Schaufensterscheibe fliegt auf Straße - Im Kreis Höxter fährt kein Zug fährt - viele Bäume umgestürzt - Straßen gesperrt Orkan: Feuerwehr rückt zu 200 Einsätzen aus

Von Michael Robrecht

B83 zwischen Wehrden und Godelheim: Ein Anhänger ist durch den Orkan umgestürzt.
B83 zwischen Wehrden und Godelheim: Ein Anhänger ist durch den Orkan umgestürzt. Foto: Roman Winkelhahn

Höxter (WB/rob). Orkantief »Friederike« ist im Anmarsch und sorgt für erste Probleme im Kreis Höxter. An vielen Schulen im Kreis ist am Donnerstagvormittag der Unterricht frühzeitig beendet worden. Da Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde über das Land ziehen, sollen die Schüler frühzeitiger und sicher nach Hause kommen. Bis zum Abend gab es kreisweit mehr als 200 Einsätze der Feuerwehren.

In Höxters Schulzentrum ist der Nachmittagsunterricht komplett abgesagt worden. Die Ganztagseinrichtungen bleiben aber geöffnet. Stadtpressesprecherin Sabine Hasenbein sagte, dass die Schulbusse für die Lüchtringer Schüler auf 12.15 Uhr vorgezogen worden seien, auch weil der Zugverkehr auf der Strecke Brakel-Höxter-Lüchtringen-Holzminden komplett von der Nordwestbahn eingestellt worden sei.

Die Ottberger und Godelheimer Schüler würden um 12.40 Uhr per Bus transportiert. Im Schulzentrum staute sich ab 12 Uhr der Autoverkehr, weil viele Eltern ihre Sprösslinge abholten, einige dafür sogar ihre Arbeit spontan unterbrachen.

Am Bahnhof in Höxter sind etliche Schüler »gestrandet«. Per Handy versuchten sie die Eltern zu erreichen, weil alle Züge für den Donnerstag gestrichen worden waren und der Sturm fühlbar zunahm. Auch in den anderen Städten im Kreis gab es in den Schulen ähnliche Regelungen wie in Höxter. Busse fuhren früher, Väter und Mütter kamen per Auto zu den Schulen. Eltern wurden schon am Vormittag vom Schulministeriums über die Medien darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit bestünde, die Kinder in der Schule abzuholen. An vielen Bahnhöfen im Kreis warteten fahrgäste auf Anschluss.

Ab 13 Uhr sind erste Orkanböen für den Kreis Höxter vorausgesagt worden. Landesweit warnen Behörden, sich beim Eintreffen des Orkans draußen aufzuhalten. Umherfliegende Äste und herabstürzende Ziegel seien lebensgefährlich. Auch sollte man mit dem Auto Waldstrecken meiden.

In Höxters Wegetalstraße gab es den ersten größen Sturmschaden im Kreis: Gegen 13 Uhr flog aus einem leer stehenden Fachwerkhaus eine komplette Schaufensterscheibe

auf die Straße. Ein Lkw-Fahrer räumte notdürftig die Scherben von der Fahrbahn.

Aktuelle Liste der Straßensperrungen im Kreis Höxter 15.30 Uhr

Im gesamten Kreisgebiet waren etliche Kreis- und Landesstraßen betroffen. Wegen umgestürzter Bäume musste etwa die K 23 zwischen Hardehausen und Blankenrode gesperrt werden, ebenso die K 18 zwischen Willebadessen und Helmern. Nach Angaben von Gerhard Hüllweg vom Landesbetrieb Straßen.NRW, Niederlassung Paderborn, wurden folgende Landesstraßen gesperrt: L 755 Ovenhausen-Eilversen, L 763 Willebadessen-Kleinenberg, L 763 Fölsen-Peckelsheim, L 825 zwischen B 252 und Bellersen, L 828 Neuenheerse-Schwaney, L 837 Amelunxen- Drenke, L 838 zwischen Jakobsberg und B 241, L 890 Drenker Kreuz. Viele Bäume fielen auch in den Straßen zu den Ortschaften im Stadtgebiet Höxter um, eine Fichte versperrte die B64 bei Godelheim.

.Bis 18 Uhr hat die Leitstelle in Brakel mehr als 200 Einsätze der Feuerwehren - zumeist wegen umgestürzter Bäume - gezählt. Besonders Fichten knicken um wie Streichhölzer.

Umgestürzte Bäume sorgten dafür, dass am frühen Nachmittag in der Borgentreicher Kernstadt sowie in Lütgeneder zeitweise der Strom ausfiel. Das bestätigte der Netzbetreiber Energienetz Mitte, eine Tochtergesellschaft der EAM. Wie viele Haushalte ohne Strom waren, konnte das Unternehmen zunächst nicht mitteilen. Vom Ausfall betroffen war auch das Rathaus der Orgelstadt. »Das war heftig. Ab 13.15 Uhr ging bei uns nichts mehr«, berichtete Christof Derenthal, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Nach einer Dreiviertelstunde sei der Strom zwar wieder da gewesen, doch die Verwaltung habe ihre EDV-Systeme vorsorglich heruntergefahren, um gegen einen möglichen weiteren Stromausfall gewappnet zu sein und ihre Daten zu schützen. »Telefonisch waren wir dann aber wieder erreichbar«, sagte Derenthal.

Auf der Autobahn 44 sorgte »Friederike« nach einem Verkehrsunfall für eine Vollsperrung. Im Bereich der Talbrücke Breuna war der Anhänger eines Lastwagens umgestürzt, als er von einer Windböe erfasst wurde. Da der starke Wind eine Bergung behinderte, musste die Strecke stundenlang gesperrt werden.

In Höxters Kaserne stürzten zwei Bäume fast auf den Mannschaftsspeisesaal. Die Fichten landeten dann aber knapp vor dem Trio-Gebäude (Offizier- und Unteroffizierheim). Auf der Rückseite des früheren Stabsgebäudes der Bundeswehr (heute Flüchtlingsheim) stürzte eine 30-Meter-Fichte auf das frisch renovierte Gebäude.

Orkan-Fotos

Leserinnen und Leser, die heute interessante Fotos vom Orkan Friederike gemacht haben, können die Bilder an das WESTFALEN-BLATT schicken: hoexter@westfalen-blatt.de

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