Infoversammlung: Marktplatz-Neubau eine Chance Bürger vermissen alternative Entwürfe

Höxter (WB). Kein Mitspracherecht der Bürger, mehr Autolärm im Hof, ein vier Meter schmalerer Marktplatz und fehlende frühzeitige Information der Anwohner: Investor und Stadtverwaltung mussten sich in der zweistündigen Bürger-Informationsveranstaltung reichlich Kritik anhören.

Von Michael Robrecht
Die Häuserzeile Markt Süd wird sich optisch komplett verändern. Der Markt 6 (links Haus Bauer/Depot) bleibt stehen, ebenso der Flachdachbau (heute »Mocca«). Die mittleren Gebäude werden abgerissen. Auch der Treppenturm verschwindet. Die Fassade wird vier Meter in Richtung Marktplatz vorgezogen.
Die Häuserzeile Markt Süd wird sich optisch komplett verändern. Der Markt 6 (links Haus Bauer/Depot) bleibt stehen, ebenso der Flachdachbau (heute »Mocca«). Die mittleren Gebäude werden abgerissen. Auch der Treppenturm verschwindet. Die Fassade wird vier Meter in Richtung Marktplatz vorgezogen. Foto: Michael Robrecht

Erstmals öffentlich vorgestellt worden ist das Zwölf-Millionen-Euro-Projekt »Neubebauung und Sanierung der Marktplatz-Südseite«. Drei Dutzend Höxteraner hörten und sahen im Rathaus die ansprechenden Präsentationen von Anna Nelting (Investor Fokus Development Duisburg) und von Stadt-Fachbereichsleiter Heiner Brockhagen. Wie gestern berichtet, sollen die Häuser Markt 4 und 2a/b sowie Teile des Innenhofes abgerissen und neu gebaut werden. Auf dem Grundstück wird es archäologische Grabungen geben. Die Häuser stammen von 1960. Das Haus Markt 6 (Depot) wird dem Sanierungsensemble zugeschlagen, bleibt aber erhalten. Das gilt auch für den Flachdachbau Marktstraße 2 und 4, der sogar noch einen Meter in die Marktstraße hinein vorgezogen wird.

Stadt sieht gute Chancen für Einkaufsstandort

Heiner Brockhagen sieht eine große Chance für Höxter, weiteren Einzelhandel zu bekommen. Da die Investoren nicht Schlange stehen würden, müsse man auch baulich das akzeptieren, was Fokus anbiete und für wirtschaftlich erachte. Natürlich präge der Neubau für Jahrzehnte Höxters gute Stube. Man gehe zurzeit früh in die Bürgerinformation, um den dort notwendigen neuen Bebauungsplan vorantreiben zu können, damit 2017 neu gebaut werden könne. Bis zum Jahresende würden vom Rat die baurechtlichen Grundlagen geschaffen.

Anna Nelting (Investor) berichtete, dass die neue Tiefgarage über die alte Einfahrt am Ex-Haus Bauer erreichbar sein werde. Auch eine private Tiefgarage am Haus Ahaus werde angebunden. Die Dächer an der Marktplatzseite würden giebelständig. An der Marktstraße bleibe das Dach flach, könne später in weiteren Bauschritten mit Giebeln versehen werden.

Marktplatzentwurf: Blick in den Hinterhof. Foto: Fokus Development

Liesel Schaefer kritisierte den schmaler werdenden Marktplatz. Wenn beim Weihnachtsmarkt die Holzhäuser von Engel und Hecker aufgebaut würden, werde das sehr eng. Zudem gebe die Stadt die Jahrzehnte von allen Hauseigentümern verlangte Kleinteiligkeit plötzlich auf. Ferdinand Meyer hakte da ein und zeigte sich unzufrieden darüber, dass man dem Investor alles gestatte. Die gesamte Stadtplanung werde über den Haufen geworfen. Die Bürger und Anwohner würden nicht in die Planung mit eingebunden. Auch sei längst nicht mit allen Nachbarn gesprochen worden, zum Beispiel über den zukünftig zunehmenden Verkehr im Innenhof. Dietlinde Weber zeigte sich unzufrieden, dass durch den Versprung der Häuser Marktstraße 2 und 4 die Fachwerk-Ratsapotheke optisch abgehängt werde. Sie fragte, wo weitere Planvarianten zum veröffentlichten einzigen Bauplan seien. An so einer markanten Stelle in Höxter müsse es eine Auswahl an Entwürfen geben.

Kaufmann Dietmar Larusch fühlte sich unzureichend informiert. Eine Anlieferung auf dem Hof werde an seinem Laden eng und schwierig. Stadt und Investor wollen über alle Anregungen beraten.

Kommentar

Andere Städte würden bei der Dimension der Neubaupläne einen städtebaulichen Wettbewerb für den Marktplatz Süd ausschreiben, damit die besten Architekten um die Neugestaltung ringen und ein großer baulicher Wurf dabei herauskommt. Das ist in Höxter anders. Weil die Bauherren am Markt nicht Schlange stehen, meinte der Rat, Fokus »Freie Fahrt« für das Projekt geben zu müssen. Das lief beim Hertie-Haus genau so. Und auch beim WBK-Neubau mischt sich niemand wirklich aktiv in die Baugestaltung ein. Wir sind in Höxter offensichtlich nicht in der Position, Auflagen machen zu können und müssen mit oft wenig inspirierenden oder schwachen Entwürfen leben, die Bauherren wollen. Die Bürger-Kritik ist berechtigt, führt aber schnell zur Frage: Genehmigen oder Projektabsage? Grundsätzlich ist es gut, dass Fokus in Höxter investiert. Die Eingaben sollten berücksichtigt werden. Nichts ist alternativlos. Das Projekt wird starten und Höxter als Standort stärken.

Michael Robrecht

Kommentare

Verschlimmbesserung nach ca.50 Jahren

Moin aus Norddeutschland, aber als alter Hõxteraner läuft es mir kalt den Rücken runter wenn ich solche Pläne sehe, dieselben Fehler wie vor fast 50 Jahren, warum hat man damals nicht die wunderschöne Altstadt saniert? Jetzt könnte man die Fehler von damals korrigieren mit den heutigen modernen Nachbaumethoden, siehe Gedächtniskirche, siehe Humboldt-Forum ! Das die Möglichkeiten in Höxter wesentlich beschränkter sind ist mir auch klar, aber man kann doch versuchen die alte Bausubstanz (alte Stadtbücherei) usw. wieder zu erstellen.Dann klappts auch besser mit dem Tourismus, vielleicht schauen die heutigen Entscheider mal nach Warburg, oder Lüneburg, dort waren die Fehler in den berüchtigten 60/70er Jahren nicht ganz so furchtbar wie in Höxter, aber nur weil sich früh Bürger entsprechend engagierten.
Ich habe es als damals 10 - 16 Jahre alter Junge schon nicht verstanden, wie die Altstadt dich Beton ersetzt wurde, aber ich muss auch zugeben ich habe als Schüler in den Ferien daran mitgebaut (Schmidt/Becker usw.)
Also Politiker gebt Gas, sonst stirbt HX.

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