Weltkriegsbombe: DRK und Malteser aus dem Kreis Höxter betreiben am Sonntag in Paderborn Betreuungsplatz Evakuierung: St. Ansgar nimmt Frühchen auf

Höxter/Paderborn (WB). Das St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter hat am Donnerstag die ersten drei Frühchen aus der Frauen- und Kinderklinik St. Louise in Paderborn aufgenommen. Die Verlegung der Säuglinge und Mütter läuft im Rahmen der Evakuierung von 26.300 Menschen, die den Sperrbezirk rund um den Bombenblindgänger im Peter-Hille-Weg verlassen müssen.

Von Michael Robrecht
Chefarzt Firooz Ahmadi begrüßt die erste aus der Kinderklinik St. Louise in Paderborn evakuierte Mutter mit ihrem Säugling in der Kinderklinik im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter. Jasmin Lasar aus Warburg hält Frühchen Marina im Arm.
Chefarzt Firooz Ahmadi begrüßt die erste aus der Kinderklinik St. Louise in Paderborn evakuierte Mutter mit ihrem Säugling in der Kinderklinik im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter. Jasmin Lasar aus Warburg hält Frühchen Marina im Arm. Foto: Michael Robrecht

Der Chefarzt der Höxteraner Kinderklinik, Firooz Ahmadi, hat seinen Kollegen in der Klinik Husener Straße in Paderborn zusammen mit der Geschäftsführung der Katholischen Hospitalvereinigung Betten angeboten, die die Paderborner gestern dankbar annahmen. »Wir haben auf der Station in Höxter Platz geschaffen. Einige Patientinnen mit ihren Babys konnten früher entlassen werden«, berichtete der Chefarzt. Am Freitagvormittag kämen weitere Frühchen aus Paderborn. Dort müssen die Menschen bis Sonntagmittag den Evakuierungsbezirk Innenstadt geräumt haben.

»Das sind aufregende Wochen. Meine kleine Marina ist in der 31. Woche zu früh geboren, und jetzt kommt noch die Verlegung wegen der Weltkriegsbombe nach Höxter – bis in den Mai – dazu«, sagte Jasmin Lasar (29) aus Warburg, die erste evakuierte Paderborner Frühchenmutter im St. Ansgar.

DRK-Helfer aus dem Kreis Höxter sind in Paderborn im Einsatz. Foto: M. Robrecht

Ob die Krankenhäuser und Alteneinrichtungen der KHWE noch weitere Patienten und Bewohner kurzfristig aufnehmen, das war gestern nicht klar, so KHWE-Pressesprecherin Christiane Bernert. Man sei aber zu jeder Hilfe bereit.

Unterstützung für die größte Evakuierungsmaßnahme aller Zeiten in Paderborn kündigte gestern die Kreisverwaltung Höxter an. »Zur Hilfe bei der Evakuierung im Stadtgebiet von Paderborn am Sonntag hat die Bezirksregierung Detmold am Mittwochabend beim Kreis Höxter einen Betreuungsplatz für 500 Personen angefordert. Für die Einrichtung und den Betrieb dieses Betreuungsplatzes des Kreises Höxter wird der Kreis Einsatzeinheiten der DRK-Kreisverbände Höxter und Warburg sowie des Malteserhilfsdienstes entsenden. Dazu gehören 72 Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen mit Verbands-, Zug- und Gruppenführern sowie Helfern und Notärzten«, kündigte Kreispressesprecherin Silja Polzin an. An 15 Sperrstellen und in Betreuungszentren sollen 1100 Einsatzkräfte bei der größten Evakuierungsaktion der Stadtgeschichte mit anpacken.

Kreisrotkreuzleiter Michael Weinreich schilderte, dass es in der Leitstelle des Kreises in Brakel am Donnerstagabend ein Koordinierungsgespräch für alle in Paderborn eingesetzten Dienste gegeben habe. Stand Donnerstag sei, dass 17 Einsatz- und Rettungswagen von DRK und Malteser nach Paderborn fahren. Auch Notärzte seien eingeplant. Wo der Betreuungsplatz am Rande der Evakuierungszone genau liege, werde noch festgelegt. 

Brakels DRK-Zugführer Martin Hoppe rechnet mit einem Betreuungseinsatz für Erste Hilfe, aber auch die Beköstigung der vielen eingesetzten Kräfte komme auf die heimischen Helfer zu. Er habe im Mai 2011 in Holzminden solch eine Stadtevakuierung live miterlebt, und das sei ein sich tief einbrennendes Ereignis. Nie vergessen werde er verwaiste Straßen, die vielen Sicherheitskräfte und die merkwürdige Stimmung.

Höxters Polizeisprecher Georg Arendes sagte gestern, dass Polizeibeamte aus dem Kreis Höxter in Paderborn zurzeit nicht eingeplant seien, sondern Landes-Kräfte eingesetzt würden. Viele Paderborner wollen am Sonntag Verwandte und Bekannte im Kreis Höxter besuchen.

www.westfalen-blatt.de/bombenfund

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