Landesbetrieb zieht Orkanbilanz: Kreis Höxter stärker als andere Forsten betroffen »Friederike« rasiert Wald bei Drenke ab

Höxter/Beverungen/Drenke (WB). Der Stadtwald von Beverungen bei Drenke gleicht auf manchen Flächen einem Schlachtfeld. Orkan »Friederike« hat dort nicht nur Schneisen geschlagen und Tausende Bäume umgelegt, sondern ganze Fichtenbestände abrasiert und geköpft.

Von Michael Robrecht

»Das habe ich so noch nicht erlebt. Das dauert lange bis die immensen Holzmengen abgefahren und das Gelände wieder aufgeforstet ist«, steht Förster Mathias Wolff fassungslos vor den Wurfflächen. Er zeigt den Medien und NRW-Forstchef Andreas Wiebe zusammen mit Roland Schockemöhle (Regionalforstamt Hochstift in Neuenheerse) die Windwurfflächen rund um Drenke. In Drenke hatte die dortige Wetterstation den NRW-Spitzenwert von 144 km/h gemessen und genau so wild sieht es aus. In nur 90 Minuten hat der Kern des Sturms Unmengen Holz zu Boden geworfen.

Auch Andreas Wiebe ist beeindruckt vom zerstörerischen Werk der Natur. So etwas habe er bei seinen Bereisungen der Waldschadensgebiete von »Friederike« in NRW auch noch nicht gesehen. Die Bäume sind regelrecht abgerissen, zerborsten und unter der Wucht des Windes weggeknickt. Wurfholz mit Wurzelballen gibt es auch, aber in Drenke ragen die Stämme wie nach Granatbeschuss wie Zahnstocher aus dem Waldboden. Förster Wolff spricht von einem »Jahrzehntsturm«.

Andreas Wiebe weist auf den 11. Jahrestag des Orkans Kyrill hin, der zuletzt solche gewaltigen Windbrüche verursacht habe. »Friederike ist aber nicht Kyrill«. so seine erste Schadensbilanz für das gesamte Land. Das Hochstift und besonders der Kreis Höxter seien stellenweise aber intensiver betroffen gewesen als beim Sturm 2007. Er rechne nicht mit einem Preisverfall, weil die Schäden im Kreis Höxter ein regionales Ereignis seien. Kyrill habe noch viel breiter im Lande gewütet.

Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm schildert, dass der Wert des 1200 Hektar großen Beverunger Waldes bestimmt 12 Millionen Euro betrage; jetzt müsse das Holz aus den Waldgebieten rund um die Elisenhöhe zügig verkauft und die Wiederaufforstung schnell betrieben werden.

Regionalforstamtschef Roland Schockemöhle schildert, dass viele Bäume in Drenke durch den Orkan am Stock gesplittert seien, die Stämme gebrochen und der Wald abrasiert worden sei wie nirgendwo. 20.000 Festmeter Fichte liege danieder und nur 500 Festmeter Laubholz. Deshalb pflanze man heute auch keine Monokulturen, sondern Mischwälder wieder nach. Schockemöhle kündigte an, mit einem Hubschrauber die Eggewälder und weitere Schadensgebiete bei Höxter, Brakel oder Marienmünster überfliegen zu wollen, um festzustellen, wie gewaltig die Würfe dort seien. In der Egge sei der Bereich Lichtenau und Assel durch Flächenwindwurf stark betroffen (wir berichteten). Die Förster schilderten, dass einigen Kollegen bei der Schadensaufnahme die Tränen in den Augen gestanden hätten als sie die vielen Bäume gesehen hätten.

NRW-Forstchef Wiebe sagte, dass man die genau Zahl der Festmeter noch nicht genau beziffern könne, da die Schadensermittlungen landesweit noch liefen. Gegenüber Eifel und Sauerland habe es das Hochstift am 18. Januar sehr stark getroffen. Von West nach Ost habe sich der Sturm im Osten von NRW verstärkt. Das beweise auch die Zahl 300.000 umgestürzte Festmetern im Solling.

Die Forstbehörden planen ein gemeinsames Vorgehen, um die Baumtrümmer mit Harvestern schnell abzuräumen. Das Bild des Jammers in den Forsten werden viele Förster nie vergessen.

Vorsicht: Wälder werden zur Todesfalle

Die Forstbehörden warnen alle Besucher, die bis Ende Januar wegen des Orkans gesperrten Wälder zu betreten. Beim Pressegespräch gestern in Drenke berichtete An-dreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, von einem ersten Toten. In Gelsenkirchen sei ein Waldarbeiter bei Aufräumarbeiten tödlich verletzt worden. In einem forstbehördlich bis Ende des Monats gesperrten Wald bei Hamm, habe sich eine Spaziergängerin schwere Verletzungen zugezogen. »Friederike hat gefährliche Verhältnisse verursacht. Unsere Waldsperrungen sind kein Spaß, sondern bitterer Ernst. Wer in die gesperrten Wälder geht, begibt sich und die Rettungskräfte leichtfertig in Gefahr. Für gesperrte Waldflächen im Kreis Höxter gilt: Auf jeden Fall draußen bleiben!«, so Wiebe. Gefährlich könne es auch da werden, »wo auf den ersten Blick alles in Ordnung scheint«. Kronenteile und Äste können auch nachträglich aus den Baumkronen auf den Weg krachen. Und Bäume, die nach dem Sturm schräg stehen, können bei Windstille der Länge nach umkippen. Die Baumkrone schlägt dann plötzlich meterweit vom Wurzelteller entfernt auf den Boden auf.

»Unsere Forstleute arbeiten gemeinsam mit den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern in NRW mit Hochdruck daran, Wege frei zu räumen und Schäden zu beseitigen. In den Hauptschadensgebieten werden sich diese extrem anspruchsvollen Arbeiten aber über Wochen und Monate ziehen. Wir bitten Waldbesucherinnen und Waldbesucher uns zu unterstützen und sich über die Lage vor Ort zu informieren, Waldsperrungen zu beachten und Anweisungen unserer Forstleute Folge zu leisten«, bittet Wiebe. Bei Zuwiderhandlung gibt es auch im Wald Knöllchen, so die Forstbeamten. Das müsse aber nicht sein.

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