Stadt Marienmünster sucht weiteren Wohnraum Flüchtlinge in der Abtei?

Marienmünster (WB). Der Flüchtlingsstrom in die Bundesrepublik reißt nicht ab – das bekommt auch die Stadt Marienmünster als kleinste Kommune in OWL massiv zu spüren. Ratsmitglieder haben deshalb jetzt auch die Abtei Marienmünster und das benachbarte leer stehende Hotel als perspektivische Unterkünfte ins Spiel gebracht.

Von Dennis Pape
Der Rat bevorzugt auch zukünftig eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen. Als mögliche Alternativen für eine Zuspitzung der Lage haben die Mitglieder aber auch das leer stehende Hotel sowie die benachbarte Abtei (Türme im Hintergrund) ins Spiel gebracht.
Der Rat bevorzugt auch zukünftig eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen. Als mögliche Alternativen für eine Zuspitzung der Lage haben die Mitglieder aber auch das leer stehende Hotel sowie die benachbarte Abtei (Türme im Hintergrund) ins Spiel gebracht. Foto: Dennis Pape

Ordnungsamtsleiter Elmar Meyer stellte dem Rat am Mittwochabend die Entwicklung der Flüchtlingszahlen im Stadtgebiet Marienmünster vor. Seien es am 1. Oktober 2013 noch neun Flüchtlinge gewesen, habe sich die Zahl innerhalb eines Jahres auf 22 erhöht. »Dann kam der große Ansturm«, führte Meyer aus: »Allein im Juli dieses Jahres ist die Zahl von 52 auf 77 in die Höhe geschnellt – und zum 22. Oktober haben wir insgesamt 84 Flüchtlinge aufgenommen.«

84: Diese Zahl wirkt im Vergleich mit anderen Städten auf den ersten Blick gering – angesichts der geringen Größe der Stadt Marienmünster, einige Ortschaften haben deutlich weniger als 100 Einwohner, stellt sie die Kommune jedoch bereits vor massive Probleme. Ratsherr Frank Lüke (CDU) brachte es auf den Punkt: »Zum Jahresende sind es vielleicht bereits 100 Flüchtlinge, 2016 dann schon 200. Wir müssten für unsere Verhältnisse praktisch einen ganzen Ort aus dem Boden stampfen.«

Die Unterkünfte in Vörden, Bredenborn und Kollerbeck können den Ansturm nicht mehr auffangen, binnen einer Woche ist jetzt nach Auskunft Meyers in der Straße »Auf der Trift« ein neu angemietetes Wohnhaus für Familien und Ehepaare voll belegt worden. »Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen: Wenn ab sofort sieben Personen pro Woche kommen, dann müssen wir alle paar Tage ein neues Haus anmieten«, führte Meyer aus. Die Suche nach geeignetem Wohnraum stelle sich jedoch als äußerst schwierig dar. »Es hat eine Reihe an Angeboten gegeben, wir haben uns alle Objekte angeschaut, viele sind jedoch einfach nicht geeignet – da spielen vor allem baurechtliche Dinge eine gewichtige Rolle«, sagte er weiter.

Alle Ratsmitglieder sowie Bürgermeister Robert Klocke favorisieren auch in Zukunft eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge. Wie lange dies jedoch überhaupt noch möglich sei, vermag niemand zu prognostizieren. Elmar Stricker (WGB) nahm deshalb auch die Kirche in die Pflicht: »Wir können die Situation auf Dauer nicht anders stemmen. In der Abtei haben beispielsweise sechs Passionisten vor ihrem Auszug gelebt – dort sind Kapazitäten.« CDU-Mann Lüke nannte zudem das benachbarte Hotel, das seit geraumer Zeit leer steht, als perspektivische Unterkunft, sollte sich die Lage weiter zuspitzen.

Problem: Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES hofft das Erzbistum, dessen Pressestelle gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, immer noch darauf, einen französischen Orden in der Abtei unterzubringen. Dieser hat jedoch um Bedenkzeit bis 2018 gebeten.

Das Hotel, dass ein Privatmann im Rahmen einer Insolvenz erstanden hatte, habe sich Ordnungsamtsleiter Elmar Meyer bereits angeschaut. Er betonte: »Angesichts des extrem großen Objektes mit hohen Auflagen bin ich nicht sehr optimistisch. Zudem steht der Eigentümer derzeit in Verhandlungen mit anderen Interessenten.«

Auch Helmut Lensdorf (SPD) forderte Gespräche mit der Kirche und merkte an, dass es generell keine Tabus mehr geben dürfe. Bürgermeister Robert Klocke gestand ein, dass die Verwaltung zwar eine dezentrale Unterbringung weiterhin forciere. Aber: »Es kann passieren, dass wir auch über andere städtische Gebäude nachdenken werden müssen – dass will und kann ich nicht ausschließen«, sagte er.

Bürger, die Wohnraum zu vermieten haben, können sich an das Amt für Ordnung und Soziales ( meyer@marienmuenster.de , Telefon 05276/989820) wenden.