Corvey: Stadt und Kreis steigen aus Kulturkreis aus - Erklärung am Abend Zusammenarbeit? Nein, danke!

Höxter/Corvey (WB).  Kreistag und Stadtrat Höxter haben in den nichtöffentlichen Teilen ihrer Sitzungen am späten Donnerstagabend den Ausstieg aus dem Kulturkreis Höxter-Corvey beschlossen. Das Herzogshaus Ratibor wird die Gesellschafteranteile von Kreis und Stadt übernehmen und zukünftig den kompletten Veranstaltungsbetrieb und das Welterbemanagement im Welterbe selbst organisieren.

Von Michael Robrecht
Das Weltkulturerbe Corvey.
Das Weltkulturerbe Corvey. Foto: Michael Robrecht

Für den Kulturkreis, der über Jahrzehnte das kulturelle Corveyer Jahresprogramm, das Museum, die Öffentlichkeitsarbeit und viele Sonderaktionen steuerte, würde das  konkret das Aus zum 31. Dezember 2016 bedeuten. Wie berichtet, könnte ab 2017  eine neu gegründete gGmbH des Herzogs von Ratibor das Welterbe Corvey und alle Veranstaltungen aus einer Hand managen.

Schon im öffentlichen Teil der Kreistagssitzung nahmen die Fraktionsvorsitzenden am Abend Bezug auf die spätere  Abstimmung. Dr. Josef  Lammers (CDU) erklärte, dass seine  Fraktion die Mitgliedschaft im Kulturkreis aus guten Gründen kündigen  wolle: »Eine gedeihliche und für alle Seiten befriedigende weitere Zusammenarbeit halten wir nach den Erfahrungen der letzten Jahre für nicht mehr gegeben«, sagte er in Richtung  Herzogliches Haus  und Katholische Kirche. »Der Begeisterung bei der Anerkennung Corveys im Juni 2014 ist einer Ernüchterung und Resignation gewichen«, so  Lammers. »Das Ringen mit den  Eigentümern um eine   besucherfreundliche und einem Welterbe angemessene Ausgestaltung gleicht eher einem türkischen Basar, denn einer   zielführenden Zusammenarbeit.  Auch wenn  ein   Überleitungsvertrag der beiden Eigentümer mit der Stadt habe geschlossen   werden können, bleibt die CDU beim Ausstieg«, stellte  Lammers fest.  Er dankte   Kreisdirektor Klaus Schumacher für die geleistete Arbeit »beim  undankbaren Thema Corvey«.

Für die UWG/CWG im Kreistag sagte Paul Wintermeyer, dass er bedauere, dass ein gemeinsames Handeln in Corvey nicht  möglich sei. Er sei dafür, dass der Kreis   aussteige. »Ich wünsche dem Herzog viel Glück bei der Neuorganisation und gehe davon aus, dass er das schafft. Alles andere würde  Stillstand in Corvey bedeuten«, meinte  Wintermeyer.

Für die Grünen ist das Thema Corvey knapp am Scherbenhaufen vorbeigeschlittert. Es habe sehr arg geknirscht zwischen Eigentümern und öffentlicher Hand. Solche Diskussionen seien   nicht zielführend, bemerkte Grünen-Sprecher Gisbert Bläsing. Er hoffe, dass die neuen Vereinbarungen belastbar seien. Kritik übte Bläsing an Landrat Friedhelm Spieker. Der habe Corvey bis zum Welterbestatus begleitet, was die Grünen ausdrücklich anerkennen würden.  Dann aber habe Spieker das Corvey-Projekt fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Er habe den Kreis für nicht mehr zuständig erklärt. »Formal mag das ja korrekt sein, aber welches Signal wird in die Region gegeben?« Bei allem Verständnis für die Erfahrungen des Landrats mit Corvey wäre es professionell gewesen, Spieker hätte in dem ganzen Prozess eine Vermittlerrolle eingenommen und hätte an der Weiterentwicklung des Welterbes mitgewirkt.

Nicht entmutigen lassen will sich  die  Bürgeraktion für das Welterbe   mit Ulrich Weber an der Spitze. Es gebe jetzt viele Fragezeichen, aber man müsse sich auch nach einer Neuaufstellung engagieren. dafür sei das Projekt  zu wichtig.
Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey sagte dem WESTFALEN-BLATT gestern zu den Ausstiegsplänen der Kommuen: »Das Herzogliche Haus würde im Hinblick auf laufende –  bislang konstruktive – Verhandlungen in Sachen Kulturkreis eine mögliche einseitige Entscheidung des Kreises Höxter zum Ausstieg aus der Gesellschaft bedauern. Sofern eine Beschussfassung erfolgen sollte, wird der Herzog am Freitag dazu Stellung nehmen.«

Folgende gemeinsame Erklärung haben Stadt und Kreis Höxter nach Ende der nichtöffentlichen Sitzungen um Donnerstag um 21 Uhr veröffentlicht. Hier der Wortlaut:

»Der Privateigentümer von Corvey hat in der Öffentlichkeit vielfach betont, dass er die Welterbestätte in alleiniger Regie führen will. Jetzt wurden die Weichen für den Betrieb des Museums und die Durchführung von Kulturveranstaltungen neu gestellt.

