57-Jährige will vollen Preis für Lampe in Möbelhaus nicht bezahlen – Prozess Frau kämpft mit Verkäuferinnen

Höxter (WB). Eine 57-jährige Frau ist vom Höxteraner Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Die Angeklagte hatte eine Lampe aus einem Möbelgeschäft gestohlen. Dabei war es zwischen Verkäuferinnen und der Angeklagten zu einer Schlägerei gekommen.

Von Timo Gemmeke
Göttin Justitia ist die Personifikation der Gerechtigkeit.
Göttin Justitia ist die Personifikation der Gerechtigkeit. Foto: dpa

Der Vorfall ereignete sich im November 2015 während einer Einkaufstour in einem Höxteraner Möbelgeschäft. Die Frau nahm sich eine Tischlampe und brachte sie zur Kasse. Dort machte die Kassiererin die Kundin darauf aufmerksam, dass das gezahlte Geld lediglich für den Schirm der Lampe, jedoch nicht für den Ständer ausreiche. Erbost nahm die 57-Jährige die Lampe an sich und verließ wortlos das Geschäft. Der Aufforderung der verdutzten Möbelhaus-Mitarbeiterin, sofort stehenzubleiben, kam die Angeklagte nicht nach. Als zwei Kolleginnen die Frau an der weiteren Flucht über den Parkplatz hindern wollten, kam es zur Auseinandersetzung. Ernsthaft verletzt wurde dabei niemand, denn kurzerhand löste die von zwei Passanten alarmierte Polizei das »raufende Knäuel« auf, hieß es in der Beweisaufnahme. Jegliche Fragen der Beamten ignorierte die Angeklagte, auch bei der Feststellung der Personalien blieb sie stumm.

Die Quittung: eine Anklage wegen Diebstahl und Körperverletzung. Die drei Verkäuferinnen beschrieben die Täterin als aggressive und gleichzeitig apathisch. Richterin Christina Brüning und die Staatsanwaltschaft hörten mit Interesse die Schilderungen des Ehemannes, der nach Eintreffen der Polizei am Tatort für die notwendige Identifizierung seiner Frau gesorgt hatte. Vor Gericht schilderte er das Leben seiner Frau, Mutter von zwei Kindern. Nach mehreren Schicksalsschlägen in der Familie habe sie ihr Verhalten schlagartig verändert. Von Wahnvorstellungen und Antriebsstörungen geprägt, habe sie sich vor mehr als zwei Jahren aus ihrem sozialen Umfeld zurückgezogen, so der Gatte. Ein psychologischer Gutachter meinte, dass die Angeklagte an einer Psychose schizophrener Art erkrankt sei.

Die vorläufigen Anklagepunkte Diebstahl und Körperverletzung wurden vom Gericht zum Straftatbestand des räuberischen Diebstahls zusammengefasst. Günstig wirkten sich die relativ geringe Tatbeute sowie das einsichtige Verhalten der Frau vor Gericht aus. Da sie im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt haben soll, wurde zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft ein Konsens über eine sechsmonatige Bewährungsstrafe erreicht.

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