Tourismus soll in Nieheim stärker thematisiert werden Nur noch 7400 Besucher im Culinarium

Nieheim (WB). Das Westfalen-Culinarium in Nieheim wird auf Sparflamme weitergeführt. Die Quote der zahlenden Museumsbesucher ist von 9000 in 2013 auf 7400 im vergangenen Jahr gesunken.

Von Michael Robrecht
Zwei Pfundskerle schwärmen vom Culinarium und Mitarbeiterin Daniela Kraemer: Wolfgang Schwalm und Wilfried Gliem (»Wildecker Herzbuben«) sind 2014 die prominentesten Gäste gewesen. Zwei Westfälische Wurstplatten und Kuchen haben sie verköstigt.
Zwei Pfundskerle schwärmen vom Culinarium und Mitarbeiterin Daniela Kraemer: Wolfgang Schwalm und Wilfried Gliem (»Wildecker Herzbuben«) sind 2014 die prominentesten Gäste gewesen. Zwei Westfälische Wurstplatten und Kuchen haben sie verköstigt. Foto: Michael Robrecht

 Die Stadt musste 2014 146 000 Euro Verlustausgleich an die Museumsmeile überweisen, 2015 sollen es nur noch 100 000 Euro sein. Der Haupt- und Finanzausschuss Nieheim hatte mehrheitlich keine Einwände gegen den Entwurf des Wirtschaftsplanes 2015, den die Culinarium-Gesellschafterversammlung noch beschließen muss. Die Stadtverwaltung erklärte, dass die Ansätze im Finanzplan wieder »nach dem Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns« kalkuliert worden seien. Die Umsatzerlöse werden gegenüber dem Planwert des Vorjahres um 15 000 Euro auf 175 000 Euro reduziert. Die Personalkosten sollen um 10 000 Euro verringert werden. Bürgermeister Rainer Vidal sagte in der Sitzung, dass die Einsparung durch ein noch stärkeres wöchentliches Personal-Controlling erreicht werden solle.

Vidal, der auch Geschäftsführer des Culinariums ist, schilderte, dass die Gastronomie an vielen Tagen nicht zwei Mitarbeiter benötige, sondern nur einen. Kämen mehr Gäste oder Gruppen, werde kurzfristig eine zweite Hilfe dazu geholt. Nur so sei ein Spareffekt zu erzielen. Vidal wies auch darauf hin, dass trotz des Besucherrückgangs das Defizit um mehr als 40 000 Euro reduziert werden könne.

Der Sparkurs soll bis 2020 fortgesetzt werden, dann endet wegen der geflossenen EFRE-Mittel die Zweckbindung für die Westfälisch-Kulinarische Museums- und Erlebnismeile (WKME). Bis dahin muss Nieheim den jährlichen Verlust ausgleichen. Erst danach wird eine Grundsatzentscheidung über den Fortbestand der Museumsmeile in jetziger Form fallen können.

Zu den Marketingmaßnahmen sagte Rainer Vidal, dass die persönliche Weiterempfehlung des Culinariums an Vereine oder Gruppen mehr neue Gäste gebracht habe als alle Werbespots oder Anzeigen für 5000 Euro im Jahr. Das habe 2014 eine Besucherbefragung ergeben. Gäste kämen aus einem Umkreis von 100 bis 150 Kilometern nach Nieheim.
 
Neue Offensive planen

Im Hauptausschuss erklärte Wolfgang Kuckuk (SPD), dass Nieheim seine Tourismus-Highlights wieder intensiver ins Licht rücken müsse. Wichtig sei, die gesamte Gastronomie und Hotellerie mit ins Boot zu nehmen. Man höre, dass es in der gastronomischen Szene in Nieheim Probleme gebe. »In jüngster Zeit war der Tourismus hier nicht mehr das große Thema, er muss aber wieder einen höheren Stellenwert bei uns bekommen«, sagte Kuckuk. Die Thematik sei leider aus vielen Köpfen heraus geraten, »weil unser Tourismusbüro ja alles abhandelt«. Nur zu sagen, das Culinarium sei gut, das reiche nicht. Auch könne man nicht auf Dauer mit einem sechsstelligen Defizit leben.

Bürgermeister Vidal kann sich vorstellen, mit dem Nieheimer Gastgewerbe neue Überlegungen zu entwickeln. Da es einen Betreiberwechsel in zwei großen Gastronomie-Betrieben gegeben habe, sei jetzt vielleicht eine gute Zeit, etwas zu tun. Doch das Eine sei die Theorie, das Andere die Umsetzung, die die Hotels und Gasthäuser vornehmen müssten. Thomas Menne (CDU) erinnerte daran, dass bei zwei Sitzungen, in denen das Thema Tourismus behandelt worden ist, nicht ein Gastronomiebetrieb erschienen sei. »Es war einfach keiner da!«

Wolfgang Kuckuk meinte, dass es in Sachen Gastronomie schon »kurz nach 12« sei. Erwin Nowak (CDU) sprach sich dafür aus, die Gastronomen anzusprechen und wieder stärker mitzunehmen. Er habe zudem beobachtet, dass die Leute heute lieber 20 oder 30 Kilometer irgendwohin führen, statt in Nieheim essen zu gehen. Und es gebe immer wieder die Frage der Betriebsnachfolge im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Der Wirtschaftsplan für das Culinarium wurde von CDU, SPD und FDP gegen die UWG empfohlen.

»Sorgenkind« Culinarium

Vom Hoffnungsträger zum »Sorgenkind«: Das Westfalen-Culinarium ist ein Komplex aus vier Museen: das Deutsche Käsemuseum, das Westfälische Brotmuseum, das Westfälische Schinkenmuseum und das Westfälische Biermuseum. Diese vier Museen und ein Museumsshop sind 2006 eröffnet worden. Sie befinden sich in sechs ehemaligen Fachwerkhäusern, die für diesen Zweck umgebaut oder neu aufgebaut wurden. Der Bau des Westfalen-Culinariums wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Träger der Museen ist eine GmbH der Stadt. Auf insgesamt 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden Geschichte, Herstellung, kulturelle Hintergründe und kulinarische Besonderheiten der fünf westfälischen Grundnahrungsmittel Brot, Käse, Schinken, Bier und Schnaps anschaulich präsentiert. Als innovatives Tourismusprojekt bekam das Westfalen Culinarium sogar den Deutschen Tourismuspreis 2006. Statt der zu Beginn euphorisch anvisierten 60 000 Besucher pro Jahr kamen zuletzt jedes Jahr unter 10 000 Gäste in die Museumsmeile – auch in den Käsemarktjahren.

Das Culinarium startet in die Saison am Sonntag, 29. März. Am Freitag, 13. März, ist zuvor ab 13 Uhr im Culinarium der 3. Nieheimer Frauentag geplant.

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