Als Drogenplantage genutzte Immobilie soll eingezogen werden Justiz will »Horror-Haus« zu Geld machen

Höxter (WB). Die Staatsanwaltschaft Paderborn möchte das »Horror-Haus« in Höxter-Bosseborn zugunsten der nordrhein-westfälischen Landeskasse verkaufen oder versteigern lassen. Viel Geld kann sie sich allerdings nicht erhoffen.

Von Christian Althoff
Saatweg 6 in Höxter-Bosseborn.
Saatweg 6 in Höxter-Bosseborn. Foto: Christian Althoff

In dem Haus am Saatweg 6 sollen Wilfried W. (48) und seine Ex-Frau Angelika (47) über Jahre immer wieder Frauen festgehalten und misshandelt haben. Zwei Opfer überlebten das nicht, Wilfried und Angelika W. stehen deshalb seit 2016 in Paderborn vor Gericht.

Die beiden besaßen ursprünglich einen Mietkauf-Vertrag für die Immobilie aus den 30er Jahren. Als sie die Miete nach ihrer Festnahme nicht mehr zahlten, übernahmen die ursprünglichen Besitzer das Haus.

1000 Pflanzen sichergestellt

Sie verkauften es Anfang 2017 an den schottischen Dachdecker David M. (51) aus Marienmünster – angeblich für etwa 5000 Euro. Der Handwerker gab an, das Haus renovieren zu wollen, doch dazu kam es nicht: Am 20. September 2017 stürmten Polizisten die zum Teil baufällige Immobilie. Es stellte sich heraus, dass der Schotte das »Horror-Haus« für die Einrichtung einer Marihuana-Plantage zur Verfügung gestellt hatte.

Polizisten stellten mehr als 1000 Pflanzen sicher. Das Erntegewicht von gut 38 Kilogramm soll nach Schätzung der Polizei einen Straßenverkaufswert von 200.000 Euro gehabt haben. Die Beschuldigten kamen in Untersuchungshaft.

In den Besitz des Landes?

Vor einer Woche erhob die Staatsanwaltschaft Paderborn Anklage gegen zunächst drei mutmaßliche Mitglieder der Drogenbande, darunter den »Horror-Haus«-Besitzer David M. Der Prozess soll im März beginnen.

In der Anklageschrift beantragt der Staatsanwalt die Einziehung des »Horror-Hauses«. Das bedeutet, dass das Landgericht Paderborn im Fall eines Schuldspruchs die Einziehung des Hauses im Urteil festschreiben soll. Das Gebäude ginge dann in den Besitz des Landes über.

Maroder Zustand

Ob sich die Justiz einen Gefallen damit tut, sich das marode »Horror-Haus« ans Bein zu binden? Immobilienmakler Bernd Mogge von MH-Immobilien in Höxter hat Zweifel: »Das Haus wird man kaum verwerten können. Man könnte es vielleicht abreißen und das Grundstück Nachbarn anbieten, die sich vergrößern wollen.«

Einen großen Markt für Grundstücke gebe es in Bosseborn nämlich nicht. Die Bodenrichtwertkarte des Landes weist einen Preis von 26 Euro pro Quadratmeter Bauland für den Saatweg aus.

Telefone abgehört

Die Kripo Bielefeld war der Drogenbande auf die Spur gekommen, als sie in einem anderen Verfahren die Telefone zweier Verdächtiger abhörte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass seit April Marihuana in dem extra umgebauten Haus gezüchtet wurde. Eine Ernte soll bereits vor dem Polizeizugriff verkauft worden sein. Eine Bulgarin, die in einem Wohnwagen in der Scheune gelebt haben soll, soll die Pflanzen gepflegt haben.

Dem Hausbesitzer David M. sollen zehn Prozent aus dem Drogenverkauf in Aussicht gestellt worden sein. Sein Anwalt Dr. Carsten Ernst: »Mein Mandant hat kein Geld bekommen und war auch nicht Mitglied einer Bande.«

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