Aus sieben Pfarreien in Marienmünster wird die Gemeinde St. Jakobus der Ältere Seelsorger Stefan Siebert sagt Adieu

Marienmünster (WB). »Wir schreiben heute ein Stück Kirchengeschichte.« Pfarrer Stefan Siebert zeigte sich beim Gründungsgottesdienst zur Rückpfarrung der Katholiken von Marienmünster zur Gemeinde St. Jakobus der Ältere unter dem Thema »Zurück zu neuen Wegen« davon überzeugt, dass ein Kapitel zu Ende gehe, aber ein Neues aufgeschlagen und ein mutiger Schritt in die Zukunft gegangen werde.

Von Heinz Wilfert
Pfarrer Stefan Siebert (Mitte) hat zusammen mit dem künftigen Leiter des pastoralen Raums, Ansgar Heckeroth aus Steinheim (links), sowie Dechant Gerhard Pieper den Gottesdienstes zur Rückpfarrung von sieben Pfarreien in Marienmünster gestaltet. Fotos: Heinz Wilfert
Pfarrer Stefan Siebert (Mitte) hat zusammen mit dem künftigen Leiter des pastoralen Raums, Ansgar Heckeroth aus Steinheim (links), sowie Dechant Gerhard Pieper den Gottesdienstes zur Rückpfarrung von sieben Pfarreien in Marienmünster gestaltet. Fotos: Heinz Wilfert

Im Hinblick auf die historischen Gegebenheiten erfolgt eine Rückpfarrung mit dem Zusammenschluss der sieben bisherigen Pfarreien St. Jakobus, St. Martin Altenbergen, St. Joseph Bredenborn, St. Johannes Kollerbeck, St. Kilian Vörden, St. Patroklus Löwendorf und St. Jakobus Großenbreden an die Abteigemeinde St. Jakobus der Ältere. Jakobus war einer der Jünger Jesu und gilt als Schutzpatron der Pilger – für Siebert ein ausdrucksstarkes Zeichen, »denn wir befinden uns wie Pilger auf einem neuen Weg.«

Die Kommunionkinder drückten das aus, als sie eine Puppe mit Mantel, Hut und Pilgerstab ausstatteten. Bischof Hans-Josef Becker hat die neue Struktur mit einer Urkunde besiegelt. Aus den sieben Kirchenvorständen ist ein Vermögensverwaltungsrat gebildet worden, in den jeder bisherige Kirchenvorstand zwei seiner gewählten Mitglieder entsendet. Damit sei sichergestellt, dass jede Pfarrgemeinde zu gleichen Teilen vertreten ist.

Pfarrer Siebert wird den neuen Weg allerdings nicht begleiten. Er verlässt nach 27 Monaten Marienmünster und übernimmt zum 1. Februar als Pfarrer der St. Johannes Gemeinde im sauerländischen Sundern die Leitung des dortigen pastoralen Raums.

Die neue Gesamtpfarrei »St. Jakobus der Ältere« ist nach Auflösung des Pastoralverbundes Marienmünster in den größeren pastoralen Raum eingebunden, der ab 1. Februar die Städte Steinheim, Nieheim und Marienmünster umfasst und dessen Leitung Pfarrer Ansgar Heckeroth (Steinheim) übernehmen wird (wir berichteten). Die pastorale Betreuung wird bis zur Ernennung eines neuen Priesters für Marienmünster ebenfalls aus Steinheim übernommen. »Es braucht einen feierlichen Rahmen, wenn sich jahrhundertealte Gemeinden zusammenschließen«, betonnte Dechant Gerhard Pieper, der angesichts der neuen Herausforderung aber auch von Ernst, Unsicherheit und Sorge sprach. Manch einem Gläubigen werde es schwer ums Herz sein, weil er nicht wüsste, wie sich das Neue pastoral auswirke. Doch alle Wege mündeten vom heutigen Tag an in St. Jakobus, machte er Mut, sich den Herausforderungen zu stellen. »Woher wir auch kommen, es bleibt doch der eine Glaube.«

Auch wurden Banner ausgegeben, die künftig als Zeichen der Zusammengehörigkeit an allen Kirchen und Kapellen wehen. Gleichzeitig machte Pieper Mut und verglich die Situation in Marienmünster wie im Evangelium »mit dem Beispiel der wundersamen Brotvermehrung, wo sich die Jünger untereinander austauschten«.

Mit einer beleuchteten Stele hat der Pfarrgemeinderat den Pfarrer verabschiedet (von links): Vorsitzende Elisabeth Seifert, Stefanie Rasche, Claudia Neumann, Michaela Gsenger und Irmgard Lüke. Foto: Wilfert

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elisabeth Seifert dankte dem scheidenden Pfarrer für seine aufbauenden Predigten, die stimmungsvollen Gottesdienste, aber auch für sein Drängen, den jetzt vollzogenen Weg zu gehen. Auch wenn noch Fragen offen blieben, wie es in der nächsten Zeit weitergehen werde, wenn der Hirte und Seelsorger fehle, zitierte sie Johannes XXIII: »Wer glaubt, der zittert nicht. Er überstürzt nicht die Ereignisse und ist nicht pessimistisch eingestellt.« Man könne nämlich auf viele Initiativen zurückgreifen, mit denen Pfarrer Siebert das Gemeindeleben gefördert hatte. Trotz des Weggangs könne die neue Gemeinde deshalb mit Mut gestärkt in die Zukunft gehen.

Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende rief die Gläubigen dazu auf, sich vom Anspruch einer kirchlichen Rundumversorgung zu lösen. »Lasst uns gemeinsam und voller Zuversicht aufbrechen. Jesus ist der Weg, den wir gemeinsam gehen wollen«, lautete die hoffnungsvolle Botschaft einer Fürbitte, weil dadurch das kirchliche Marienmünster näher zusammenrücke. Pfarrer Siebert dankte für zwei intensive Jahre auf einer »pastoralen Großbaustelle«, auf der die Zeit zu Veränderungen drängte. Die zwei Jahre seien eine gute Zeit gewesen, »weil die Ehrenamtlichen Edelsteine sind, die Marienmünster zum Glänzen gebracht haben«. Siebert nannte stellvertretend die Sekretärinnen, aber auch das Redaktionsteam, welches den Pfarrbrief anspruchsvoll gestaltete und ein »Wir-Gefühl« erzeuge. Um Verzeihung bat er alle, die sich ungerecht behandelt gefühlt hätten. »Auch ich bin zeitweilig an meine Grenzen gestoßen«, räumte er ein.

Zur Übernahme seiner neuen Aufgabe lud Siebert nach Sundern ein. In der St.-Johannes-Gemeinde findet dort am Sonntag, 19. Februar, der Einführungsgottesdienst von Siebert statt.

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