Zahl der mutwillig beschädigten städtischen Bäume nimmt zu – Unfallrisiko steigt Die Baumretter

Höxter (WB). Hier geht es nicht um das romantische Herz, das Verliebte in eine Baumrinde schnitzen, sondern um gefährliche und mutwillige Zerstörung: Unbekannte sägen, schneiden, bohren, hacken oder vergiften städtische Bäume. Und die Fälle dieses »Baum-Frevels« häufen sich.

Von Linda Bögelein
So gesund und grün ist jede Baumkrone wie vor dem Stadthaus: Arne Wittkop (links) und Ralf Haffke von der Stadtgärtnerei machen darauf aufmerksam, dass städtische Bäume unerlaubt und falsch geschnitten oder sogar vergiftet werden.
So gesund und grün ist jede Baumkrone wie vor dem Stadthaus: Arne Wittkop (links) und Ralf Haffke von der Stadtgärtnerei machen darauf aufmerksam, dass städtische Bäume unerlaubt und falsch geschnitten oder sogar vergiftet werden. Foto: Linda Bögelein

Um rund 15 000 städtische Bäume auf Spielplätzen, Friedhöfen oder am Straßenrand kümmern sich der Bauhof und die Stadtgärtnerei. Dazu gehört nicht nur die Pflege sondern auch die jährliche Kontrolle der Bäume. Und die Ergebnisse schockieren die Verantwortlichen.

Schäden häufig irreparabel

»Es gibt Leute, die wollen den Blatt- oder Blütenfall eines städtischen Baums verringern und vielleicht nur einmal die Baumkrone stutzen und tun dies nicht fachgerecht. Das Ergebnis ist meist nicht das gewünschte: Denn dadurch wächst der Baum unkontrolliert und wüst, meist in die Breite«, erklärt Ralf Haffke von der Stadtgärtnerei.

Hier haben Unbekannte selbst Hand angelegt und die Baumkrone gestutzt. Foto: Stadt Höxter

Der Schaden sei dann oftmals irreparabel und der Baum müsse gefällt und neu gepflanzt werden. Bei einem durchschnittlichen Straßenbaum liege der wirtschaftliche Schaden im fünfstelligen Bereich.

Noch schlimmer ist in seinen Augen jedoch, dass Unbekannte überall im Stadtgebiet versuchen, Bäume auf perfide Art und Weise zum Absterben zu bringen. »War es früher noch ein Kupfernagel, der in den Baum geschlagen wurde, sind es nun Löcher, die in den Stamm gebohrt werden, um beispielsweise mit Gylphosat oder Streusalz den Baum von innen zu vergiften.«

Bis der Baum dann sterbe, sei es jedoch ein langer Prozess und genau darin liegt das Problem: »Bäume versuchen den Schaden zu kompensieren. Sie können von außen noch prächtig aussehen und von innen schon beginnen, zu verfaulen. Daher fällt der Baumfrevel bei unseren visuellen Kontrollen nicht immer sofort auf«, betont Haffke.

Folgenschwere Konsequenzen

Das kann folgenschwere Konsequenzen haben. Die Standhaftigkeit und damit auch die Verkehrssicherheit dieser malträtierten Bäume seien dann nicht mehr gegeben. Bisher habe es zwar noch keine großen Unfälle gegeben, da betroffene Bäume frühzeitig gefällt worden seien. »Aber es kann passieren, dass ein beschädigter Baum einfach umkippt«, sagt Haffke. Er wolle sich gar nicht vorstellen, dass in diesem Moment vielleicht noch eine Mutter mit ihrem Kinderwagen darunter hergeht. »Dann hat man nicht nur den Baum und damit städtisches Eigentum zerstört, sondern auch noch Menschenleben auf dem Gewissen«, macht er deutlich.

Gerade bei wuchtigen Bäumen bohren Unbekannte Löcher und füllen so Gift in den Baum. Foto: Stadt Höxter

Die Übeltäter dingfest zu machen, sei schwierig. »Sie tun dies ja meist im Verborgenen. Da müsste man sie schon auf frischer Tat ertappen«, sagt Bauhofleiter Arne Wittkop. »Zudem habe ich manchmal das Gefühl, dass städtische Bäume in den öffentlichen Augen keinen Wert haben. Dabei ist der städtische Baum neben dem Haus, genauso ein Baum wie der vom Nachbarn – und an dem schneidet man ja auch nicht so ohne weiteres einfach dran rum«, betont Ralf Haffke.

Gespräch mit Verwaltung suchen

Er und Arne Wittkop möchten die Bürger für diese Thematik sensibilisieren. »Wir möchten das Bewusstsein für die genannten Risiken schärfen«, erklären die beiden. Wer sich an einem Baum störe, der könne immer noch ein sachliches Gespräch mit der Stadtverwaltung führen oder den Weg über die Politik gehen und einen Antrag stellen. Wer mutwillige Beschädigungen an einem städtischen Baum entdecke, der sei ebenso aufgefordert, dies bei der Stadtverwaltung zu melden. »Damit wird sofort reagieren können«, sagt Haffke.

Mit einem kleinen hineingeritzten Liebesherz könnten Bäume alt werden, aber nicht mit diesen risikoreichen Beschädigungen.

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