Orkan knickt 400-Kilogramm schwere Turmspitze um – Dachdecker rückt mit Kran an Kreuz hätte Geschoss werden können

Ovenhausen (WB). Die Kirche ist im Dorf geblieben, nur das massive Turmkreuz hat es weggefegt: Einen Tag nach Orkantief »Friederike« sind Feuerwehr und Helfer in Ovenhausen zum vielleicht außergewöhnlichsten Einsatz des Jahres ausgerückt.

Von Timo Gemmeke
27 Meter über dem Boden schwebt Andreas Robrecht im Korb des Montagekrans. Der Dachdecker misst den Abstand zum abgeknickten Turmkreuz, während sein Kollege die letzten Vorbereitungen zur Demontage vornimmt. In ganz Ovenhausen sind die Dachdecker am Freitag unterwegs.
27 Meter über dem Boden schwebt Andreas Robrecht im Korb des Montagekrans. Der Dachdecker misst den Abstand zum abgeknickten Turmkreuz, während sein Kollege die letzten Vorbereitungen zur Demontage vornimmt. In ganz Ovenhausen sind die Dachdecker am Freitag unterwegs. Foto: Timo Gemmecke

»Ich hab nach oben geschaut und dachte: ›Wo ist das Kreuz?‹«, erzählt Johannes Winkelhahn. Der Rentner konnte am Donnerstag eine kleine Katastrophe verhindern: Das Turmkreuz der Ovenhäuser Kirche wurde vom Orkantief »Friederike« umgeknickt, hätte sich fast gelöst – und wäre dann, 27 Meter tiefer, auf dem Vorplatz gelandet. »Zum Glück hatte ich noch Absperrband im Keller! Das habe ich direkt um die Kirche herum verteilt«, schildert der Rentner. Dank der starken Fassung ist der Stahl-Messing-Guss jedoch in luftiger Höhe hängengeblieben.

Kreuz wiegt 400 Kilogramm

Der bekommt am nächsten Morgen Besuch im Montagekran. Dachdeckermeister Andreas Robrecht ist mit einem dreiköpfigen Team vor Ort, um das 400 Kilogramm schwere Kreuz zu sichern. »Die ganze Firma ist unterwegs, um Sturmschäden auszubessern«, erzählt er. Einen ersten Überblick über das Ausmaß hat er sich am Vorabend per Drohne verschafft. Während der Meister im Korb sitzt, muss der Kollege rauf auf’s Dach. Dort wird erst der Blitzableiter gekappt, dann – ganz vorsichtig – die Fassung abgesägt. Eine halbe Stunde später liegt das Kreuz auf dem Anhänger. »1,50 mal drei Meter – das hätte böse enden können«, meint Winkelhahn mit dem Zollstock in der Hand.

Gefahr ist gebannt

Und wo landet so ein Kreuz? »Erst wird es zwischengelagert«, erklärt Hans-Werner Gorzolka, Kirchenvorstand in Ovenhausen. »Was dann passiert, entscheidet das Erzbistum in Paderborn.« Ob es ein neues gibt oder das alte aufgebessert und wieder angebracht wird, sei noch unklar. »Hauptsache die Gefahr ist gebannt«, meinen alle Helfer uni sono.

Dachdecker haben viel zu tun

Während der Montagekran wieder eingefahren und abgebaut wird, klingelt bei Dachdecker Andreas Robrecht das Handy. »Wieder ein Kollege. Heute haben wir noch viel zu tun.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.