Besucherschwund bei Revue »Let it beat«: Tag der offenen Tür und Rabatte sollen Saison retten Schlosstheater: »Der Vorhang darf nicht fallen«

Höxter/Marienmünster (WB). Von wegen ödes Landleben! Im Kreis Höxter geht in Sachen Kultur einiges. Doch was nützt ein noch so qualitätsvolles Angebot, wenn die Besucher ausbleiben. In dieser Spielsaison wird das Schlosstheater in Marienmünster arg gebeutelt. Das Ensemble geht deshalb in die Offensive.

Von Michael Robrecht
Das »Schlosstheater«-Ensemble 2018: Thomas Golücke, Frauke Hain, Thomas Rosenkranz, Matthias Hertel, Bianca Schwarze, Andreas Seifert, Jessy Stirnberg, Barny Bürger, Kitty Friedrichs, Christian Schulz, Wulf Dominicus & Co. auf der Bühne.
Das »Schlosstheater«-Ensemble 2018: Thomas Golücke, Frauke Hain, Thomas Rosenkranz, Matthias Hertel, Bianca Schwarze, Andreas Seifert, Jessy Stirnberg, Barny Bürger, Kitty Friedrichs, Christian Schulz, Wulf Dominicus & Co. auf der Bühne. Foto: Philipp Rathmann

»Schlosstheater«-Geschäftsführer Wulf Dominicus und der Musikalische Leiter der Show, Dr. Andreas Seifert, zeigen sich in ihrer Halbzeitbilanz sehr besorgt: Da müsse jetzt noch ein Schwung Zuschauer zu den letzten zehn Showterminen des 2018er Programms »Let it beat – Rock’n’Roll bis zum Brexit« kommen, damit sich die Saison am Ende überhaupt rechne. Die Theaterleitung legt beim Gespräch in der WESTFALEN-BLATT-Redaktion die Karten offen auf den Tisch: »Gut 3000 Besucher waren bisher bei uns im alten Kloster-Schafstall in Marienmünster. Damit wir über die Runden kommen, müssen es aber bestimmt 5000 sein«, rechnet Wulf Dominicus vor. Das sei in den Vorjahren beim »Schlosstheater« auch nie ein Problem gewesen, doch dieses Jahr gebe es Schwierigkeiten und gefährde das gesamte Projekt in Marienmünster. Man bekomme keine Subventionen und lebe von Eintrittsgeldern und dem Sponsoring. 100.000 Euro koste die Produktion 2018 (Gagen, Miete, Technik, Licht, Marketing).

Problem erkannt

Problem erkannt, Schlüsse gezogen, jetzt wird gehandelt: Dominicus & Co. haben ein Paket zur Rettung der Saison einer der erfolgreichsten Bühnen der Region geschnürt – getreu dem Motto »Wir schaffen das!« So wird am Sonntag, 18. März, von 15 bis 17.30 Uhr ein Tag der offenen Tür an der Spielstätte im Domänenhof in Marienmünster angeboten. Öffentliche Proben, Kaffee und Kuchen, eine Bilderausstellung, Blick hinter die Bühnenkulisse, Gespräche mit den Show-Machern, mit Technikern und Schauspielern. Zudem tritt Pia Golücke (Tochter von Ensemblemitglied Thomas Golücke) mit Band auf, die in der SAT1-Show »The Voice Kids« ins Finale gekommen ist und bundesweit auffiel.

Dann erhalten alle Besucher des Tages der offenen Tür das Angebot, die Sonntagabendveranstaltung kostenlos zu besuchen. »Unser Anliegen ist, dass sich die Leute ein eigenes Bild von Show und Bühne machen sollen«, sagt Wulf Dominicus. Und die Offensive zur Bewerbung der zehn Termine bis Ende April geht noch weiter: Beim »Schlosstheater« gibt es ab sofort eine »Geld-zurück-Garantie«, wenn einem Besucher die Show 2018 nicht gefallen hat. »Wir sind von Songs und Performance mit dem Besten aus 50 Jahren britischer Popmusik mit 40 Titel in der zweieinhalbstündigen Liveshow überzeugt und hoffen, dass sich das noch weiter positiv rumspricht«, hoffen An-dreas Seifert und Wulf Dominicus.

Als I-Punkt hat das »Schlosstheater« auch noch eine Rabattaktion für die Ticketbuchungen gestartet, um den Saal auszulasten. Details sind auf der Internetseite www.das-schlosstheater.de zu finden.

Fünf Thesen zur Saison 2018

Im WB-Redaktionsgespräch mit der Leitung des Theaters sind fünf Thesen zum auf Jahre angelegten Theaterprojekt formuliert worden. 1. Man spricht mit dem Wechsel vom Playbacktheater zur Livemusikrevue ein deutlich jüngeres Publikum an. Mit Popsongs von George Michaels »Careless Whisper« über die Beatles-Hits bis zu Adeles James-Bond-Song »Skyfall« wird aber auch das mittelalte Publikum bedient. Wulf Dominicus hat erfahren, dass der englische Showtitel »Let it beat« das Ü50/Ü60 Publikum aber offensichtlich etwas abschreckt, »obwohl die Songs doch eigentlich die Musik dieser Generation sind«.

2. Der Sonntagstermin wird nicht mehr angenommen. Viele kennen vom Schlosstheater, dass die Shows gerne mal drei Stunden plus X dauern. Das habe man dieses Jahr um eine Stunde auf 22.15 Uhr Ende gekürzt. Diese Änderung hat sich laut Ensemble noch nicht herumgesprochen. 25 Euro Eintritt seien auch nicht zu teuer.

3. Das neue Konzept weg von Glitzer, Glamour und Schlager mit Playbackmusik hin zu einer Liveband mit Livegesang wird nicht honoriert. Wulf Dominicus hörte, dass manche Zuschauer die alten Playback-Glamour-Shows besser fanden als Livemusik. »Stillstand ist des Künstlers Tod. Wir wollen mehr Qualität bieten«, so das Credo des Künstlerischen Leiters und Moderators. Man biete Anspruchsvolles im ländlichen Raum. Die Besucher im Saal seien begeistert. Das, was die Musiker und Sänger als Weiterentwicklung empfinden, ist beim Publikum aber offensichtlich gefloppt.

Fragen zum Standort

4. Auch über den Standort hat sich das »Schlosstheater« Gedanken gemacht. Nach Schloss Fürstenberg mit 13.000 Zuschauern pro Saison über die 11.000 Gäste in Höxters Stadthalle zu 5000 und 4500 Besuchern in 20106 und 2017 in Marienmünster ist im Schafstall ein klarer Besucherabwärtstrend festzustellen. Die Theaterleute und Dominicus als geschäftsführender Gesellschafter der GmbH stellen sich die Frage: Bleiben wir am Standort Marienmünster, wenn die Besucher weiter fern bleiben? Das wäre schade, denn der Saal mit Arenacharakter sei perfekt mit der Bühne in der Mitte, was eine große Nähe zum Publikum bedeute. Überall – vom Foyer bis zum Saal – erklinge Musik. Auch die Frage, warum ein Spielort auf dem Lande Probleme bereite, müsse gestellt werden.

5. Der Traditionsbetrieb »Schlosstheater« plant die Zukunft mit einem Mitsingtheater. Und im Herbst 2018 sind zehn Theatertermine für eine Komödie mit Jasmyna Reza mit zehn Aufführungen geplant. Für 2019 gibt es schon Ideen; das Team sieht sich als kreative Einheit, will weitermachen. »Der Vorhang darf jetzt nicht fallen!«

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