Im April 2015 bekundete das Haus Corvey die Absicht, die Gesellschafteranteile des Kreises und der Stadt Höxter an der Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH zu übernehmen. In einem Letter of Intent (Absichtserklärung) hat das Haus Corvey dies anlässlich der Verhandlungen um die Weitergabe von Fördermitteln nochmals bekräftigt. Deshalb hat der Kreistag des Kreises Höxter ebenso wie der Rat der Stadt Höxter in heutiger Sitzung am Donnerstag, 17. Dezember 2015, den Beschluss gefasst, das Gesellschaftsverhältnis an der Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH zum 31. Dezember 2015 zu kündigen und die Verhandlungen zur Übernahme ihrer Gesellschafteranteile fortzusetzen.

Wirksam wird die Kündigung zum 31. Dezember 2016. Bis dahin laufen seitens des Kreises und der Stadt Höxter die Aktivitäten im Kulturkreis Höxter-Corvey aus. Kreis und Stadt tragen dafür Sorge, dass die Durchführung der Corveyer Musikwochen im kommenden Jahr sicher gestellt ist. Ab 2017 wird die Verantwortung für das Kulturprogramm und den Museumsbetrieb in Corvey, wie gewünscht, allein in den Händen des verbleibenden Gesellschafters Viktor Prinz von Ratibor liegen.

Wie wichtig es dem Privateigentümer ist, die Entwicklung und den Betrieb der Welterbestätte vollständig in eigener Regie zu führen, hat er immer wieder deutlich gemacht. Bereits vor der Ernennung des Westwerks und der Civitas Corvey zum UNESCO-Weltkulturerbe schrieb Viktor Prinz von Ratibor im April 2013 in einem Beitrag im Deutschen Adelsblatt (dem Mitteilungsblatt der Vereinigung der deutschen Adelsverbände): „Wir müssen auch immer öfter mit aller Deutlichkeit betonen, dass die vollständige Verfügungsgewalt auch künftig beim Eigentümer liegt."

Finanziert wurde die Antragstellung bei der UNESCO jedoch allein von den zwei kommunalen Partnern. Kreis und Stadt haben eine halbe Million Euro für das Verfahren zur Aufnahme Corveys in die Welterbeliste der UNESCO aufgebracht..«

Darüber hinaus haben die beiden kommunalen Gesellschafter, Kreis und Stadt, in den vergangenen Jahren für den Museumsbetrieb und die Kulturarbeit in Corvey 4,5 Millionen zusätzlich aufgewendet.

»Die öffentlichen Investitionen in die touristische und kulturelle Strahlkraft Corveys und die erfolgreiche Auszeichnung als Weltkulturerbe waren und sind gut angelegtes Geld«, sagt Landrat Friedhelm Spieker. »Das Weltkulturerbe erfüllt die Menschen im Kreis Höxter mit Stolz. Für unsere Region ist das Alleinstellungsmerkmal Corvey ein großer Gewinn.«

„Nicht nur für die Stadt Höxter, sondern auch für die Region stellt Corvey einen Leuchtturm dar. Daher gilt es, die Welterbestätte im Sinne des Managementplanes zu erhalten und insbesondere touristisch zu entwickeln", sagt der Bürgermeister der Stadt Höxter, Alexander Fischer. Vor diesem Hintergrund habe der Rat der Stadt Höxter in seiner Sitzung am 26. November 2015 die Weiterleitung der Fördermittel aus dem Bundesprogramm ‚Nationale Projekte des Städtebaus‘ beschlossen.

Wie bekannt wurde, gründet das Haus Corvey eine neue gemeinnützige Gesellschaft, die auch den Betrieb der Welterbestätte sichern soll. Die Kündigung ist vor diesen Hintergründen eine folgerichtige Entscheidung, ebenso die Weiterführung der Verhandlungen zur Übernahme der Gesellschafteranteile. Zwei gemeinnützige Gesellschaften mit der gleichen Zielrichtung sind für den Betrieb und die Weiterentwicklung der Kultur- und Welterbestätte Corvey nicht dienlich.

»Die Weiterentwicklung Corveys werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten weiterhin positiv begleiten«, sagten Landrat Friedhelm Spieker und Bürgermeister Alexander Fischer.

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