Höxteraner Ärztin bietet Schwangeren Kurse in Selbsthypnose an Entbinden wie Prinzessin Kate

Steinheim (WB). Eine entspannte Geburt wünschen sich alle Paare, die ein Baby erwarten. Dass das möglich ist, beweist Kerstin Todt. Die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe bietet in Höxter und Steinheim Kurse in Hypno-Birthing an. Dabei erlernen die Schwangeren mit ihren Partnern die totale Entspannung.

Von Ingo Schmitz
Was für ein süßer Fratz! Marina Hein hat am 21. Dezember die kleine Merle ganz entspannt zur Welt gebracht. Geholfen hat ihr dabei ein Kursus »Hypno Birthing«. Erlernt hat sie die Techniken von Kerstin Todt, Fachärztin am St.-Ansgar-Krankenhaus.
Was für ein süßer Fratz! Marina Hein hat am 21. Dezember die kleine Merle ganz entspannt zur Welt gebracht. Geholfen hat ihr dabei ein Kursus »Hypno Birthing«. Erlernt hat sie die Techniken von Kerstin Todt, Fachärztin am St.-Ansgar-Krankenhaus. Foto: Ingo Schmitz

Angst macht Verspannung, und Verspannung macht Schmerz: Auf diese Formel bringt es Kerstin Todt, die seit sieben Jahren im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter für den Bereich Geburtshilfe zuständig ist. Dabei hat sie festgestellt, dass einige Frauen die Geburt eines Kindes als ein geradezu traumatisches Erlebnis empfinden. Und je mehr negative Erlebnisse Mütter schilderten, desto mehr wachse die Angst vor der Geburt. Dies sei vor allem bei Erstgebärenden zu beobachten. »Früher hatten die Frauen Angst vor dem Tod unter der Geburt, aber nicht vor der Geburt an sich. Dabei unterschätzen Frauen oft ihre Fähigkeiten«, erklärt Kerstin Todt.

Die Betroffenen sind nicht willenlos

Aber kann eine Geburt unter Hypnose funktionieren? Ist man dann willenlos und manipulierbar? »Ein klares Nein«, stellt die Ärztin klar. Sie kennt die Skepsis und Vorurteile vieler Menschen, wenn diese zum ersten Mal von Hypno-Birthing hören. Männer hätten die meisten Zweifel, berichtet die 39-Jährige. Die Erfahrungen, die Gebärende allerdings bei ihr machten, seien durchweg positiv: »Ziel ist eine gute Geburt, und viele berichten das auch so.«

So zum Beispiel Marina Hein aus Ottenhausen. Sie hat kurz vor Weihnachten ihre zweite Tochter Merle mit Hilfe von Hypno-Birthing zur Welt gebracht. Sie kann nun gut vergleichen, denn die Geburt ihrer Tochter Mieke vor fast drei Jahren lief ohne die Hypnose-Unterstützung. »Die erste Geburt war schnell und schmerzhaft. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Auch die im Vorbereitungskurs erlernten Atemtechniken konnte ich nicht anwenden. In der Situation hatte ich alles vergessen«, erzählt Marina Hein. Sogar für ihren Freund Marius Maraun sei die Geburt des ersten Kindes schlimm gewesen. »Er fühlte sich schlichtweg hilflos«, sagt die junge Mutter.

Frauen sind bei der Geburt tiefenentspannt

Bei der zweiten Geburt war dann alles anders. »In der Schwangerschaft habe ich mich über Hypno-Birthing informiert und mich für den Kursus angemeldet. Hier habe ich ganz viel Neues gelernt. Ich war nach kurzer Zeit tiefenentspannt. Und auch mein Freund war bei der zweiten Geburt ganz anders und bekam keine Panik. Nach der Geburt fand ich es schade, dass es vorbei war. Heute denke ich jeden Tag an dieses schöne Erlebnis«, erzählt die 25-Jährige.

"

»Es geht darum, die Paare positiv zu bestärken.«

Kerstin Todt

"

Kerstin Todt nimmt maximal drei Paare in die Kurse auf, in denen die Teilnehmer eine Form der Selbsthypnose erlernen. Bester Zeitpunkt sei ab der 20. Schwangerschaftswoche. Als Grundlage diene ein Buch, das alle Teilnehmerinnen mit einer Entspannungs-CD erhalten. In den vier Terminen, die jeweils drei Stunden dauern, gehen die Teilnehmer auf eine Phantasiereise. In dieser Zeit, in der die Teilnehmer gedanklich ganz weit entfernt seien, werde das Unterbewusstsein beeinflusst. »Es geht darum, die Paare positiv zu bestärken: Du kannst das – Du schaffst das!« Und auch die Atemtechniken werden so intensiv verfestigt, dass diese bei der Geburt im Mittelpunkt stehen. Die Gebärenden seien dann so sehr mit dem Atmen befasst, dass die Wehen zur Nebensache würden. Marina Hein bestätigt: »Das Kind wird nicht herausgepresst, sondern herausgeatmet.«

Männer sind nicht tatenlos

Auch der Partner sei währenddessen nicht tatenlos. Er kann zum Beispiel die Geburt filmen oder fotografieren. Kerstin Todt: »Ein Foto zu haben, das zeigt, das alle kurz vor der Geburt Spaß haben, ist eine schöne Erinnerung.«

Marina Hein ist so überzeugt von Hypno-Birthing, dass sie inzwischen überlegt, selbst eine Ausbildung zu absolvieren, um anderen Frauen zu helfen. Kerstin Todt freut sich über Unterstützung: In Höxter und Steinheim gibt es bislang nur sie und die Hebamme Anna Reichenbach, die die Kurse anbieten.

Daten & Fakten

Bekannt geworden ist die Methode Hypno-Birthing vor allem durch Prinzessin Kate, die ebenfalls auf diese Weise entbunden haben soll. »Als man gesehen hat, wie toll Kate schon kurz nach der Geburt aussah, waren in England sämtliche Kurse ausgebucht«, berichtet Kerstin Todt mit einem Schmunzeln. Kerstin Todt macht darauf aufmerksam, dass diese Methode auch für Mütter geeignet sei, die bei einer vorherigen Geburt einen Kaiserschnitt hatten. Die Kosten für die Kurse werden nach Angaben der Medizinerin zum Teil von den Krankenkassen übernommen. Nähere Infos gibt es unter Telefon 0172/5677010.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.