoch als unerlässlich an – der Angeklagte hat immerhin zehn Vorstrafen.

Unterbringung in Entziehungsanstalt

So folgte das Gericht letztlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft, auf einen minderschweren Fall von besonders schwerem räuberischem Diebstahl zu erkennen und den 36-Jährigen zur Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zu verurteilen, verbunden mit einer Haftstrafe. Die fiel mit zwei Jahren geringer aus als der Antrag der Anklage. »Wenn Sie die Therapie durchhalten, steht die Strafe nur auf dem Papier« gab Richter Bernd Emminghaus dem 36-Jährigen mit auf den Weg. Er könne nach Beendigung der Therapie mit einer Haftverschonung rechnen.

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