Claudia Warneke fotografiert geflüchtete Menschen – weitere Geschichten gesucht Blick in die Augen starker Frauen

Höxter (WB). Sie sind aufgestanden, haben gekämpft und sich ein neues Leben aufgebaut: Diesen Menschen möchte die Fotografin Claudia Warneke aus Höxter ein Gesicht geben und portraitieren. Zehn geflüchtete Frauen aus dem Kreis hat die 31-Jährige schon fotografiert, mindestens 40 weitere sucht sie noch – Herkunft und Alter spielen dabei keine Rolle. »Starke Frauen gibt es überall«, sagt sie.

Von Isabell Waschkies
Die 39-jährige Farsaneh musste ihr Heimatland Afghanistan 2016 mit ihrem Mann und ihren Kindern verlassen. Jeden Tag denkt sie an ihre Familie. Besonders traurig wird sie, wenn sie an ihren kleinen Bruder denkt, der vor kurzem ein Baby bekommen hat.
Die 39-jährige Farsaneh musste ihr Heimatland Afghanistan 2016 mit ihrem Mann und ihren Kindern verlassen. Jeden Tag denkt sie an ihre Familie. Besonders traurig wird sie, wenn sie an ihren kleinen Bruder denkt, der vor kurzem ein Baby bekommen hat.

Ob die Frauen beispielsweise aus Afghanistan, Syrien, vor mehr als 70 Jahren aus ihrer alten Heimat in Schlesien fliehen mussten oder in Deutschland mit einem schweren Schicksal zu kämpfen hatten – diese Menschen mit ihren ganz persönlichen Geschichten sollen Teil des Projekts »Ich bin stark – über Flucht, Mut und ein neues Leben« werden.

Als Claudia Warneke im vergangenen Jahr auf einer Veranstaltung für Geflüchtete des Welcome Cafés zu Gast war, suchte sie vergebens nach den Frauen unter ihnen. »Im Gespräch mit den Ehrenamtlichen stellte sich heraus, wie schwer es diese Frauen haben«, erinnerte sich die Fotografin, für die schnell klar war: »Hier muss ich helfen.« Den finalen Anstoß dafür gab ihr schließlich die Geschichte eines Sportlers: Im Sprint gab es einen Rekord, der als unbrechbar galt, berichtet Warneke. Doch dann schaffte es ein Sportler, das vermeintlich Unmögliche möglich zu machen und plötzlich schafften es im selben Jahr auch noch weitere. Aber nicht nur geflüchtete Frauen sollen aus diesem Projekt neuen Lebensmut schöpfen, sondern auch diejenigen, die sich gerade auf einem steinigen Lebensweg befinden und einen Schubser benötigen.

Flucht dauert 52 Tage

Nachdem Claudia Warneke mit der 28-jährigen Masoumeh aus dem Iran die erste Frau fotografiert und interviewt hatte, fühlte sie großen Respekt. »Schnell spürte ich aber auch große Freude und Dankbarkeit dafür, dass ich in so einem behüteten Land leben und als Frau alles machen darf«, erinnert sie sich. 52 Tage lang dauerte Masoumehs Flucht 2015 aus dem Iran nach Deutschland. Mitnehmen durfte sie dafür nur das Nötigste. Heute studiert die Iranerin Umweltingenieurwesen an der Hochschule OWL in Höxter.

Warnekes persönliches Fazit? Menschen machen Menschen Mut. »Und genau deshalb ist es so wichtig, diese Geschichten zu teilen. Starke Frauen gibt es in jedem Land, in jeder Kultur und in jedem Alter«, sagt die 31-Jährige, »und während diese Frauen ihre Geschichten erzählen, merken sie erst, wie mutig sie eigentlich sind.« Die zehn Frauen, die derzeit unter anderem in Höxter, Godelheim oder Beverungen leben, waren laut Warneke alle an einem Punkt, an dem sie dachten, nicht mehr weitergehen zu können – und doch haben sie es geschafft.

Unterstützt wird Warneke dabei unter anderem von der Videografin Madeline Sprock (27) von der Agentur »Madeye-Films« aus Höxter. Während Sprock den Videoclip mit den Interviews der zehn befragten Frauen abspielt, steigen ihr und Claudia Warneke die Tränen in die Augen. Es sind Geschichten, die bewegen und für diejenigen Menschen, die dieses schwere Schicksal nicht erleben mussten, nur schwer zu begreifen. Madeline Sprock: »Wir hatten für das Video, das nicht länger als drei Minuten lang sein soll, insgesamt 30 Minuten Material. Dabei die richtigen Szenen herauszusuchen, das war schwer.«

50 Geschichten erzählen

Die berührendste Geschichte, die Claudia Warneke bisher gehört hat? »Die gibt es nicht. Alle sind unglaublich bewegend«, sagt Warneke, deren Wunsch es ist, mindestens 50 verschiedene Frauen zu fotografieren. Anschließend möchte sie mit den Geschichten und Fotos eine Ausstellung veröffentlichen. Unterstützt wird sie bei dem Projekt von Verena Weber vom Kommunalen Integrationszentrum und von Heike von Broock vom Verein Welcome. Claudia Warneke: »Jeder, der uns bei diesem Projekt unter die Arme greifen möchte, ist willkommen.«

Alle Geschichten, das Video zum Projekt und Kontaktmöglichkeit gibt es online unter der Adresse www.starkefrauen.org .

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