Forstleute ermitteln Schäden – massiver Windbruch bei Neuhaus – Mittwoch erste Zahlen für den Kreis Höxter Orkan zerlegt Kletterpark in Silberborn

Höxter (WB). Das Orkantief »Friederike« hat in Teilen der Wälder von Egge und Weserbergland schwere Schäden verursacht. Betroffen sind vor allem die Waldgebiete an den Westseiten der Gebirgszüge. Zurzeit werden die Schäden zum Teil mit Hilfe von Drohnen und Hubschraubern ermittelt.

Von Michael Robrecht
Der beliebte Kletterpark »TreeRock« ist durch zwei Dutzend umgestürzte Bäume demoliert worden. Etliche der Baumnetze und Holzstege des Hochseilgartens sind zerstört. Das Gelände in der Nähe der Jugendherberge Silberborn ist großräumig abgesperrt worden.
Der beliebte Kletterpark »TreeRock« ist durch zwei Dutzend umgestürzte Bäume demoliert worden. Etliche der Baumnetze und Holzstege des Hochseilgartens sind zerstört. Das Gelände in der Nähe der Jugendherberge Silberborn ist großräumig abgesperrt worden.

Eine erste Bilanz zu den Sturmschäden im Kreis Höxter wollen Andreas Wiebe (Leiter NRW-Forsten), Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm, Forstamtsleiter Roland Schockemöhle (Neuenheerse) und Revierförster Mathias Wolf an diesem Mittwoch im Beverunger Stadtwald bei Drenke ziehen. Wie berichtet, hat es auf der Drenker Höhe mit 144 km/h in NRW am stärksten gestürmt. Auch in den Privatwäldern, und davon gibt es durch Gutshof-Forsten im Kreis Höxter reichlich, sind viele Bäume entwurzelt worden. In der Egge sind auf der Lichtenauer Seite viele Fichten wie Streichhölzer vom Orkan umgeknickt worden.

Im Solling ist der bekannte Kletterpark »TreeRock« in Silberborn vom Sturm »Friederike« verwüstet worden. Geschäftsführer Christoph Brand hat das Gelände sofort abgesperrt. Auf den ersten Blick schätzt er, dass ein Parcours komplett zerstört wurde und zwei weitere beschädigt worden sind. Insgesamt seien 20 Fichten gefallen. Die Aufräumarbeiten und die detaillierte Sichtung des Schadens laufe heute an. Auch ein Baumgutachter wird diese Woche die übrigen Bäume des Kletterparks kontrollieren und gegebenenfalls weitere geschädigte Bäume benennen. Der »TreeRock« bittet Spaziergänger, die Absperrungen zu beachten und das Gelände des Hochseilgartens nicht zu betreten.

Für den Sollingwald gab es von den Landesforsten Niedersachsen gestern diese erste Schadensbilanz: »Im Solling kam es zu größeren Flächenwürfen, wie es sie zuletzt vor elf Jahren bei Orkan Kyrill gegeben hat. Am schwersten hat es das Forstamt Neuhaus getroffen. Hier fielen Friederike ersten Schätzungen zufolge 300.000 Kubikmeter Holz zum Opfer.« Millionenschäden werden befürchtet.

Der Harz scheint glimpflicher davon gekommen zu sein. Hier überwiegen Einzel- und Nesterwürfe. Damit bestätigt sich die Prognose der Landesforsten, wonach sich die Schäden in Südniedersachsen konzentrieren, während nördliche Landesbereiche verschont blieben. »Die meisten Straßen sind wieder passierbar. Die Arbeiten auf den Waldwegen werden noch Wochen in Anspruch nehmen«, erläutert Klaus Jänich, Vizepräsident der Landesforsten den Stand der Aufräumarbeiten.

Unterstützt werden die Landesforsten aus der Luft: Zur weiteren Abschätzung des Schadensausmaßes werden die noch unzugänglichen Waldgebiete überflogen. Bisher gehen die Landesforsten davon aus, dass im Landeswald insgesamt rund 950.000 Kubikmeter überwiegend Nadelholz geworfen wurden. Deren Aufarbeitung wird wohl erst in Monaten abgeschlossen sein. Die Gefahr herabstürzender Äste und nachbrechender Bäume besteht indessen über Wochen fort. Auf Waldbesuche gerade in den besonders betroffenen Bereichen im Solling sollte deshalb zunächst verzichtet werden.

»Die Wetterkapriolen haben unser Tun gerade in letzter Zeit stark beeinflusst« erinnert Jänich an das vergangene Jahr 2017. Nach trocken-warmem Frühjahr folgten Hochwasser und Starkniederschläge im Sommer und zuletzt die beiden Stürme Xavier und Herwart, die örtlich deutliche Spuren im Wald hinterlassen hatten. »Uns beschäftigt jetzt zunächst die Beseitigung der Folgen und die Aufarbeitung der Schäden. Bei der Wiederaufforstung haben wir den Klimawandel im Blick und legen Wert auf stabile Mischwälder.« Die Landesforsten planen vor allem die jetzt stark betroffenen Nadelholzbestände im Zuge der Ernte mit weiteren Baumarten zu stabilisieren.

Die heimischen Forstbehörden warnen alle Bürger, zurzeit die Wälder zu betreten. Das bleibe wochenlang lebensgefährlich.

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