Wildschweine werden im Kreis Höxter verstärkt bejagt – »Afrikanische Pest« droht Schonzeit für Schwarzwild aufgehoben

Höxter (WB/hai/cl). Die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland ist weiterhin hoch. Das WESTFALEN-BLATT hat bei den zuständigen Behörden und Vertretern der Jägerschaft nachgefragt, welche Maßnahmen im Kreis Höxter aktuell getroffen werden.

Die Schwarzwildbestände sind aufgrund der günstigen Lebensraumbedingungen (milder Winter, großes Nahrungsangebot) immer weiter angestiegen.
Die Schwarzwildbestände sind aufgrund der günstigen Lebensraumbedingungen (milder Winter, großes Nahrungsangebot) immer weiter angestiegen. Foto: Lino Mirgeler

»Für Menschen ist der Erreger völlig ungefährlich, aber für Haus- und Wildschweine verläuft die Erkrankung mit dem derzeit in Osteuropa grassierenden Virus meist tödlich«, erklärt beispielsweise Dr. Anke Rothe vom Veterinärdienst des Kreises Höxter. Sorgen bereitet den Experten vor diesem Hintergrund, dass sich die Wildschweine zuletzt extrem vermehrt haben. Um die überhöhten Bestände zu verringern und damit das Verbreitungsrisiko einzudämmen, sollen Wildschweine verstärkt bejagt werden.

Deshalb hat das Land Nordrhein-Westfalen die Unteren Jagdbehörden angewiesen, die Schonzeit für alles Schwarzwild auf allen bejagbaren Flächen in ihrem Zuständigkeitsbereich mit sofortiger Wirkung bis zum 31. März 2021 aufzuheben. »Entsprechend wurde auch die Schonzeit für Schwarzwild im Kreis Höxter aufgehoben«, erklärt Jens Güthoff von der Unteren Jagdbehörde des Kreises Höxter.

Güthoff weiter: »Die Zahl der Wildschweine hat sich in Deutschland und auch im Kreis Höxter in den vergangenen Jahren extrem erhöht. Dies zeigt sich deutlich in der Entwicklung der Jagdstrecken. Die Jagdstrecke beim Schwarzwild ist im Kreis Höxter in den letzten Jahren stetig angestiegen. Vor 30 Jahren lag die Jagstrecke noch bei rund 600 Wildschweinen, vor 20 Jahren bei rund 1000 Stück und vor zehn Jahren bereits bei mehr als 2100 Wildschweinen.«

Mit 2811 Stücken Schwarzwild weist die »Streckenliste« für das Jagdjahr 2015/2016 den bisherigen Höchststand aus. Aufgrund dieser hohen Zuwachsrate würde sich der Wildschweinbestand ohne die Jagd jährlich verdreifachen.

Großes Nahrungsangebot

Das Schwarzwild, wie die Wildschweine in der Jägersprache genannt werden, ist im gesamten Kreis Höxter verbreitet und heimisch. Die Schwarzwildbestände sind aufgrund der günstigen Lebensraumbedingungen (milde Winter, großes Nahrungsangebot) immer weiter angestiegen. Natürliche Feinde wie Wolf, Bär und Luchs habe das Wildschwein in Deutschland nicht.

Wildschweine leben in unterholzreichen Laub- und Mischwäldern, aber auch in offenen Feldfluren, solange im Sommer die Feldfrüchte auf dem Acker stehen und genügend Deckung vorhanden ist. Sie brauchen Wasserstellen, um zu trinken und zu suhlen.

Eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Schwarzwild sei die Mast von Buchen und Eichen, die in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger fruchten. Durch die moderne und intensive Landwirtschaft hätten Wildschweine heute jedoch die Möglichkeit, auch in schlechten Mastjahren auf andere Futterquellen wie Raps, Mais oder Getreide auszuweichen. Jens Güthoff: »Wirklich schlechte Jahre kommen für das Schwarzwild in unserer Kulturlandschaft praktisch nicht mehr vor.«

Strenge und kalte Winter überlebte früher nur ein Teil der Frischlinge, die von Februar bis April geboren werden. Bei den zunehmend milden Wintern überstehen meist alle fünf bis acht Frischlinge eines Wurfes ihr erstes Lebensjahr und erreichen bis Dezember oft bereits ein Körpergewicht von über 30 Kilogramm.

Gärten werden verwüstet

Dazu trage die optimale Ernährungsgrundlage bei, zum einen die engere Abfolge von Mastjahren bei Eichen und Buchen sowie durch die Feldfrüchte der Landwirtschaft. Sie fressen auch Würmer, Mäuse, Larven und Käfer.

Auf der Suche nach Fressbaren verwüsten Wildschweine sogar Grünland, Gärten oder Sportanlagen. Auch vor Komposthaufen und Gartenabfällen machen sie nicht halt, um ihren Hunger zu stillen. Die Eroberung von weiterem Lebensraum im Siedlungsbereich birgt zunehmend Konflikte mit der Bevölkerung.

Tierhaltung bedroht

Die massive Ausbreitung der »Afrikanischen Schweinepest« (ASP) in den Nachbarländern Tschechien und Polen bedrohe verstärkt auch die Tierhaltung in Deutschland. Die Konsequenzen einer Infektion von Haus- und Wildschweinen mit dem ASP-Virus wären äußerst schwerwiegend und mit massiven Folgen für die Schweinehaltung und die Jagd verbunden. »Eine Einschleppung in die Wildschweinepopulation wäre zudem besonders kritisch, da hier die Möglichkeiten einer Seuchenbekämpfung begrenzt sind«, betont Güthoff.

Überhöhte Schwarzwildbestände stellen damit ein hohes Risiko für Wildschäden und ein hohes Seuchenrisiko dar. Es sei daher notwendig, die Schwarzwildbestände so zu regulieren, dass keine übermäßigen Wildschäden entstehen und das Seuchenrisiko verringert wird.

Kreisjagdberater

Kreisjagdberater Walter Rose sagt zu der derzeitigen Situation: »Bei der letzten flächendeckenden Blutprobenentnahme seitens des Veterinäramts wurden keine Hinweise auf ein Vorkommen der Afrikanischen Schweinepest im Kreis Höxter festgestellt. Wir sind jedoch bereit, jederzeit ad hoc Maßnahmen zu ergreifen«.

Sollte die Pest im Kreis festgestellt werden, müsse man den Bestand schnellstens so weit wie möglich reduzieren. »Dabei ist jedoch große Vorsicht geboten, denn bei der Jagd dürfen infizierte Schweine nicht vertrieben werden«, erklärt Walter Rose. Dafür stünden verschiedene Maßnahmen parat. Um eine Vertreibung infizierter Schweine zu verhindern, würden die Jäger einen Ring bilden, um Fluchtwege zu verhindern.

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