Nach Fall in Höxter: Polizei zeigt Verhaltensweisen in Notsituationen auf Wenn Frauen belästigt werden

Höxter (WB). Eine Frau ist in Höxters Marktstraße am Montagmorgen gegen 2.40 Uhr von einem Unbekannten sexuell belästigt worden (wir berichteten). Wie sollten sich Opfer in einer solchen Situation verhalten? Auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES gibt Annegret von Oiste-Neumann, Auskunftsperson für Opferschutz bei der Polizei, Antworten.

Von Dennis Pape
Frauen sind oft Opfer von Übergriffen (wie auf diesem Symbolfoto).
Frauen sind oft Opfer von Übergriffen (wie auf diesem Symbolfoto). Foto: Harald Iding

»Nur wer konsequent gegen Täter vorgeht, kann sexuelle Gewalt beenden«, sagt sie. Fremde können sich jemandem in der schlimmsten Art und Weise nähern – auf der Straße, in einer Kneipe oder im Park. In manchen Fällen spricht der Täter sein Opfer vor der Tat an und fragt zum Beispiel nach der Uhrzeit, nach dem Weg oder Kleingeld. »Daher sollte man sich in solchen Situationen mit Unbekannten nicht auf ein Gespräch einlassen«, rät Annegret von Oiste-Neumann. Vielmehr sollten gut beleuchtete Plätze und möglichst die Nähe zu anderen Menschen gesucht werden.

Für Fälle von Belästigungen hat die Expertin vier Ratschläge: 1. »Kreuzen Sie bei vermuteter Verfolgung die Straße in einem 90-Grad-Winkel. Halten Sie nach beleuchteten Hauseingängen Ausschau, gehen Sie zielstrebig auf ein Gebäude zu und läuten.«

2. »Gehen Sie immer in die Richtung, wo Menschen sind. Steuern Sie nicht Ihre eigene Wohnung an, wenn Sie hierbei abgelegene Örtlichkeiten passieren müssen.«

3. »Sprechen Sie Frauen an, die ebenfalls alleine in Ihre Richtung gehen und setzen Sie ihren Weg gemeinsam fort.«

4. »Sollte die Bedrohung und Verfolgung konkret werden, rufen Sie laut um Hilfe. Sprechen Sie mögliche andere Personen direkt an. Zum Beispiel: Sie, mit dem Polo-Hemd, helfen Sie mir. Appellieren Sie laut und deutlich an umstehende Personen.«

Frauen, aber auch Jugendliche könnten nach Auskunft der Polizei in Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen lernen, rechtzeitig Grenzen zu setzen sowie Strategien für Ausweichmöglichkeiten oder eine Gegenwehr zu entwickeln. Polizei und Landessportverbände sind bei der Suche nach seriösen Kursangeboten behilflich.

Laut um Hilfe rufen

Annegret von Oiste-Neumann erläutert auch, was passiert, wenn ein Opfer Anzeige erstattet. »Sie können die Tat bei jeder Polizeidienststelle anzeigen beziehungsweise über die Telefonnummer 110 einen Streifenwagen rufen. Beamte nehmen die Personalien und die Angaben über Tatort, Tatzeit und den Täter sowie erste notwendige Hinweise zur Tat auf.«

Auskünfte, die darüber hinausgehen, würden in einer späteren ausführlichen Vernehmung von der Kriminalpolizei erfragt. Soweit es möglich ist und gewünscht wird, führt diese Vernehmung eine Kriminalbeamtin durch. »Die Art der Straftat macht es erforderlich, dass möglicherweise auch unangenehme Fragen gestellt werden müssen. Bei der Vernehmung kann eine Person des Vertrauens oder ein Anwalt anwesend sein. Eine Anzeige ist auch schriftlich direkt an die Staatsanwaltschaft oder Polizei oder über einen Anwalt möglich. Dadurch wird jedoch nicht die Erstvernehmung ersetzt«, sagt sie. Weitere Tipps im Internet unter www.polizei-beratung.de.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.