Stadt will Rotstift bei der Bildungseinrichtung ansetzen – Leiter sucht nach Lösungen Musikschule ist in Gefahr

Höxter (WB). 750 Schüler, 26 Lehrer und eine sehr erfolgreiche Musikschule: Dieses Konstrukt ist in Gefahr, wenn die geplante Kürzung der städtischen Zuschüsse durchgesetzt wird. Das sagt Leiter Martin Leins. Er appelliert an die Politik, den anstehenden Beschluss gut zu überdenken.

Von Ingo Schmitz
Der 16-jährige Marvin Esau (Posaune) erhält regelmäßig Einzelunterricht. Schulleiter Martin Leins ist begeistert von dem jungen Talent.
Der 16-jährige Marvin Esau (Posaune) erhält regelmäßig Einzelunterricht. Schulleiter Martin Leins ist begeistert von dem jungen Talent. Foto: Harald Iding

Die finanzielle Not der Stadt Höxter ist groß. Das Finanzloch im Haushalt 2015 liegt bei knapp fünf Millionen Euro. Um im Jahr 2018 die roten Zahlen verlassen zu können, muss langfristig gespart werden. Vor diesem Hintergrund hat die Verwaltungsspitze ihr Streichkonzert bei den freiwilligen Leistungen angesetzt. Sei es die Erhöhung der Hallennutzungsgebühren für die Sportvereine oder die drastische Kürzung der städtischen Zuschüsse für die Musikschule: Alles soll auf den Prüfstand.
Wie berichtet, wird sich der Haupt- und Finanzausschuss in seiner Sitzung am Dienstag, 10. Februar, mit dem Thema Musikschule befassen.

Vertrag läuft bis 2016

Noch bis Ende 2016 läuft der aktuelle Vertrag, in dem sich die Stadt Höxter verpflichtet, den Betrieb der Musikschule mit jährlich mindestens 110 000 Euro zu unterstützen. Die Verwaltung schlägt vor, diesen Zuschuss für das Jahr 2017 auf 70.000 Euro zu reduzieren. Ein Jahr später soll die Sparschraube weiter angezogen werden: noch einmal 40.000 Euro sollen gestrichen werden. Für die Musikschule blieben nur noch 30.000 Euro übrig.

Von den Plänen überrascht

Die Musikschule ist von den Plänen der Verwaltung ebenso überrascht worden, wie die Sportvereine. Gespräche hat es im Vorfeld weder mit der Leitung noch mit dem Verein gegeben. Leiter Martin Leins stellt klar: »Wir sind offen für Gespräche und jeden Konsens. Wir fürchten, dass mit diesen Kürzungen die Musikschule totgespart wird.« Um zu verstehen, wie die Musikschule aufgebaut ist, blickt Martin Leins in die Geschichte. »Sie ist vor 50 Jahren gegründet worden mit dem Ziel, die musikinteressierte Jugend in der Stadt Höxter zu fördern«, berichtet er. Daran habe sich bis heute nichts geändert – wenn auch die städtischen Zuschüsse in den vergangenen 20 Jahren drastisch gekürzt worden seien.

Massive Einschnitte

Bis 1995 betrug der jährliche Zuschuss 350.000 Mark, also 178 000 Euro. 2002 ging er auf 157.000 Euro zurück. 2005 waren es nur noch 135.000 Euro. Und seit 2006 sind es 110.000 Euro. (Ausnahmen sind die Jahre 2011 bis 2013: 120.000 Euro). Diese massiven Einschnitte seien lediglich durch Umstrukturierungen möglich gewesen, sagt Leins. Darüber hinaus habe sich das Kollegium durch Verzicht eingebracht. »Seit 2001 gibt es eine Betriebsvereinbarung, die besagt, dass die Lehrer auf Lohnerhöhungen, Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Das waren gravierende Einschnitte«, betont der Leiter. Überstunden seien ebenfalls unentgeldlich.
Die Musikschule habe sich in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich weiter entwickelt. Dies zeigen die Zahlen: Trotz Ganztagsunterricht an den Schulen und abnehmenden Kinderzahlen im Allgemeinen seien die Zahlen der Musikschüler drastisch gestiegen: von ehemals 500 auf heute 750.

Qualifiziertes Personal

»Wir haben gut qualifizierte Lehrer. Wir sind Kooperationspartner von Schulen und wir bieten Unterricht mit Behinderten an«, führt Leins die große Bandbreite vor Augen. Die Zuschüsse der Stadt fließen demnach ausschließlich in den Unterricht für Kinder und Jugendliche. Die Elternbeiträge seien nach Einkommen gestaffelt. Luft nach oben sei nicht vorhanden. »Die Gürtelschnalle sitzt jetzt schon sehr eng«, betont Leins.

Kostendeckende Kalkulation

Der Musikunterricht für Erwachsene hingegen sei kostendeckend kalkuliert.

Leins fragt sich angesichts der Pläne der Stadt, wie es nun weiter gehen soll. »Ich bin mir sicher, dass ich mit dem versprochenen Zuschuss von 110.000 Euro in den Jahren 2015 und 2016 die Musikschule erfolgreich weiter führen kann. Für mich ist allerdings nicht vorstellbar, wie es mit den vorgeschlagenen Kürzungen weitergehen soll. Ein Überleben ist dann nicht möglich.«

Leins bietet an, mit den Entscheidungsträgern zu sprechen und nach Lösungen zu suchen: »Der Vorstand und ich als Leiter sind für Vorschläge offen.«

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