Kann Eintragung in Denkmalliste Höxters Freibad retten? Seltenes Beispiel für Moderne Experten: »Freibad ist denkmalwürdig«

Höxter (WB). In Höxter gibt es Überlegungen, für das 1936 eröffnete Freibad Denkmalschutz zu beantragen. Aus Sicht von Fachleuten würden gleich mehrere bedeutende Kriterien eine Eintragung in die Denkmalliste rechtfertigen.

Von Michael Robrecht
Wer hat so ein schönes Freibad? Der Standort am Weserufer unweit von Höxters Altstadt mit Blick auf die Weserberge ist reizvoll. Der blaue Himmel verleiht der weißen Bäderearchitektur eine besondere Ausstrahlung. Halbrunde Pavillons umrahmen die lange Gebäudeflucht und bereichern die klare geometrische Architektursprache.
Wer hat so ein schönes Freibad? Der Standort am Weserufer unweit von Höxters Altstadt mit Blick auf die Weserberge ist reizvoll. Der blaue Himmel verleiht der weißen Bäderearchitektur eine besondere Ausstrahlung. Halbrunde Pavillons umrahmen die lange Gebäudeflucht und bereichern die klare geometrische Architektursprache.

Der Förderverein Bäder will das »besondere bauliche Erbe Freibad« laut des Vorsitzenden Hermann Dücker in seiner Jahreshauptversammlung am Dienstag, 3. Mai, um 19.30 Uhr in der VHS-Aula thematisieren.

Auch in den Ratsparteien wird seit längerem über die Chancen gesprochen, ob mit Blick auf den einzigartigen Bau nicht Denkmalfördergelder bei der Stiftung Denkmalschutz oder aus anderen Töpfen beantragt werden könnten, um eine Freibadsanierung möglich zu machen.

Bäderbauarchitekt Otto Immendorff

An den 30er-Jahre-Gebäuden ist wenig zerstört worden. Foto: Robrecht

Das WESTFALEN-BLATT hat im Stadtarchiv Einsicht in die Freibad-Bauakten von 1935/36 genommen und festgestellt, dass der sehr bekannte Bäderbauarchitekt Otto Immendorff aus Hildesheim das Freibad 1935 entworfen hat.

Der »Reichsbäderachitekt« hat in Höxter quasi einen Freibad-Prototypen im Baustil von Moderne und Bauhaus entworfen, der später – besonders oft in den 50er-Jahren – von ihm dutzendfach in Deutschland so oder so ähnlich nachgebaut worden ist. Das Freibad Göppingen und das berühmte VW-Bad in Wolfsburg sind Geschwister-Entwürfe von Höxter.

Die Bauakten berichten ferner vom ersten Bäder/Sportanlagen-Förderverein von 1935, dem fast 200 Bürger beigetreten waren. Bürgerspenden und 60.000 Reichsmark von der Wehrmacht trugen zur Finanzierung des Bades damals bei.

Gute Chancen für erfolgreichen Antrag

Die Kunsthistorikerin Dr. Corinna Wodarz aus Höxter sieht gute Chancen und unschlagbare Argumente, dass ein Antrag auf Denkmalschutz in Münster beim Landesdenkmalamt Erfolg haben könnte. Es gebe sehr viele neue stichhaltige Einzelaspekte für die Denkmalwürdigkeit.

In Höxter sei im Freibad noch viel Originales erhalten und nicht zu viel umgebaut worden. Eine Unterschutzstellung eines 30er-Jahre-Bades sei sicher ein Novum, aber die Denkmalämter würden sich dieser baulich interessanten Zeit jetzt verstärkt annehmen.

Einzigartigkeit der Anlage

Das VW-Bad in Wolfsburg ist auch ein Immendorff-Entwurf (Grünplanung: Wilhelm Heintz). Das Motiv ist aus dem Freischwimmer-Magazin. Foto: Freischwimmer

Der aus Höxter stammende Bauforscher und Stadt-Heimatpfleger von Braunschweig, Elmar Arnhold, hat Höxters Freibad bewertet und sieht eine Einzigartigkeit der Anlage gegeben. Interessant sei auch, dass die Bauform der Moderne, die im Dritten Reich eigentlich kaum angesagt gewesen sei, bei dem Immendorff-Bau in Höxter dennoch gewählt wurde. »Das ist etwas Besonderes.«

Halbrunde Pavillons gliedern die lange Gebäudeflucht: Hinweise auf die »Dampferarchitektur«, die Schiffsformen auf das Land übertrage, sei sichtbar. Das Prädikat »denkmalreif« wäre auch begründbar, weil so wenig aus den 1930er-Jahren noch erhalten sei »und das Gebäude das einzige Beispiel für einen Bau der Moderne in Höxter darstellt«.

Im KdF-Seebad Prora auf Rügen seien übrigens genau diese halbrunden Pavillons für den gesamten fünf Kilometer langen Riesen-Hotelbau ähnlich geplant worden. Solch einen seltenen Freibadbau wie Höxter dürfe man nicht abreißen.

Skepsis wegen baulicher Veränderungen

Arnhold weist auch auf den bekannten Bäder-Architekten Immendorff hin, der in Wolfsburg 1951 das VW-Bad errichtet und viele weitere Bäder wie im Brückfeld gebaut habe. Der gelungene Höxter-Entwurf habe dabei sicher oft Pate gestanden.

Höxters Technischer Beigeordneter Dardo Franke ist skeptisch, was die Denkmalwürdigkeit der Freibad-Anlage angeht. 2012 hätten Vertreter des Landesdenkmalamtes Münster das Bad untersucht. Es habe eine Begutachtung vor Ort gegeben. In der Stellungnahme aus Münster heiße es, dass die Kriterien für eine Unterschutzstellung nicht erfüllt seien. Es hätte Veränderungen am baulichen Zustand gegeben.

Deshalb seien Überlegungen, über den Denkmalschutz an Fördergelder zu kommen, aus seiner Sicht wenig erfolgversprechend. Selbst wenn der denkmalwerte Mehraufwand bei einer Badsanierung berücksichtigt werde, müsse doch der gesamte teure technische Bereich von der Stadt bezahlt werden.

Bericht und Leserbrief in der WESTFALEN-BLATT-Ausgabe am 19. April

Kommentare

Was ich an der ganzen Bäderdiskussion nicht verstehe, über Jahrzehnte war es der Stadt Höxter möglich die beiden Bäder zu unterhalten. Warum geht das jetzt nicht mehr? Hatte Höxter früher mehr Geld? Wurden die Bäder früher mehr genutzt?

Was soll so ein Mist?

Es ist klar, dass wir in HX dringend ein Freibad und Hallenbad brauchen. Aber dieses Freibad ist abrissreif. Es wird Zeit neue Wege zu gehen, aber das haben die Verantwortlichen in Höxter einfach noch nicht begriffen.
Wofür war vor Jahren die Abstimmung zum Erhalt des Freibades oder Neubau eines Kombibades gut, wenn es doch ignoriert wurde, dass alle ein Kombibad wollen? In Höxter steht man sich einfach selbst im Weg, es wird immer viel geredet, doch am Ende passiert einfach nichts... Super, Stadt Höxter(Ironie, wer es nicht gemerkt hat)!

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