35 Rekruten treten Dienst in Höxters Kaserne an – 41-Stunden-Woche für alle Bei Fitness ist bei Soldaten noch Luft nach oben

Höxter (WB). 35 neue Rekruten haben ihre Grundausbildung in der General-Weber-Kaserne in Höxter begonnen. Formaldienst, Waffenausbildung, Stubenreinigen, frühes Aufstehen, das Leben in Gemeinschaft: Viele der jungen Soldaten begannen am 2. Januar im ABC-Abwehrbataillon 7 ein komplett neues Leben.

Von Michael Robrecht
Ein ordentlicher Bettenbau in der Viermann-Stube will gelernt sein: Die Rekruten Tim Tolksdorf (vorn/23) aus Leverkusen und Szymon Wolowicz (20) aus Mannheim wissen jetzt, wie man Bettlaken und Kissen perfekt präsentiert.
Ein ordentlicher Bettenbau in der Viermann-Stube will gelernt sein: Die Rekruten Tim Tolksdorf (vorn/23) aus Leverkusen und Szymon Wolowicz (20) aus Mannheim wissen jetzt, wie man Bettlaken und Kissen perfekt präsentiert. Foto: Michael Robrecht

»Ihre Mütze sitzt nicht. Und die Aufstellung nach Größe passt überhaupt noch nicht. Fertig werden für den Marsch zum Mittagessen!« Der junge Fähnrich Maximilian Schulz bringt dem Soldatennachwuchs mit kräftiger Stimme nach dem Unterricht beim Antreten bei, wie eine ordentliche Marschkolonne in Höxters Kaserne aufzutreten hat. Dienstgradabzeichen lernen und soldatisches Auftreten seien die ersten Grundkenntnisse, die die neuen Soldaten in den ersten Tagen lernen müssten, schildert Hauptmann Martin Handrik, Chef der Ausbildungskompanie. Zusammen mit Leutnant Tanja Kahle und Oberfähnrich Stephan Orgorzelski sowie weiteren Ausbildern wollen sie erreichen, dass die Rekruten Freude an ihrem neuen Job bekommen. Doch besonders in den ersten Tagen würden einige Einberufene die Uniform schon wieder ausziehen. »Einige bekommen kurzfristig eine Lehrstelle oder einen Studienplatz und werfen hin«, so Hauptmann Handrik. Die meisten nutzten jedoch alle Möglichkeiten des Soldatenberufs.

Seit einem Jahr gibt es die 41-Stunden-Woche für alle Uniformträger, auch für jene in der Grundausbildung: »Und das bedeutet, dass das Ausbildungsprogramm gestrafft wurde«, berichtet Leutnant Kahle. Für das Graben eines Kampfstandes auf dem Bielenberg gebe es beim Gefechtsdienstunterricht keine Zeit mehr. Wache schieben, Kompanie-Dienste oder wie ganz früher Bereitschaften bleiben dem Rekruten 2017 sowieso erspart. 5 Uhr Aufstehen, 6 Uhr Frühstück, 7 Uhr Dienstbeginn, 16.15 Uhr Feierabend – so ein Zeitplan sei seit 2016 die Regel.

Am Donnerstag werden die 35 Grundausbildungs-Soldaten beim Bürgermeister-Empfang erfahren, welche Vorzüge der Bundeswehrstandort Höxter mit seinen gut 650 Soldaten bietet. Die Rekruten haben von der Stadt »außer ein paar Fachwerkhäusern« (Soldat Szymon Wolowicz aus Mannheim) noch nicht viel gesehen. Kneipenbesuche wollen sie starten, andere sitzen abends lieber im Mannschaftsheim, trainieren im Fitnessraum, schauen TV oder chatten in ihrer Stube am Laptop.

Apropos Sport: Hauptmann Handrik hat festgestellt, dass die Rekruten von Quartal zu Quartal immer unsportlicher werden. Entweder kämen echte Fitness-Cracks oder in Sachen Sport und Ausdauer sei »viel Luft nach oben«. Nicht wenige würden nach Dienst noch trainieren, um fit zu werden. Heute gehen noch einige Rekruten zum Friseur: Zwei Zöpfe und ein paar lange Strähnen bei einigen Herren müssen noch ab. Das Feierliche Gelöbnis findet im Februar in Frankenberg/Nordhessen statt. Im März endet dann die dreimonatige Grundausbildung.

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