Kinder erleben Taufe und Kommunion innerhalb einer Woche Ein ganz besonderer Weißer Sonntag

Höxter (WB). Wenn die Schwestern Nune (10) und Narine (11) am Weißen Sonntag 2016 in der Pfarrkirche St. Peter und Paul erstmals zum Tisch des Herrn gehen, liegt ein wichtiges Sakrament nur wenige Tage zurück: Zusammen mit ihrem Bruder Arman (7) haben die Mädchen zu Ostern die Taufe empfangen.

Von Sabine Robrecht
Täuflinge, Eltern und Paten versammeln sich am Taufbrunnen in der Kirche: Dr. Gerd-Reiner Mayer (von links), Gunda Mayer, Margarit und Grigor Grigoryan, Hakob und Jewa Galstyan aus Clausthal-Zellerfeld freuen sich mit Nune (vorne von links), Narine und Arman.
Täuflinge, Eltern und Paten versammeln sich am Taufbrunnen in der Kirche: Dr. Gerd-Reiner Mayer (von links), Gunda Mayer, Margarit und Grigor Grigoryan, Hakob und Jewa Galstyan aus Clausthal-Zellerfeld freuen sich mit Nune (vorne von links), Narine und Arman. Foto: Sabine Robrecht

Taufe und Erstkommunion innerhalb kürzester Zeit: Diese besondere Glaubenserfahrung bestärkt Nune und Narine in dem guten Gefühl, willkommen zu sein: Willkommen in der Gemeinschaft der Gläubigen und willkommen in einem fremden Land. Denn die Familie Grigoryan stammt aus Armenien. Im August 2014 ist sie nach Höxter gekommen.

Ergreifender Moment: Pastor Frank Grunze tauft Nune. Foto: Sabine Robrecht

Dass sich die Mädchen, ihr Bruder und auch die Eltern nicht entwurzelt, sondern aufgehoben fühlen, ist ambitionierten Menschen aus Höxter ein Herzensanliegen. Sie helfen der Asylbewerberfamilie bei Behördengängen, begleiten sie bei Arztterminen wie kürzlich der Schuluntersuchung des Sohnes Arman und haben Taufe und Erstkommunion hilfreich mit vorbereitet. Grigor Grigoryan (37) ist gerührt von so viel Hilfsbereitschaft und Verlässlichkeit, die aus seiner Sicht nicht selbstverständlich ist: »Vielen Dank an alle. Ich danke Deutschland und allen, die meiner Familie zur Seite stehen.«

»Jetzt ist Arman mein Dolmetscher«

Der Familienvater ist froh darüber, wie sich die Kinder eingelebt haben: Arman, der Jüngste, habe anfangs Schwierigkeiten mit der Sprache gehabt. »Kinder lernen schnell. Jetzt ist Arman mein Dolmetscher«, freut sich Grigor Grigoryan.

Freunde schmücken Weihnachtsbaum

Der Sohn besucht bis zum Sommer den Kindergarten St. Peter und Paul. Dort ist Hildegard Gallasch seiner Mutter Margarit (33) kurz vor Weihnachten 2014 begegnet. „Sie schaute den Weihnachtsbaum im Kindergarten mit strahlenden Augen an, erinnert sich die Höxteranerin. Ehemann Josef Gallasch zögerte nicht lange. Am Tag vor dem Fest organisierte er für die christliche Familie aus Armenien einen Baum. »An Heiligabend schmückten wir ihn.« Wir, das waren Hildegard und Josef Gallasch sowie Katja und Thomas Pottmeier mit ihren drei Kindern. »Jeder von uns brachte Kugeln mit«, erzählt Hildegard Gallasch.

Lehrerinnen helfen bei Sprachunterricht

Bei diesen Gesten blieb es nicht. Gunda und Dr. Gerd-Reiner Mayer erweiterten den Helferkreis und nahmen Kontakt auf mit der Petrischule, dem Petri-Ganztag und dem Kindergarten St. Peter und Paul, wo die Kinder sehr aufmerksam und liebevoll betreut wurden und werden. Die neu gewonnenen Freunde kümmerten sich weiter um die Familie und organisierten unter anderem zusätzlichen Sprachunterricht für die Mädchen. Hier helfen die ehemaligen Lehrerinnen Mechthild Hüther und Marlies Hamel.

Asylgrund ist ein gesundheitlicher

Aline Wall hat, weil sie russisch spricht, viele Sprachbarrieren abbauen können. Der Internist Matthias Küßner hat sich eingesetzt, als es um ein ärztliches Gutachten ging. Denn der Asylgrund der Familie ist ein gesundheitlicher. Grigor Grigoryan ist schwer erkrankt und benötigt eine medizinische Betreuung auf hohem Niveau. Diese ist in Deutschland möglich, in Armenien nach Auskunft dortiger Kliniken und Ärzte nicht.

Familie wartet auf Entscheid

Ob dem Asylantrag stattgegeben wird, ist unklar. Die Familie hatte im November 2015 die Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die Freunde in Höxter warten nun mit ihr auf den Entscheid. So brachte auch Pastor Frank Grunze, als er die drei Kinder taufte, seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Geschwister in Höxter groß werden können.

Ehepaar Mayer übernimmt Patenamt

Die enge Verbundenheit mit dieser Stadt und den Menschen war auch ein Grund dafür, dass Grigor und Margarit Grigoryan ihre Kinder in die St.-Peter-und-Paul-Gemeinde hinein taufen ließen. Gunda und Dr. Gerd-Reiner Mayer erfüllten der Familie gerne den Wunsch, für Nune und Narine das Patenamt zu übernehmen.

Mädchen besuchen Petrischule

Die Mädchen und ihr Bruder haben die besondere Spiritualität dieses ersten wichtigen Sakraments bewusst erlebt. Tief berührt standen die Geschwister um den Taufbrunnen in der St.-Peter-und-Paul-Kirche herum. Als Nune und Narine, die die Petrischule besuchen, jetzt im Rahmen der Erstkommunion-Katechese erneut die Taufkapelle betraten, waren die Eindrücke noch frisch.

Der Weiße Sonntag wird sie und ihre Familie abermals im Glauben bestärken. »Wir freuen uns riesig auf diesen besonderen Tag«, sagen die Mädchen mit einem strahlenden Lächeln.

Zusammen auf dem Weg zur Erstkommunion: Hildegard und Josef Gallasch begleiten Nune und Narine ebenso wie Katja Pottmeier. Vater Grigor Grigoryan freut sich ebenfalls. Foto: Sabine Robrecht

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