Land unter bei Höxter – Wassermassen überfluten Straßen – mit Video Unwetter: Ottbergens Ortsdurchfahrt versinkt im Schlamm

Höxter-Ottbergen (WB). Wassermassen und Schlamm haben am Freitagabend (1. Juni) die Menschen in Ottbergen in Atem gehalten: Extremer Starkregen verwandelte die Bahnhofstraße in einen reißenden Strom. 

Von Sabine Robrecht
Schlammmassen auf einem Gehweg in der Ortsdurchfahrt: Nachbarn fassen beim Aufräumen tatkräftig mit an.
Schlammmassen auf einem Gehweg in der Ortsdurchfahrt: Nachbarn fassen beim Aufräumen tatkräftig mit an. Foto: Sabine Robrecht

Gegen 20.30 Uhr entlädt sich der Wolkenbruch über dem Eisenbahnerdorf. Binnen weniger Minuten ist in der Bahnhofstraße Land unter. Wasser- und Schlammmassen kommen mit atemberaubender Wucht heruntergelaufen. Sie breiten sich auch in der Nethestraße und in der Ortsdurchfahrt aus. Keller laufen voll Wasser. Anwohner beider Straßen haben Angst um ihre Autos, die am Straßenrand stehen. »Es sah aus, als ob sie weggeschwemmt würden«, erzählt eine Augenzeugin.

Das Unwetter dauert nur etwa 15 bis 20 Minuten und entlädt sich nur über Ottbergen. Im Nachbarort Godelheim bleibt alles friedlich. In Ottbergen hinterlässt der Wolkenbruch Unmengen von Schlamm. Feuerwehr und Polizei sind im Einsatz. Die völlig verschlammte Ortsdurchfahrt muss über mehrere Stunden voll gesperrt werden. Auch steht die Bahnstrecke zwischen Brakel und Ottbergen so hoch unter Wasser, dass sie eine zeit lang unpassierbar ist. Vor dem Bahntunnel B64 am Ortseingang Ottbergens steht eine Fahrbahn unter Wasser.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr unter der Leitung von Wehrführer Jürgen Schmits haben mit der Reinigung alle Hände voll zu tun. Zuerst helfen sie beim Öffnen der Gullideckel. Auch pumpen sie mehrere Keller aus. Alarmiert sind die Löschgruppen Ottbergen, Bruchhausen und Godelheim. Zur Unterstützung fordert Einsatzleiter Jürgen Schmits die Löschgruppen Amelunxen, Drenke, Bosseborn und Ovenhausen an.

Tatkräftige Nachbarn fassen mit an

Entlang der Straßen sammeln sich unterdessen tatkräftige Nachbarn. Sie nehmen Schaufeln zur Hand und fassen mit an. Der zähflüssige Schlamm ist so schwer, dass ihnen der Schweiß auf der Stirn steht. So auch bei den Helfern an der B64 vor dem Fachwerkhaus mit der Hausnummer 5. Der ganze Gehweg ist bis vor der Haustür im Schlamm versunken. »Es ist doch klar, dass wir helfen«, sagt Nachbarin Eva Müller. Ein Dorfbewohner holt seinen Traktor und schafft Schlammmassen von der Ortsdurchfahrt weg. Ein anderer hilft mit landwirtschaftlichem Gerät beim Abspülen der Straße mit Wasser.

Augenzeuge erzählt von Wassermassen

Auch in der Bahnhofstraße und in der Nethestraße sind die Menschen auf den Beinen. Ein Anwohner erzählt von der Sintflut: »Nur fünf Minuten, nachdem der Regen eingesetzt hatte, verwandelte sich die Straße in einen Fluss. Es war unglaublich. Im vergangenen Jahr hatten wir auch schon einmal eine solche Überschwemmung. Das habe ich aber nicht gesehen, weil ich bei der Arbeit war.«

Eine Nachbarin von gegenüber nimmt das Wasser in ihrem Keller gelassen: »Das ist Natur.« Genau so klaglos schrubbt ein Paar drei Häuser weiter seine Garage. »Wir wollten sie ohnehin mal wieder reinigen. Man muss das pragmatisch sehen.«

So macht Ottbergen das Beste draus – in Gummistiefeln oder barfuß, aber auf jeden Fall pragmatisch.

Starke Juni-Unwetter sorgten in vielen Teilen Deutschlands ebenfalls für Chaos. In Bredenborn  beispielsweise flutete eine Wasserwalze ein Wohnhaus. Aufgrund von Starkregen musste auch die  A 44 bei Soest gesperrt werden.

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