Höxteranerinnen vermieten Wohnungen über Airbnb – Hotelverband kritisiert Plattform Gäste kommen aus aller Welt

Höxter (WB). Sie nimmt Menschen aus ganz Europa in Empfang und bietet ihnen für eine Stippvisite in Höxter ein Dach über dem Kopf: Barbara Bunk (54) vermietet eine Ferienwohnung über das Online-Sharing-Portal Airbnb, das vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) derzeit mächtig kritisiert wird .

Von Isabell Waschkies
Barbara Bunk aus Höxter heißt internationale Gäste in ihrer Ferienwohnung, die sie über die Online-Plattform Airbnb vermietet, willkommen.
Barbara Bunk aus Höxter heißt internationale Gäste in ihrer Ferienwohnung, die sie über die Online-Plattform Airbnb vermietet, willkommen. Foto: Harald Iding

Wie berichtet beklagt der Dehoga den Airbnb-Boom, der mittlerweile auch in Deutschland deutlich spürbar sei. Auf der weltweit größten Sharing-Plattform finden Touristen online mehr als 100.000 Übernachtungsmöglichkeiten von Privatanbietern. »Der Schwarzarbeit wird Tür und Tor geöffnet« lautet einer der Dehoga-Vorwürfe.

»Ich bin genauso selbstständig«

Tanja Schrader-Holighaus vermietet ihre Ferienwohnungen in der Knochenbachstraße mit der Airbnb-App. Foto: Isabell Waschkies

Nachvollziehen kann Barbara Bunk diese Unterstellungen nicht. »Ich bin genauso selbstständig wie jeder Hotelier und zahle Steuern«, sagt die Höxteranerin, die eine knapp 50 Quadratmeter große Ferienwohnung in der Papenstraße vermietet. Dennoch gibt sie zu, dass private Vermietungen grundsätzlich eine Konkurrenz für Hoteliers seien. »Meine Gäste müssen aber mindestens zwei Nächte bleiben und einen Zimmerservice kann ich ihnen auch nicht bieten«, erläutert sie die Unterschiede zum Hotelgewerbe. Auch bezahle Bunk, die hauptberuflich als Lehrerin in Kassel tätig ist, pro Buchung eine Provision von drei Prozent an Airbnb. Und sie zählt Menschen aus der ganzen Welt zu ihren Gästen: »Ich hatte schon Besuch aus Teneriffa, England, dem Burgund und sogar Boston«, sagt die 54-Jährige, die die Airbnb-Plattform auch selbst für ihre Auslandsreisen nutzt. Ihre private Couch würde Barbara Bunk aber keinem ihrer Gäste überlassen.

Airbnb-Angebote im gesamten Kulturland

Wer sich durch die Angebote der Airbnb-Homepage klickt, entdeckt nicht nur günstige Übernachtungsangebote in Höxters Altstadt, sondern im gesamten Kulturland – beispielsweise in Marienmünster, Bad Driburg, Bellersen oder Boffzen. Gleich mehrere schmucke Unterkünfte im Herzen Höxters bieten auch Tanja Schrader-Holighaus (45) und ihr Mann Thorsten Holighaus (47) über das Online-Sharing-Portal an. Einem weiteren Vorwurf der Dehoga, dass es wegen privater Vermietungen zunehmend an Wohnraum fehle, nimmt die 45-Jährige den Wind aus den Segeln: »Das mag vielleicht in Berlin so sein. In Höxter fehlt es eher an weiteren Ferienwohnungen.«

Keine Plattform für Schwarze Schafe

Der Vorteil einer Vermietung über diese Plattform? »Sobald der Gast ausgezogen ist, erhalte ich mein Geld über Airbnb«, erläutert sie, »aber genau so sind die Gäste abgesichert und bekommen nur Unterkünfte angeboten, die bislang einwandfrei bewertet wurden.« Schwarzen Schafen biete das Portal ihren Angaben zufolge keine Plattform.

Mit der privaten Vermietung begonnen hatte Tanja Schrader-Holighaus vor knapp sieben Jahren, als sie als Krankenschwester in der Weserbergland-Klinik in Höxter tätig war. »Viele Angehörige von Patienten fanden damals keine günstige Übernachtungsmöglichkeit. Also baute ich meine damalige Einliegerwohnung zur Ferienwohnung um«, erinnert sie sich.

Hotelchefs sehen Entwicklung kritisch

Die Entwicklung des Airbnb-Konzerns bewertet Ute Sievers, Chefin des Hotel Stadt Höxter, kritisch. »Im Gegensatz zur Hotellerie müssen Privatpersonen Auflagen im Bereich des Brandschutzes oder der Hygiene nicht einhalten«, erläutert Sievers die Unfairness und stellt sich damit auf die Seite der Dehoga. Ähnliche Kritik kommt aus der Chefetage des Vier-Sterne-Hotels Niedersachsen. »Privatpersonen können mit dieser Art von Vermietung offensichtlich einfach Geld verdienen«, sagt Frank Sievers. Weil er an der Rezeption seines Hotels in der Regel ein Klientel begrüße, das sich weniger für Airbnb-Unterkünfte interessiere, sehe er in der Online-Plattform keine Konkurrenz. Auch sei der so genannte Airbnb-Boom eher in Ballungszentren von größerer Bedeutung.

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