Versicherer sprechen von schlimmsten Hagel-Schäden in Höxter seit Jahren – hunderte Fälle Unwetter-Folgen: Schlange stehen beim Gutachter

Höxter (WB). Die Versicherungsbüros bereiten in Höxter Sammelbesichtigungstermine für beschädigte Autos zur Aufarbeitung der Wochen-end-Unwetter vor. Wie berichtet, hatten Gewitter mit extrem großen Hagelkörnern in Höxter und Umgebung schwere Schäden an Gebäuden und Autos angerichtet.

Von Michael Robrecht
Seit Montag haben die Versicherungsbüros besonders in Höxter  reichlich zu tun mit den Gewitterfolgen: dicke  Beulen auf Autos, Glasbruch, Überflutungen in Kellern, Schäden an Hausfassaden sowie an Fenstern und Wintergärten müssen aufgenommen und bezahlt werden.
Seit Montag haben die Versicherungsbüros besonders in Höxter reichlich zu tun mit den Gewitterfolgen: dicke Beulen auf Autos, Glasbruch, Überflutungen in Kellern, Schäden an Hausfassaden sowie an Fenstern und Wintergärten müssen aufgenommen und bezahlt werden. Foto: WB

Kaputte Solaranlagen, demolierte Autos, entlaubte Bäume, zertrümmerte Gärten, Löcher in Jalousien, Fassaden  und Glasdächern:  Nirgendwo im Kreis habe es so große Schäden wie in der Kreisstadt gegeben, so eine erste Bilanz  heimischer Versicherer auf Nachfrage des WESTFALEN-BLATTES.

Wie am Fließband werden derzeit die Besitzer der durch Hagel beschädigten Autos, Glas- oder Plastikdächer und Fassaden bei HUK, Provinzial, LVM, Allianz & Co. betreut. Es handelt sich wohl um hunderte Fälle mit einer  sechsstelligen oder noch höheren Schadenssumme, so Schätzungen nach vier Tagen Schadensaufnahmen.

Das wird teuer
Hans-Ulrich Zayc (HUK Höxter) hat allein in seinem Büro in Höxter zum Wochenbeginn mehr als 50 Fälle mit durchaus hohem Sachschaden aufgenommen. Birgit Bitterberg (Provinzial) hat fast 250 Fällen mit ihren Mitarbeitern dokumentiert.  Die Hageleinschläge hätten oft tiefe Dellen an vielen Fahrzeugen verursacht. Dachfenster, Wintergärten, Carports, Rolladen, Hausfassaden, Gartenhäuser und Dächer seien durch tennisball- große Hagelkugeln  schwer beschädigt worden. Wände in Fachwerkhäusern weichten durch, Wasser stand in Kellern oder   kam durch Fenster, wie in Altstadthäusern. Diverse Geräte sind durch Wasser oder Blitzschlag kaputt.  »Das sind für die Kernstadt Höxter und einige umliegende Orte die schlimmsten Gewitterfolgen seit  Jahren oder Jahrzehnten«, stellten  Zayc und Bitterberg wie  weitere Kollegen fest. Ein kaputtes Dach oder Wassereinbrüche: Naturgewalten können in kurzer Zeit immense Schäden an Gebäuden und Einrichtungen verursachen, für die Hauseigentümer und Mieter –  ohne guten Versicherungsschutz – selbst aufkommen müssen.

Teile der Kreisstadt Höxter waren besonders beim Unwetter am späten Nachmittag am Samstag stark betroffen. Die Feuerwehr hatte gut zu tun.  Schwerpunkte der Hagelschäden sind die Straßenzüge südlich und westlich des Schulzentrums mit der Siedlung, dem Knüll, den Straßen unterhalb des Ziegenberges  sowie auch der Godelheimer See, Boffzen und Fürstenberg. Nachschlag gab es  Sonntag und  Montag bei den Gewittern.

Dicke Hagelbeulen
Versicherer, Gutachter und Kfz-Firmen organisieren die Sammelbesichtigungen nächste Woche in Hallen, um die enorme Menge an Schadensfällen überhaupt abarbeiten zu können. Die Kunden bekommen einen Termin, wo sie ihr Auto vorstellen müssen. Anton Brillo (VW Güse Höxter) hat auf einigen Wagen schon Hageldellen gesehen, »und die sind  nicht klein gewesen«. Oft müsse man aber auch Fachleute genau hinschauen lassen, um die Beulen alle zu entdecken. Vielen würden die Schäden oft erst Tage später auffallen.

Autofahrer mit  Teilkaskoversicherung müssen sich um die Regulierung ihrer Fahrzeug-Hagelschäden keine größeren Sorgen machen, wie  Hans-Ulrich Zayc und Birgit Bitterberg erläutern. Aber nicht nur Autos seien in großer Zahl beschädigt worden. Auch an Gebäuden habe es reichlich Schäden gegeben. Da viele Höxteraner im Urlaub  seien, erwartet Bitterberg  weitere Nachmeldungen von Schäden. 

Welche Versicherungspolice greift, hängt immer vom genauen Schaden ab, von der Sache die beschädigt ist, als auch von der Ursache. In der Regel sind es Wohngebäudeversicherung, Hausratversicherung, Kfz-Kasko-Versicherung (Teilkasko bei vom Himmel fallenden Eisbällen oder Blechschäden) oder auch die Haftpflicht, mit der man abrechnen kann.

Schaden fotografieren
Um Ansprüche zu sichern, rät der Bund der Versicherer, zunächst eine E-Mail mit einer Schadensbeschreibung an den jeweiligen Versicherer zu schicken oder ihn anzurufen. Die Versicherung muss die Möglichkeit haben, den Schaden zu begutachten. Der Geschädigte sollte den Schaden sofort dokumentieren. Dazu müssen Versicherte Fotos machen und eine genaue Aufstellung der beschädigten Gegenstände erstellen. Handelt es sich um einen größeren Schaden, wird der Versicherer zügig  einen Gutachter schicken, um sich diesen anzusehen. Ganz wichtig: Beschädigte Gegenstände nie ohne ausdrückliche Zustimmung des Versicherers entsorgen.

Die Hausratversicherung hält für Schäden am Wohnungsinventar her. Darunter fallen Elektrogeräte, die eben doch nicht gut genug abgesichert waren. Oder auch Möbel, die infolge von Sturm und/oder Regen beschädigt wurden. Hausrat muss jedoch während des Gewittersturms auch in einem Gebäude untergebracht gewesen sein, damit der Versicherer zahlt.

Fliegen Dachziegel vom Haus und werden Fensterscheiben oder Fassade geschädigt, muss die Wohngebäudeversicherung ran. Der Versicherungsverband GDV erklärt, dass alle Schäden, die direkt am Gebäude entstanden sind, über die Wohngebäudepolice zu regulieren sind. Doch Achtung: Wird der Keller überschwemmt, zahlt sie nur, wenn zusätzlich eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen wurde.

Der Bund der Versicherten empfiehlt Nichtversicherten außerdem, bei der nächsten Steuererklärung die Wiederbeschaffungskosten für Hausrat und Kleidung als außergewöhnliche Belastung geltend zu machen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.