Verwaltung lehnt Antrag der Familie ab – Hartmann übergab Stadt 1945 an alliierte Truppen Ehrengrab für Ex-Bürgermeister aus der Nazizeit?

Höxter (WB). Ingrid Resch aus Ratingen und ihre sechs Geschwister sind der Meinung, dass die Stadt Höxter dafür sorgen müsse, dass ihr verstorbener Vater Franz Hartmann ein Ehrengrab bekomme. Hartmann war von 1937 bis 1945 Amtsbürgermeister und von 1943 bis 1945 Bürgermeister von Höxter. Die Stadtverwaltung lehnt ein Ehrengrab ab.

Von Michael Robrecht
Zurzeit werden von der Stadt Höxter nur fünf Ehrengräber auf dem  Wallfriedhof gepflegt: das von Konrad Beckhaus (Foto), Carl Möllinger,  Dr. Wilhelm Haarmann, Wilhelm Leisnering und Heinrich Timper.
Zurzeit werden von der Stadt Höxter nur fünf Ehrengräber auf dem Wallfriedhof gepflegt: das von Konrad Beckhaus (Foto), Carl Möllinger, Dr. Wilhelm Haarmann, Wilhelm Leisnering und Heinrich Timper. Foto: Michael Robrecht

Begründung für den späten Vorstoß: Franz Hartmann habe am 7. April 1945 rechtzeitig und unter Lebensgefahr die Stadt Höxter an die Amerikaner übergeben und so eine Bombardierung der Stadt durch in Paderborn auf dem dortigen Flugplatz bereits angeforderte Bomber verhindert.

Ohne die Übergabe wäre Höxter in Schutt und Asche gelegt worden, so Ingrid Resch in ihrem Antrag, der am Dienstag, 24. Januar, in der Hauptausschusssitzung beraten werden soll. Ihr Vater sei sogar als Geisel auf der Motorhaube eines Jeeps durch Höxter gefahren worden.

Familie Hartmann zog nach Dortmund

Eine umstrittene Sicht der Dinge: Die Stadtverwaltung hat den Zuerkennungsantrag für Franziskus (Franz) Hartmann geprüft und empfiehlt dem Rat, eine Ehrengrabstätte für den Bürgermeister aus der Nazizeit abzulehnen.

Nach Kapitulation und Zusammenbruch 1945 wurden sämtliche Inhaber öffentlicher Ämter interniert. Dies ist auch bei Hartmann der Fall gewesen, so die Stadt. Am 15. Oktober 1945 meldete sich Franz Hartmann nach Nieheim um.

Nach Auskunft der Tochter Ingrid Resch ist die Familie nach der Entlassung aus der Internierung nach Dortmund verzogen, wo Hartmann bis zum Eintritt in den Ruhestand beruflich tätig war. Der Ex-Bürgermeister starb 1983 in Dortmund und wurde dann in Höxter am Wall beerdigt.

Zwei Gruppen verhandelten Übergabe

Bekanntlich haben am 7. April 1945 zwei verschiedene Gruppen von Bürgern aus Höxter mit den US-Soldaten über die Übergabe der Stadt verhandelt: am Schlachthof nahe der Lütmarser Straße einige beherzte Bürger (darunter auch Kommunisten). Franz Hartmann traf mit einer mit Amtsträgern besetzten zweiten Gruppe (Bürgermeister, Beigeordneter, Polizeichef, Dolmetscher) an Brenkhäuser Straße/Am Wiehenbrink auf die Amerikaner und übergab die Stadt. Welcher Gruppe der Verdienst der friedlichen Übergabe als erster zugerechnet werden kann, ist nicht mehr festzumachen.

Zu berücksichtigen ist bei der Bewertung der Ehrengrabfrage aus Sicht der Stadt, dass Hartmann Bürgermeister war und er von Amts wegen zur Führung von Verhandlungen zum Wohle der Stadt verpflichtet gewesen sei. Zurzeit werden von der Stadt nur fünf Ehrengräber (Carl Möllinger, Konrad Beckhaus, Dr. Wilhelm Haarmann, Wilhelm Leisnering und Heinrich Timper) gepflegt.

»Unbegründet und dreist«

Der Höxteraner Autor und Fachmann in Sachen Drittes Reich, Ernst Würzburger, hält den Antrag von Ingrid Resch für »unbegründet und dreist«. Man müsse sehen, dass Hartmann in seiner Position auf jeden Fall NSDAP-Mann gewesen sein müsse.

Er sei Funktionär und Entscheider gewesen. Das allein reiche, um ein Ehrengrab auszuschließen. Forschungen müssten nicht mehr angestellt werden, auch wenn über das Ergebnis der Entnazifizierung Hartmanns weiter nichts bekannt geworden sei und er sich justiziabel wohl nichts habe zu schulden kommen lassen.

Zurzeit wird das Grab Hartmann (Nutzungsrecht bis 2025) von der Friedhofsgärtnerei Fahle gepflegt. Ingrid Resch fordert die Übernahme der Pflege durch die Stadt: »Wenn meine älteren Geschwister und ich nicht mehr für das Grab aufkommen können, dann wird kein Andenken an meinen Vater bleiben.«

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