Haus in der Lüttge Straße 14 soll im Rahmen eines Projektes zur Flüchtlings-Integration umgebaut werden »Wer baut, der bleibt«

Nieheim (WB/dp). Das Land hat der Stadt Nieheim 298 648 Euro für das Projekt »Wer baut, der bleibt« zur Verfügung gestellt (wir berichteten). Jetzt haben die Projektpartner Stadt, Stadtbaukultur NRW und Hochschule OWL ihr Vorhaben mit dem Ackerbürgerhaus in der Lüttge Straße 14 vorgestellt.

Haben das Projekt in der Lüttge Straße 14 in Nieheim vorgestellt: (von links) Bürgermeister Rainer Vidal, Bauamtsleiter Olaf Klahold, Tim Rienits (Stadtbaukultur), Holger Pump-Uhlmann (Innenstadtbüro), Elisabeth Klennert, Christine Kämmerer (Stadtbaukultur), Lucia Walter, Sandra Elsner (Integrationsbeauftragte der Stadt Nieheim) und Professor Oliver Hall (Hochschule Ostwestfalen-Lippe).       
Haben das Projekt in der Lüttge Straße 14 in Nieheim vorgestellt: (von links) Bürgermeister Rainer Vidal, Bauamtsleiter Olaf Klahold, Tim Rienits (Stadtbaukultur), Holger Pump-Uhlmann (Innenstadtbüro), Elisabeth Klennert, Christine Kämmerer (Stadtbaukultur), Lucia Walter, Sandra Elsner (Integrationsbeauftragte der Stadt Nieheim) und Professor Oliver Hall (Hochschule Ostwestfalen-Lippe).        Foto: Dennis Pape

Zusammen mit dem Eigenanteil der Stadt Nieheim beträgt das Projektvolumen etwa 430 000 Euro. Das Vorhaben hat Vorbildcharakter und sucht in der Region nach Aussage der Verantwortlichen seinesgleichen: Das Haus, das von einer Erbengemeinschaft zunächst für zehn Jahre zur Verfügung gestellt wird (es bleibt in privater Hand), soll ein Ort der Begegnung zwischen Einheimischen, Studierenden und Flüchtlingen werden – und das nicht erst, wenn es umgebaut ist, sondern bereits während dieses Prozesses. Umgebaut werden soll zunächst das 230 Quadratmeter große Erdgeschoss des Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäudes im historischen Ortskern Nieheims.

Weg ist Teil der Integration

Die dadurch geschaffenen Flächen sollen für Integrationsmaßnahmen in der Stadt zur Verfügung stehen. Wie das Gebäude nach dem Umbau genau mit Leben erfüllt wird, soll mit Studenten der Hochschule OWL im Rahmen des Projektes sowie bei Treffen mit Flüchtlingen aus dem Stadtgebiet erarbeitet werden – von Gastronomie über Fahrradwerkstatt gebe es viele Möglichkeiten. »Wir halten das bewusst offen«, sagte gestern Tim Rienits, Geschäftsführer der Stadtbaukultur NRW, einer Initiative des Landes, die Bewusstsein für die Baukultur vermitteln soll. »Bereits der Weg soll ein Teil der Integration sein. Um das Projekt mit Leben zu füllen, soll die spätere Nutzung des Gebäudes auch von den Personen mit erarbeitet werden, die es später nutzen könnten«, führte er aus. Ein erstes Treffen mit den elf Flüchtlingsfamilien ist bereits geplant.

Flüchtlinge können sich beteiligen

Flüchtlinge, die der Stadt Nieheim zugewiesen wurden (derzeit sind es 144), können sich auch mit eigener handwerklicher Arbeit in Kooperation mit heimischen Firmen an den Umbauarbeiten beteiligen. »So schaffen es junge Flüchtlinge vielleicht, in Ausbildungsverhältnisse zu kommen«, hofft Bürgermeister Rainer Vidal. Da diese Arbeiten angeleitet und koordiniert werden müssen, stehen im Projekt etwa 145 000 Euro für Personalkosten über die gesamte Laufzeit des Projektes bis zum Ende des Jahres 2018 zur Verfügung.

Objekt zu groß für Eigentümer

Stellvertretend für die Eigentümerfamilie erläuterten Elisabeth Klennert und Lucia Walter ihre Motivation, das Haus zur Verfügung zu stellen: »Wir finden das Projekt klasse und freuen uns riesig darüber, dass das Haus sinnvoll genutzt wird. Wir haben dort als Großfamilie mit sechs Geschwistern gelebt. Die Tür war immer für alle offen – und das soll auch in Zukunft wieder so sein«, sagte Elisabeth Klennert. Nach dem Tod des Vaters Johann Rieks vor vier Jahren sind Teile des Hauses durch eine Wohngemeinschaft bewohnt gewesen. »Für unsere Familien ist das Objekt deutlich zu groß gewesen«, sagte Lucia Walter.

Projekt soll Leerstand bekämpfen

Lehrende und Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen der Hochschule OWL bringen sich in die Planung und Umsetzung des Projektes ein. Bereits an diesem Mittwoch soll dazu das Stadtbild in seiner Gesamtheit in Augenschein genommen werden, wie Professor Oliver Hall (Stadtplanung und Städtebauliches Entwerfen) erläuterte. »Wir beschäftigen uns im Bereich der Forschung schon länger damit, wie man den Leerstand bekämpfen und dem Schrumpfen der Ortschaften begegnen kann. Weitere Grundpfeiler unserer Tätigkeit sind neben dem Konzept für den Umbau auch die technische Seite und städtebauliche Aspekte«, sagte er. Das Objekt sei typisch für viele Ackerbürgerhäuser. Die »schöne Altbausubstanz« sei schwer veräußerbar, und stehe deshalb in vielen Städten leer. »Wir wollen es mit dem Bedarf verbinden: Wir haben eine große Zuwanderung von Menschen, die hier bleiben und arbeiten wollen – das ist eine optimale Zusammenführung.« Laut Tim Rienits könnte das Projekt insofern später weitergeführt werden, dass auch das erste Obergeschoss sowie das Dachgeschoss beispielsweise für Wohnungen umgebaut werden. Hier stehen mehr als 180 Quadratmeter zur Verfügung.

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