Neue Initiative des HVV kämpft gegen Brummis in der Innenstadt: Menschen und Denkmäler gefährdet »Altstadt für Schwerlaster sperren«

Höxter (WB). Anwohnern, Radfahrern, Fußgängern, Schülern und Touristen in Höxter reicht es: Schwerlastverkehr verstopft zunehmend die engen Innenstadtstraßen und sorgt für Lärm und gefährliche Verkehrssituationen.

Von Michael Robrecht
Mit dem zunehmenden Schwerlastverkehr in Höxters Innenstadt mit Lastzügen oder Langholzlastern müsse Schluss sein, fordern (von links) Dieter Siebeck, Ansgar Risse und Roland Hesse vom HHV Höxter. Eine Unterschriftensammlung wird gestartet.
Mit dem zunehmenden Schwerlastverkehr in Höxters Innenstadt mit Lastzügen oder Langholzlastern müsse Schluss sein, fordern (von links) Dieter Siebeck, Ansgar Risse und Roland Hesse vom HHV Höxter. Eine Unterschriftensammlung wird gestartet. Foto: Michael Robrecht

Der Heimat- und Verkehrverein (HVV) nimmt die Lkw-Flut und die viele Bürger verärgernden Staus zum Anlass und hat am Freitag eine Offensive zur Sperrung der historischen Innenstadt für den Schwerlastverkehr gestartet.

»Wir müssen die Menschen und unsere einmalige Bausubstanz besser schützen«, sagen Ansgar Risse, Dieter Siebeck und Roland Hesse von der Initiativgruppe im HVV. Sie sehen klaren Handlungsbedarf bei Politik und Stadtverwaltung und kündigen für die nächsten Wochen eine große Unterschriftenaktion und einen Antrag an den Rat an.

Beinaheunfälle

Viele Jahre sei in Höxter der Lastwagenverkehr in der Innenstadt zwar beklagt aber nicht wirklich thematisiert worden. Allein mit Blick auf das am Mittwoch beginnenden neue Schuljahr und die Trauben von hunderten von Schülern, die sich täglich von den Schulen zum Bahnhof auf und neben engen Bürgersteigen entlang an Autos und Lastern schieben, gebe es wegen etlicher Beinaheunfälle Handlungsbedarf.

Permanent gefährdet seien auch die Radfahrer. Bei vielen Anwohnern klapperten in den Fachwerkhäusern die Teller in den Schränken, wenn 30-Tonner die alten Häuser passierten.

Ansgar Risse erläutert, dass man alle Lkw ab 7,5 Tonnen aus der Innenstadt verbannen müsse. Das gelte natürlich nicht für den Anlieferungsverkehr für die Geschäfte, Bundeswehr oder für Wohnmobile. Alle Entscheidungsträger werden gebeten, sich dem Ziel »Sperrung der Altstadt für Brummis« anzuschließen.

Dazu werden jetzt die Ratsparteien, der Kreis Höxter, Straßen NRW als Landesbetrieb, das Denkmalamt sowie alle Bürger der Stadt angesprochen und angeschrieben, sich an einer Veränderung der nicht mehr hinzunehmenden Situation zu beteiligen.
Risse, Siebeck und Hesse haben die Rückendeckung des mitgliederstarken HVV: »Die Innenstadt wird belastet.

Es kommt zu Gefährdungen der Bürger in engen Straßenabschnitten. Die Bausubstanz der historischen Gebäude und Baudenkmäler wird belastet. An vielen Häusern kann man die Dauerbelastung durch Verkehr erkennen.«

Touristen gefährdet

Am Gänsemarkt wurde beobachtet, wie Großfahrzeuge mit niedrig hängenden Spiegeln die Gehwege streiften und Fußgänger, besonders die Schüler am Morgen und Mittag, gefährdeten. Oft betroffen seien auch die Touristengruppen, die auf der Westerbachstraße oder Weserstraße bei Führungen unterwegs seien und den Verkehr erleben müssten.

Seit der Anerkennung Corveys als Weltkulturerbe würden viel mehr Gruppen durch die Stadt geführt als vor 2014. Große Gefahr drohe Radfahrern auf dem Radweg in der unteren Westerbachstraße, wenn wegen parkender Autos an den Imbissläden Lkw (Holztransporter, Tankwagen, Sattelzüge), Kleinlaster und Autos einfach dreist über den Radweg fahren würden.

Verkehrskonzept muss angepasst werden

Die HVV-Initiative wird sehr konkret: Eine Herausnahme des Schwerlastverkehrs sei dringend geboten. Höxters Verkehrskonzept müsse den neuen Herausforderungen dringend angepasst werden, heißt es in dem Schreiben.

Dem Konzept von 2002 für die Altstadt habe der Bau der Südbrücke für die L 755 zugrunde gelegen, was inzwischen kein realistisches Thema mehr sei. Deshalb müssten jetzt Lösungen auf den Tisch, die verkehrlich und wirtschaftlich kurzfristig umsetzbar seien.

Mögliche Lösungen

Die Initiatoren der Offensive gegen Schwerlastverkehr kritisieren nicht nur die zunehmende Belastung, sie machen auch konkrete Vorschläge, wie man das Problem lösen könnte.

Es gebe die Möglichkeit, den Schwerverkehr über die vierspurige Entlastungsstraße in Richtung Norden/Holzminden an der Altstadt Höxters vorbeizuführen und dies auszuschildern. Unter der Weinbergkapelle auf der B64 wäre dann die Fahrt über die K45 über die Lüchtringer Brücke bis Holzminden/Stiebel denkbar. Von der dortigen Anbindung im Eingangsbereich von Holzminden zur Sollingrandstraße oberhalb von Lüchtringen bis nach Boffzen könnte der Schwerlastverkehr geleitet werden.

Auch Fürstenberg, Neuhaus und Lauenförde-Beverungen seien so gut erreichbar. Besonders An- und Ablieferverkehr von Unternehmen in Boffzen oder Lauenförde falle in Höxter verstärkt ins Gewicht. Die HVV-Gruppe will auch Holzminden anschreiben und um Unterstützung für die Höxteraner Wünsche bitten.

Corvey-Schilder fehlen

Aufgefallen ist der Initiative auch, dass immer mehr Corvey-Besucher mit ihren Autos durch Höxters Innenstadtstraßen irrlichtern.

Besonders beim Gartenfest am Schloss am Wochenende 1./2. August mit mehr als 15.000 Besuchern, sei wieder aufgefallen, dass auswärtige Gäste durch die unzureichende Corvey-Ausschilderung in Höxters Altstadtgassen und Sackgassen – oft mit Wohnmobilen – steckengeblieben seien.

Es hätte in Sachen Corvey-Schilder in Höxter längst eine Reaktion erfolgen müssen, um Gästen so etwas nicht zuzumuten. 

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