CDU-Spitzenpolitiker bei der Mittelstandsvereinigung Bosbach: »Wir dürfen uns dem Terror nicht beugen«

Höxter (WB). Trotz der Terroranschläge von Paris setzt  sich Wolfgang Bosbach dafür ein, die Fußball-EM 2016 wie geplant in Frankreich auszurichten. Der CDU-Spitzenpolitiker sprach auf Einladung der  Mittelstandsvereinigung (MIT) vor 350 Zuhörern im  »Hotel Niedersachsen« in Höxter.

Von Michael Robrecht
CDU-Spitzenpolitiker Wolfgang Bosbach (links) und MIT-Kreisvorsitzender Klaus  Leßmann freuen sich auf Grünkohl, Kasseler und Bregenwurst, die »Hotel-Niedersachsen«-Mitarbeiterin Nellyfer De Koninck hier serviert. 350 Gäste hören Bosbach in Höxter zu.
CDU-Spitzenpolitiker Wolfgang Bosbach (links) und MIT-Kreisvorsitzender Klaus Leßmann freuen sich auf Grünkohl, Kasseler und Bregenwurst, die »Hotel-Niedersachsen«-Mitarbeiterin Nellyfer De Koninck hier serviert. 350 Gäste hören Bosbach in Höxter zu. Foto: Michael Robrecht

Man könne Frankreich jetzt nicht das Vertrauen entziehen. »In jedem anderen Land können sich die Ereignisse von Paris wiederholen. Nie darf der Eindruck entstehen, wir beugen uns dem Terror«, sagte der 63-jährige langjährige Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses am Montagabend.

MIT-Chef Klaus Leßmann und seine Mitstreiter freuten sich, dass Bosbach zum Besuchermagneten in Höxter wurde: Stolze 350 Gäste beim zehnten »Grünkohl mit Politik« – das hatte es noch nie gegeben. Und der prominente CDU-Bundestagsabgeordnete, der in den Politiker-Umfragelisten weit vor der Kanzlerin auf Platz drei steht, hielt, was sein Ruf verspricht.  Der humorige  Parteirebell   ließ an diesem Abend kein    Thema aus.

Der CDU-Innenexperte hat in Höxter davor gewarnt, die Anschläge von Paris mit der Flüchtlingsdebatte zu verknüpfen. Man zähle   viele Menschen, die kämen,  weil sie vor den Truppen des »Islamischen Staates« und dem gewaltbereiten Islamismus fliehen würden. Aber die Politik  wisse  auch um die Gefahr, dass sich Islamisten diesem Flüchtlingsstrom nach Deutschland anschließen können.

Ohne sie bei ihrem Namen zu nennen, kritisierte Wolfgang Bosbach den Flüchtlingskurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Staat müsse zu Grenzkontrollen zurückkehren, »die ihren Namen verdienen«, sagte er.  Selbst Schweden habe seine  Grenzen dichter gemacht. »Wenn das so weitergeht, werden wir leider nicht schaffen, was wir eigentlich schaffen müssen«, sagte Wolfgang Bosbach.  Diese Einschätzung  teilten  nicht wenige  der MIT-Unternehmer und der auffällig  vielen Politiker aus Kreis und OWL  bei  Gesprächen im Saal.

Wolfgang Bosbach, der trotz seiner Erkrankung an Prostata-Krebs  nach einem langen Sitzungstag bis 22 Uhr nach Höxter gekommen war, begeisterte die Zuhörer. Die Scharia habe in Deutschland keine Bedeutung, rief er den Leuten zu. Bei aller religiösen Vielfalt dürfe man Toleranz nicht an der falschen Stelle zeigen, lautete  eine Aussage. Bosbach sprach von 40 000 Islamisten  und Salafisten in Deutschland. Die Masse der Moslems seien jedoch friedliche Menschen, die Islamisten  der politische Arm des radikalen Islam. »CDU-Parteifreunde sagen heute, wir müssten uns verändern. – Nein. Ich halte es mit Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden, die sagt, dass sie in einem Deutschland leben möchte, so wie es heute ist«, betonte der Redner.

Er  sprach von  mehr als einer Million Flüchtlinge in 2015 und forderte eine gerechte Verteilung in der EU.  Der Abgeordnete   lobte die vielen  Ehrenamtlichen, die in Unterkünften helfen würden. Deutschland leiste Beispielloses bei  Flüchtlingen. Man habe aber keine grenzenlose Aufnahmekapazität: »Wir haben die Grenze der Herausforderung zur Überforderung erreicht.« Und: Alle, die hier seien, hätten Anspruch auf ein faires Verfahren.

Mit Blick auf die vielen Unternehmer im Saal berichtet Bosbach  auch, dass die Flüchtlinge den Fachkräftemangel so schnell nicht beheben  würden:  nur 15 bis 20 Prozent seien gut    qualifiziert.

Originalton Bosbach

Zur Merkel-Diskussionskultur: »Ich bin allergisch gegen das Wort alternativlos. In einer modernen Volkspartei muss man um Themen auch ringen dürfen. Ich mache gegen meine Überzeugung keine Politik.«

Zum Wandel in der Gesellschaft: »Ich habe   keine Angst vor einer Islamisierung. Ich habe  Angst vor  einer  Entchristianisierung in Deutschland.«

Zur politischen Korrektheit: »Ich möchte nicht, dass man aus einem Weihnachtsmarkt einen Wintermarkt macht, und aus einem  Martinszug darf kein mobiles Lichterfest werden.«

Zu den Demos in Dresden: »Die Leute fragen immer, was halten Sie von Pegida? Dann antworte ich: Das einzige, was ich davon halte, ist Abstand!«
Zum internationalen Terror: »Der Terror macht nicht um Deutschland einen Bogen. Wir haben jüngst zehn Anschläge vereitelt. Die Kofferbombe auf dem Kölner Hauptbahnhof ist  nicht explodiert.   Wir haben  Glück gehabt.«

Zur Einstellung zur Polizei: »Das sind keine Bullen. Wir sollten den Beamten einfach mal Danke sagen, dass es sie gibt und dass sie mit ihrem Leben dafür einstehen, dass wir frei leben können. Wir sollten unseren Sicherheitskräften vertrauen und keine Deppen aus ihnen machen.«

Zum Thema ein Rheinländer in Ostwestfalen: »Danke, dass Sie einen Rheinländer nach OWL eingeladen haben. Wie unterscheiden sich eigentlich Rheinländer und Westfalen? Der Westfale  hat morgens als ersten Gedanken »Was mache ich heute?« Der Rheinländer steht auf und fragt: »Was mache ich heute Abend?«

Zur Standfestigkeit von Politikern: »Heute ist man schon ein Held, wenn man bei seiner Meinung bleibt.«

Zur  Misslaunigkeit mancher Zeitgenossen: »Im Norden sagt man nett Moin Moin. Im Süden Grüß Gott. In NRW heißt die Begrüßungsformel  »Hier können Sie ihren Wagen aber nicht stehen lassen.«     

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.