Autor Ernst Würzburger hat 90.000 Archivseiten ausgewertet – Vortrag und Stadtführung Erstes Buch über Garnisonstadt Höxter

Höxter (WB). Die Kreisstadt ist stolz auf ihre lange Geschichte als Garnison. Doch noch nie hat sich ein Autor daran gewagt, die Höxteraner ­Militär-Historie zu erforschen und in Buchform zu veröffentlichen. Ernst Würzburger hat sich getraut: Das 300-Seiten-Werk ist fertig und wird ab April im Buchhandel zu erwerben sein.

Von Michael Robrecht
Im Buch »Garnisonstadt Höxter« sind bisher unbekannte Fotos zu sehen: Hier haben die ersten Soldaten der Wehrmacht 1936 Ausgang in Höxter zur Weserbrücke. Repros: E. Würzburger
Im Buch »Garnisonstadt Höxter« sind bisher unbekannte Fotos zu sehen: Hier haben die ersten Soldaten der Wehrmacht 1936 Ausgang in Höxter zur Weserbrücke. Repros: E. Würzburger

»Während viele andere westfälische Garnisonstädte ihre zivil-militärischen Beziehungen untersucht haben, blieb dieser Teilaspekt städtischer Historiografie für Höxter bisher unbearbeitet. Dabei kann Höxter auf eine mehr als 150-jährige Garnisonsgeschichte zurückblicken«, sagt Würzburger. Eine umfassende Studie zur Garnisongeschichte hat der Autor, der schon Bücher über die Nazizeit und die Landsberger Kriegsverbrecherprozesse herausgegeben hat, erarbeitet. 90.000 Blätter hat er im Stadtarchiv Höxter abfotografiert und ausgewertet. Eineinhalb Jahre seit Herbst 2016 dauerten die Arbeiten an dem Buch, das im Mitzkat-Verlag erscheint.

Soldaten mussten in Bürgerquartieren untergebracht werden

Obwohl Höxter auf eine lange und zumeist leidvolle Einquartierungsgeschichte zurückblicken kann, wurde die Kreisstadt erst 1860 mit der dauerhaften Einquartierung eines Infanteriebataillons Garnisonstadt. Da Höxter im Gegensatz zu anderen westfälischen Garnisonen über keine als Kasernen nutzbare Gebäude verfügte, mussten die Soldaten in Bürgerquartieren und in Massenunterkünften in Privathäusern untergebracht werden. Die damit verbundenen Probleme führten 1877 zum Verlust der Garnison. Um wieder Garnisonstadt zu werden, errichtete die Stadt ab 1881 auf eigene Kosten fünf »Einquartierungshäuser«, die dann an das Militär vermietet wurden. Kasernenhäuser standen in der Albaxer Straße, Stummrige Straße, Lütmarser Straße und Brenkhäuser Straße. Ein riesiger Pulver- und Exerzierschuppen, wo auch der Schützenverein Feste feierte (1954 abgerissen), stand auf dem Gelände der Nicolaitorschule.

Thema im Buch ist der Bau »Kriegerehrenmales Westerbachstraße«

Nach dem Ersten Weltkrieg verfügte Höxter über keine Garnison mehr. Ein Thema im Buch ist der Bau »Kriegerehrenmales Westerbachstraße«. Im Zuge der massiven Aufrüstung nach Hitlers Machtantritt wurde Höxter Standort eines Pionierbataillons, das 1936 in eine neu errichtete Kaserne an der Brenkhäuser Straße einzog. Die Zeit wird eingehend beleuchtet: von Militärmusik bis zu Begebenheiten der Kriegsjahre. Nach der Demilitarisierung nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs wurde die Kaserne, in der 1945 ehemalige Zwangsarbeiter und norwegische Soldaten untergebracht wurden, mit der Gründung der Bundeswehr 1956 wieder Standort: Erst für Grenadiere, dann ab 1960 für das Pionierbataillon 7. Seit 1993 ist Höxter Standort eines ABC-Abwehr-Bataillons, das 2018 sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Wie der Titel erkennen lässt, geht es nicht um die Militärgeschichte der in Höxter untergebrachten Truppen, sondern um die zivil-militärischen Beziehungen in einer kleinen Kreisstadt. Diese fanden zum einen auf der administrativen Ebene zwischen Stadtgremien und Militär sowie zwischen Bürgern/Soldaten statt.

Ernst Würzburger stellt sein Buch (Herausgeber ist der HVV Höxter) am Dienstag, 17. April, ab 19 Uhr im VHS-Haus in Höxter der Öffentlichkeit vor. Eine Anmeldung ist bei der VHS erwünscht, der Eintritt ist frei. Ergänzend dazu gibt es eine VHS-Stadtführung mit Würzburger am Freitag, 20. April, von 16 bis 17.30 Uhr ab VHS-Gebäude (gebührenfrei).

Anfang April wird am Wall/Berliner Platz noch ein Erklärschild »Die preußische Garnison Höxter« aufgestellt. Dort steht noch als ­Relikt das alte Stabsgebäude (heute Büro des Kinderschutzbundes).

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