Forscher aus Höxter wollen mit Messung am Polarkreis Wettervorhersage verbessern Drohnen über dem Eis

Höxter/Hailuoto (WB). Eigentlich wollten sie für ihre Forschungen nach Spitzbergen. Da ist aber die Eisbär-Gefahr zu groß. Jetzt geht es an diesem Samstag auf die finnische Insel Hailuoto: Dort wird ein Team aus Höxter mit Drohnen das Eis der zugefrorenen Ostsee nahe dem Polarkreis erkunden.

Von Bernd Bexte
Prof. Burkhard Wrenger (links) war bereits im Fe­bruar 2017 auf der gefrorenen Ostsee in Finnland, hier mit Kollegen aus Deutschland, Finnland, Norwegen und Kanada. Jetzt kehrt er dorthin zurück.
Prof. Burkhard Wrenger (links) war bereits im Fe­bruar 2017 auf der gefrorenen Ostsee in Finnland, hier mit Kollegen aus Deutschland, Finnland, Norwegen und Kanada. Jetzt kehrt er dorthin zurück.

»Da gibt es keine Eisbären, nur Elche«, sagt Prof. Burkhard Wrenger (53) einen Tag vor der Abreise. Mit seinen Kollegen Carsten Langohr und Hendrik Voss nimmt er bis zum 27. Februar an einer Forschungsreise des internationalen Projektes ISOBAR teil. Die Drei sind Wissenschaftler am Fachbereich Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik der Hochschule OWL, Standort Höxter. Unterstützt werden sie auf Hailuoto vom Drohnenpiloten Jan Ahrens.

Fünf Drohnen steigen auf

Auf der Insel südlich des Polarkreises im Bottnischen Meerbusen werden sie fünf selbstgebaute, mit Sensoren ausgestattete Drohnen aufsteigen lassen. Sie sollen helfen, Wetterphänomene besser zu verstehen. »Wir wollen wissen, welchen Einfluss große Eisflächen auf das lokale Wetter haben«, erklärt Wrenger – eine Voraussetzung, um Wettervorhersagen zu optimieren. Mit dabei sind Wissenschaftler aus Norwegen, Finnland, Kanada und den USA. Die Höxteraner sammeln mit ihren Drohnen Daten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit in bis zu 1800 Metern Höhe. »Sie sind stärker motorisiert als herkömmliche Drohnen, halten Windgeschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometern aus und funktionieren auch bei minus 40 Grad.« Damit könne man meteorologische Daten »auf einem neuen Qualitätsniveau« liefern. Auch eine Wärmebildkamera nehmen die Höxteraner mit.

In Fischerhäuschen untergebracht

»Wir möchten die Entstehung und das Aufbrechen des Eises besser verstehen.« Eis reflektiere Wärme. »Bei minus 15 Grad Lufttemperatur kann Eis bis zu minus 25 Grad kalt sein.« Wenn das Eis schmilzt, werde es hingegen wärmer, wodurch dann noch mehr Eis aufbreche. »Wir hoffen, dass wir in den zweieinhalb Wochen beide Szenarien erleben – anfangs eine geschlossene Eisdecke und gegen Ende Februar eine aufreißende.« Nach Testmessungen im Dezember 2016 auf der norwegischen Insel Andoya war Wrenger vor einem Jahr schon einmal auf Hailuoto. »Damals war das Eis der Ostsee 70 Zentimeter dick.« Aktuell ist es deutlich dünner und die Witterung mit minus 5 Grad auch milder.

Untergebracht sind die Wissenschaftler übrigens in ehemaligen Fischerhäusern in einem kleinen Hafen. Gefördert wird das Projekt ISOBAR von der norwegischen Forschungsgemeinschaft mit einer Million Euro. Partner sind die Uni Bergen, das Finnische Meteorologische Institut, die Universitäten Tübingen und Hannover sowie die Hochschule OWL. Hinzu kommt bei der aktuellen Forschungsreise ein Team der Uni Oklahoma (USA), das Drohnen benutzt, die sich in der Bauart an die Höxteraner anlehnen. Bis Mitte 2019 sollen abschließende Ergebnisse vorliegen. In einem Online-Tagebuch berichten die Höxteraner Forscher aus Finnland .

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