Sayed Mohammad Mosavi aus Afghanistan ist in Löschgruppe Ottbergen eingetreten Erster Flüchtling in einer Feuerwehr im Kreis Höxter

Höxter-Ottbergen (WB/TKu). Sayed Mohammad Mosavi heißt der neue Feuerwehrkamerad der Freiwilligen Feuerwehr Höxter, Löschgruppe Ottbergen. Der 23-jährige Geflüchtete aus Herat in Afghanistan ist Ende 2017 als neues Mitglied in die Feuerwehr Ottbergen aufgenommen worden.

Sayed Mohammad Mosavi mit dem Leiter der Feuerwehr Höxter, Jürgen Schmits, Fachbereichsleiter Stefan Fellmann und Löschgruppenführer Martin Weskamp. Der junge Mann aus Afghanistan fühlt sich in der Löschgruppe Ottbergen gut aufgehoben.
Sayed Mohammad Mosavi mit dem Leiter der Feuerwehr Höxter, Jürgen Schmits, Fachbereichsleiter Stefan Fellmann und Löschgruppenführer Martin Weskamp. Der junge Mann aus Afghanistan fühlt sich in der Löschgruppe Ottbergen gut aufgehoben. Foto: Thomas Kube

Im Kreis Höxter ist Sayed damit der erste Asylbewerber, der Mitglied einer Feuerwehr geworden ist. Mit einem »Hallo Männer« begrüßte Sayed seine neuen Kameraden beim ersten Übungsdienst der Löschgruppe in diesem Jahr, an dem es um das Thema Gefahren bei Elektroautos ging. Sayed Mohammad Mosavi kann sich schon einigermaßen auf Deutsch verständigen, »es wird jedoch von Monat zu Monat besser«, erklärt er selbst. Die Chemie zwischen ihm und den Kameraden der Löschgruppe stimmt. »Wir haben keine Sekunde gezögert, ihn bei uns aufzunehmen«, sagt Löschgruppenführer Martin Weskamp.

Im September 2015 kam Sayed aus der Stadt Herat in Afghanistan nach Deutschland. 40 Jahre Krieg, davon hat er genug. »Ich denke anders, ich will frei sein«, sagt der junge Asylbewerber. Sayeds Weg auf der Flucht führte ihn über den Iran und die Türkei bis nach Griechenland. Die lange Reise war gefährlich: »Die Überschreitung der Gebirge im Iran waren anstrengend und gefährlich zugleich. Dort herrschte große Absturzgefahr«, sagte der Asylbewerber aus Ottbergen. Von Istanbul in der Türkei setzte er mit einem klapprigen Schiff über nach Griechenland. »Erst hatten wir ein Loch im Boot, dann war der Motor kaputt«, berichtet der 23-Jährige. Aus diesem Grund musste das Schiff einmal umdrehen, ergänzt Sayed.

Kontakt über Arbeitskollegen

Einen Monat lang dauerte der Weg bis nach Deutschland, der zu einem Großteil auch zu Fuß bewältigt werden musste. Über die Balkanroute ging es vor dessen Schließung weiter über Österreich bis nach Deutschland – sein großes Ziel. Sayed landete schließlich in Bruchhausen im hiesigen Asylbewerberheim. Im November 2017 fand er eine Ausbildungsstelle bei der Firma FSB in Brakel. FSB (Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG) ist ein Hersteller von Tür- und Fensterbeschlägen, Lösungen für elektronisches Zutrittsmanagement und barrierefreie Griffsysteme mit Sitz im ostwestfälischen Brakel.

In die Feuerwehr gelangte Sayed Mohammad Mosavi über seinen Arbeitskollegen Sebastian Rothkegel, der Löschgruppenführer bei der Freiwilligen Feuerwehr in Brenkhausen ist. Nach einem Umzug von Bruchhausen nach Ottbergen nahm Sayed Kontakt zu Ottbergens Löschgruppenführer Martin Weskamp auf. Er stieß bei ihm sofort auf offene Ohren. »Die Löschgruppe Ottbergen ist für alle Bewerber offen, dazu zählen auch Asylbewerber«, sagt Hauptbrandmeister Martin Weskamp.

Herzliche Aufnahme

Aufgenommen wurde Sayed von den Kameraden der Ottberger Wehr sehr herzlich. Zur Begrüßung des neuen Kameraden beim ersten Übungsdienst der Löschgruppe Ottbergen in diesem Jahr waren auch Fachbereichsleiter Stefan Fellmann und der Leiter der Feuerwehr, Jürgen Schmits, erschienen. Fellmann ist froh darüber, dass die Feuerwehr für den neuen Kameraden offen ist. »Das ist gelebte Integration«, sagte er. Stadtbrandmeister Jürgen Schmits sieht das ebenso. Jeder Neuzugang sei wichtig für den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehr. Woher das neue Mitglied stamme, spiele daher keine Rolle.

Mit der Absolvierung von Lehrgängen dauere es aber noch etwas. »Dazu muss er die Sprache noch etwas besser beherrschen«, erklärt Löschgruppenführer Martin Weskamp. Die Verständigung sei gerade im Einsatz von großer Bedeutung, erklärt Weskamp. Sayed Mohammad Mosavi solle aber nicht hinten anstehen, sondern langsam an seine neue Aufgaben herangeführt werden. Die Lehrgänge werden dann in naher Zukunft folgen, ergänzt der Löschgruppenführer.

Asylverfahren läuft noch

Eine Unsicherheit gibt es allerdings: Das Asylverfahren von Sayed Mohammad Mosavi läuft noch. Ob er tatsächlich dauerhaft in Deutschland bleiben darf, ist noch unklar. »Das soll aber für uns keine Rolle spielen«, stellt Löschgruppenführer Weskamp klar. Er ergänzt: »Wir wollen Integrationsarbeit leisten. Das wird nicht nur für Sayed, sondern auch für uns ein spannender Prozess, der sich lohnen wird. Wir können viel voneinander lernen. Bestenfalls haben wir mit unseren Bemühungen dann einem Menschen den Weg in unsere Gesellschaft ermöglicht.«

Bei einem der nächsten Übungsdienste möchte Sayed seinen Kameraden etwas wiedergeben: Nach dem Dienst will er für sie kochen nach einem Rezept aus seiner Heimat.

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