Zusammenschluss zum 1. Januar 2017: Rückpfarrung an die Abteigemeinde St. Jakobus der Ältere Marienmünsters Pfarreien fusionieren

Marienmünster (WB). Vertreter der Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte haben ein bedeutendes Stück Kirchengeschichte in Marienmünster geschrieben. Sie haben den Beschluss gefasst, dass alle sieben Pfarreien des Pastoralverbundes zum 1. Januar 2017 zu einer einzigen Gesamtpfarrei fusionieren.

Von Dennis Pape
2017 erfolgt eine so genannte Rückpfarrung an die Abteigemeinde (hier die Kirche in Marienmünster). Der bisherige Pastoralverbund heißt dann »St. Jakobus der Ältere, Marienmünster«.
2017 erfolgt eine so genannte Rückpfarrung an die Abteigemeinde (hier die Kirche in Marienmünster). Der bisherige Pastoralverbund heißt dann »St. Jakobus der Ältere, Marienmünster«. Foto: Besim Mazhiqi

»Nach etwa einem Jahr der Vorbereitung mehreren Gesprächsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Erzbischöflichen Generalvikariat und dem Gemeindeverband in Paderborn sowie zahlreichen Gesprächen in den Ortschaften wurde nun der Erzbischof gebeten, den notwendigen Prozess zur Fusion einzuleiten«, teilte gestern Pastor Stefan Siebert bei einer Informationsveranstaltung in der St.-Johannes-Kirche in Kollerbeck mit.

Gründe für die Fusion

»Ein Zusammenschluss der Kirchengemeinden hat eine Verschlankung der Verwaltungsarbeit zur Folge. Aus sieben Kirchenvorständen wird nun ein Vermögensverwaltungsrat«, erklärte Pastor Stefan Siebert. Dieses neue Gremium bestehe aus 14 Mitgliedern, jeder bisherige Kirchenvorstand entsende zwei seiner gewählten Mitglieder in dieses Verwaltungsorgan. »Damit ist gewährleistet, dass jede bisherige Pfarrgemeinde zu gleichen Teilen vertreten ist – mir ist besonders wichtig, dass sich jede Gemeinde repräsentiert fühlt«, führte er aus. Der Vermögensverwaltungsrat habe alle Kirchen und Kapellen im Blick. »Es geht hier um ein geschwisterliches Miteinander.«

Ein weiterer Grund für die Fusion sei die zurückgehende Zahl der Gläubigen und des hauptamtlichen Personals. Erzbischof Becker habe im Januar einen verlässlichen Stelleneinsatzplan veröffentlicht. Siebert: »Hiermit will er Transparenz schaffen und Auskunft darüber geben, wie viele hauptberuflich tätige Seelsorgerinnen und Seelsorger bis 2024 in den pastoralen Räumen zur Verfügung stehen. Für den großen Pastoralen Raum Nieheim-Steinheim-Marienmünster sind das drei Priester und zwei Gemeindereferenten sowie für das St.-Rochus-Krankenhaus in Steinheim eine halbe Stelle eines Gemeindereferenten.« Das bedeute, dass sich das pastorale Personal in diesen drei Kommunen bis zum Jahr 2024 fast um die Hälfte reduziere. »Um auf diese Veränderung gut vorbereitet zu sein, ist eine Verschlankung der Verwaltung der Pfarrgemeinden ein wichtiger Schritt«, schilderte er die Sichtweise der Verantwortlichen.

Das ändert sich

In Zukunft wird es den Namen »Pastoralverbund Marienmünster« nicht mehr geben. Der neue Name lautet »St. Jakobus der Ältere, Marienmünster« – denn angesichts der historischen Gegebenheiten erfolgt eine so genannte Rückpfarrung an die Abteigemeinde St. Jakobus der Ältere.

»Mit Blick auf die pastorale Arbeit wird die Fusion jedoch keine Auswirkungen haben. Das kirchliche Leben, so wie es im Moment um die verschiedenen Kirchen und Kapellen herum stattfindet, bleibt bestehen«, machte der Pastor allen, die die Entwicklung mit Sorge betrachten, Mut. Er betonte auch: »Ich kann diese Sorgen nachvollziehen. Unsere Gemeindemitglieder müssen viel Liebgewonnenes aufgeben. Es ist sicherlich auch ein Stück Heimatverlust.« Jedoch müsse man agieren, bevor man nur noch reagieren könne – das sei auch die Politik des Erzbistums. Seit dem Weggang der Passionisten-Patres im September 2014 und der Pensionierung von Pfarrer Helmut Golletz bestehe in Marienmünster bereits der »pastorale Ernstfall« mit nur einem Priester und keinem weiteren pastoralen Personal. »In diesen zurückliegenden Monaten haben wir hier vor Ort gemeinsam nach Wegen und Möglichkeiten Ausschau gehalten, das kirchliche Leben neu zu organisieren«, so der Pastor. Dazu zählten eine neue Gottesdienstordnung, die die Anzahl der Gottesdienste gerecht zwischen den 13 Gottesdienststellen zu verteilen versucht, eine neue Form der Feier der Patronatsfeste, eine gemeinsame Fronleichnamsprozession für Marienmünster sowie der gemeinsame Pfarrbrief.

Die Pfarrbüros in Altenbergen, Kollerbeck, Bredenborn und Vörden sollen in gewohnter Form besetzt bleiben. »Die einzelnen Pfarreien gibt es nur auf dem Papier nicht mehr – in den Herzen der Menschen schon«, sagte er.

Chance für die Zukunft

Die bevorstehende Fusion ist laut Siebert auch eine Chance für die katholische Kirche in Marienmünster. »Mit Blick auf den großen pastoralen Raum haben wir uns hier in Marienmünster als Einheit gefunden und können Nieheim und Steinheim auf Augenhöhe begegnen und im Gesamtkonzert gut mitspielen.« Das kirchliche Marienmünster rücke näher zusammen. Sinnbildlich dafür stehe zum Beispiel der Kommentar des Kirchenvorstandsmitgliedes Martin Postert zum Ende einer Sitzung: »Es ist keine Beerdigung, sondern eine Hochzeit mit vollen Krügen.«

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