Maria Franke verlässt Höxters Stadtverwaltung nach fast 45 Dienstjahren Mit vielen Plänen in den Unruhestand

Höxter (WB). Ihre letzte Mail an die Schulleitungen ist am 25. Januar rausgegangen. Tags darauf schloss sie nach Dienstschluss zum letzten Mal die Bürotür hinter sich. Natürlich schwingt Wehmut mit, wenn Maria Franke von der Stadtverwaltung Abschied nimmt. Schließlich liegen hinter ihr fast 45 Berufsjahre bei ein und demselben Arbeitgeber. »Ich bin mein ganzes Leben lang hier gewesen.«

Von Sabine Robrecht
Maria Franke schreibt ihre letzte dienstliche E-Mail an die Schulleitungen. Es geht um die Bitte zur Entsendung eines beratenden Mitglieds im Bäderausschuss. Wer Frankes Nachfolge in der zukünftigen Abteilung Schule, Sport und Bücherei antritt ist unklar.
Maria Franke schreibt ihre letzte dienstliche E-Mail an die Schulleitungen. Es geht um die Bitte zur Entsendung eines beratenden Mitglieds im Bäderausschuss. Wer Frankes Nachfolge in der zukünftigen Abteilung Schule, Sport und Bücherei antritt ist unklar. Foto: Sabine Robrecht

Nun fängt die gebürtige Ovenhäuserin ein neues Leben an: den Unruhestand. Alles andere wäre aber auch undenkbar. Maria Franke ist viel zu agil, als dass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes zur Ruhe zu setzen würde. »Jetzt sind die Musikschule und die Bürgerstiftung dran«, verrät die 63-Jährige ihre Pläne. Im Trägerverein der Musikschule hat sie den Vorsitz übernommen. Und allein schon durch dieses Ehrenamt ergeben sich Berührungspunkte mit der Verwaltung. »Natürlich werde ich nicht jeden Tag im Stadthaus auf der Matte stehen.« Trotzdem wird sie sich manches Mal an die Kollegen wenden. »Niemals geht man so ganz...«, sang schon Trude Herr.

Vier Chefs

»Man sieht sich immer zweimal im Leben.« So ist es Maria Franke und einem ihrer Dozenten am Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Soest ergangen: In den Fächern Verwaltungsrecht und Ordnungsrecht unterrichtete damals Walther Anderson. Er war Beigeordneter in Beckum. »Dann hieß es, er soll sich in Höxter beworben haben«, erinnert sich Maria Franke. An dem Gerücht war etwas Wahres dran. Anderson wurde 1975 Stadtdirektor und erkannte Maria Franke und Ingrid Haneke aus Soest wieder. Bis 1999 blieb er ihr Chef – einer von vieren. Maria Franke erlebte auch Andersons Vorgänger Ferdinand Otten und natürlich seine beiden Nachfolger, die hauptamtlichen Bürgermeister Hermann Hecker (CDU, 1999 bis 2009) und Alexander Fischer (SPD, seit 2009).

Zeit für Hobbys und Freunde

In den Ruhestand gegangen ist die Abteilungsleiterin für Bildung, Sport, Generationen und soziale Sicherung vorzeitig – mit 63. Sie folgt ihrem Mann, dem langjährigen Technischen Beigeordneten Dardo Franke. Der weiß, wie Ruhestand geht, und kann seiner Frau bei der Umgewöhnung zur Seite stehen. »Ich werde meine Zeit herumkriegen«, ist Maria Franke überzeugt. »Aber ich muss sie strukturieren«, sagt die Vollblut-Verwaltungsfrau. »Mein Mann hat das gut hinbekommen.« Und nachdem sie ihn erfolgreich überredet hat, dem »Golfclub Weserbergland« beizutreten, freuen sich jetzt beide auf freie Zeit für dieses neue gemeinsame Hobby. Reisepläne und ein großer Bekanntenkreis lassen die Eheleute ebenfalls zuversichtlich nach vorne schauen. Es gibt auch ein Leben nach der Stadtverwaltung.

Gestartet hatte Maria Franke ihre Laufbahn dort 1973 auf Anraten des Vaters. »Ingrid Haneke und ich waren damals die ersten Frauen im gehobenen Dienst.« Dass beide dem Arbeitgeber bis zum Ende ihres Berufslebens die Treue halten würden, hätten sie damals nicht gedacht.

Spannende Zeit

Maria Franke war es immer ein Anliegen, über den Tellerrand zu schauen und mit Menschen in Kontakt zu treten. Dazu hatte sie in ihrer Zeit im Bauamt von 1978 bis 2001 viele Gelegenheiten. In diese Jahre fiel die groß angelegte Altstadtsanierung. Als Pilotstadt in der Arbeitsgemeinschaft »Historische Stadtkerne« flossen unglaublich viele Fördermittel nach Höxter. Innerhalb eines Jahres galt es, eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung aufzustellen und 250 Baudenkmäler einzutragen. Ein Kraftakt! »Wir hatten viel Kontakt zu privaten Hauseigentümern«, erinnert sich Maria Franke, die ab 1984 Leiterin der Abteilung Bauverwaltung war. »Es war eine spannende Zeit«, schaut sie auf Teamgeist und Aufbruchsstimmung zurück.

Sichtbare Veränderungen von der Fußgängerzone bis hin zum sanierten Rathaus prägten diese Jahre ebenso der Neubeginn im Kloster Brenkhausen. »Ich weiß es noch wie heute, dass ein Mann in Schwarz zu mir ins Büro kam und den symbolischen Kaufpreis von einer Mark dabei hatte: der koptische Bischof Damian.«

Demographischer Wandel schlug zu

Die große Umbesetzung innerhalb der Verwaltung 2001 markierte dann eine Zäsur in Maria Frankes Berufsleben. Das Schulamt war fortan ihr Wirkungsfeld. Und auch da ging es gleich spannend los – mit den offenen Ganztagsgrundschulen. »Auf diesen Zug sind wir sofort aufgesprungen.« Unerbittlich schlug der demographische Wandel zu. Dass der Versuch, die Hauptschulen zu retten, scheiterte, empfindet Maria Franke ebenso als Wermutstropfen wie die Schließung der Grundschulen Brenkhausen, Ovenhausen und Stahle. Hinzu kam die Auflösung der Förderschule in Lütmarsen 2014. Zu der Zeit ging die Sekundarschule an den Start. Die Realschule läuft entgegen dem Verwaltungsvorschlag zur Schließung parallel weiter. Die Debatten um deren Erhalt »haben uns ebenso intensiv beschäftigt wie der Bäderstreit«.

Überzeugte Netzwerkerin

Über die Lösung in der Bäderfrage freut sich Maria Franke. Das gilt auch für das Medienentwicklungskonzept für die Schulen und den Sportstättenplan. »Ich gehe guten Mutes.« Jungen Kollegen rät die überzeugte Netzwerkerin eines: »Schreibt nicht immer nur E-Mails, sondern nehmt die Akten unter den Arm und klärt die Dinge im direkten Gespräch. Ich bin damit immer gut gefahren.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.