Beliebtes Geschäft von Klaus Möcklinghoff schließt nach Jahrzehnten Bäcker mit Herz verabschiedet sich

Steinheim (WB/nf). In Steinheim geht ein Stück Back- und Konditorengeschichte zu Ende: Die Bäckerei Möcklinghoff schließt zum Jahresende. Vielen Steinheimern wird ohne »Möck« etwas fehlen.

Die Bäckerei Möcklinghoff mit Café schließt zum Jahresende.
Die Bäckerei Möcklinghoff mit Café schließt zum Jahresende. Foto: Harald Iding

»Am Samstag, 31. Dezember, ist mein letzter Arbeitstag in der Bäckerei. Altersbedingt muss ich das Geschäft leider schließen«, kündigt Bäckermeister Klaus Möcklinghoff (75) im Gespräch mit dieser Zeitung an. »Möck« war in Steinheim ein Begriff. Hier konnte man im Café gemütlich sitzen, hier gab es leckere Brötchen, herzhafte Brote, Torten und zu Weihnachten das beliebte wie bekannte Weihnachtsgebäck – die Stollen.

Bei »Möck« bekamen die Kunden Christstollen, die nach alter Handwerkskunst hergestellt wurden und sich größter Nachfrage erfreuten. Sie wurden in diesem Jahr letztmalig gebacken. Bei der Herstellung hat Klaus Möcklinghoff auf Handarbeit Wert gelegt und sein Augenmerk auf Qualität gerichtet. Die Geschäftsaufgabe fällt dem leidenschaftlichen Bäcker und Konditor deshalb nach eigenen Angaben auch nicht leicht.

Das erste Eis in Steinheim

Möcklinghoff hatte die Bäckerei 1977 von seinem Vater Johannes übernommen, der das Geschäft mehr als 20 Jahre zuvor in der Rochusstraße eröffnet hatte und später in die Marktstraße umzog. »Mein Vater hat das erste Eis in Steinheim hergestellt – das war damals noch eine Sensation«, erinnert sich Möcklinghoff, dessen Berufswunsch sich früh abzeichnete: »Ich wollte Bäcker werden wie mein Vater.« Er wurde dann Konditor. Gelernt hat er beim damaligen Präsidenten des Deutschen Konditorenhandwerks in Mönchengladbach, ehe er 1972 in Wolfenbüttel seine Meisterprüfung ablegte. »Mein Mann hat seinen Beruf gelebt«, sagt Ehefrau Gisela, der die Geschäftsaufgabe ebenfalls schwerfällt. Ihr Dank gilt allen Kunden, insbesondere den treuen Stammgästen.

Klaus Möcklinghoff hat seinen Beruf gelebt. Ehefrau Gisela Möcklinghoff hat ihn dabei im eigenen Betrieb unterstützt. Foto: Heinz Wilfert

Wenn jetzt das Geschäft aufgegeben wird, schwingt viel Wehmut mit – auch wenn der Alltag des Bäckers ein harter war. »Freitagabend um 11 Uhr aufstehen und in die Backstube. Die körperliche Belastung war immer sehr groß«, sagt Möcklinghoff. Hergestellt wurden Früchtebrot, Lebkuchen, Stutenkerle, selbst gegossene Ostereier, Weihnachtsmänner aus Schokolade oder fünfstöckige Hochzeitstorten. Die Frische sei neben der handwerklichen Qualität immer das Markenzeichen des Betriebs gewesen. Deshalb habe er darauf geachtet, nur beste Ware in den Verkauf zu bringen, sagt Möcklinghoff. Das sei er den Kunden schuldig gewesen. »Bäcker muss man mit Gefühl und dem Herzen sein«, so die Philosophie, an die er sich stets gehalten hat.

Viele Lehrlinge ausgebildet

In Spitzenzeiten waren drei bis vier Gesellen, ein Konditor und einige Lehrlinge beschäftigt. Viele Lehrlinge wurden im Betrieb ausgebildet, die selbst ihren Weg als Bäcker gemacht haben. »Es wird aber immer schwieriger, dem Druck der Großen standzuhalten«, bedauert Möcklinghoff die Entwicklung. Glücklich ist er darüber, dass er in der Fußgängerzone keinen Leerstand hinterlässt. Im Frühjahr werde in die Räume des Geschäfts und des Cafés ein Imbiss einziehen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.