Asylbewerber-Unterkunft: Informationsveranstaltung mit Entgleisungen Hitzige Debatte um Standort

Höxter (WB). Der geplante Standort des Asylbewerber-Wohnheims in Höxters Petrifeld-Siedlung erhitzt die Gemüter. Bei der Informationsveranstaltung im Historischen Rathaus kochten Dienstagabend die Emotionen hoch. Statt einer sachlichen Debatte gab es Buh-Rufe und verbale Fehltritte.

Von Ingo Schmitz
Alt-Bürgermeister Hermann Hecker (vorn, zweiter von rechts) hat in einem persönlichen Statement die Unterbringung der Asylbewerber in dem ehemaligen Studentenwohnheim scharf kritisiert. Er betonte, dass es ihm aber nur um den Standort gehe.
Alt-Bürgermeister Hermann Hecker (vorn, zweiter von rechts) hat in einem persönlichen Statement die Unterbringung der Asylbewerber in dem ehemaligen Studentenwohnheim scharf kritisiert. Er betonte, dass es ihm aber nur um den Standort gehe. Foto: Harald Iding

200 Zuhörer drängten sich in den Ratssaal, in dem erst vor wenigen Tagen der Rat in nicht öffentlicher Sitzung den Kauf des ehemaligen Studentenwohnheims beschlossen hatte. Bekanntlich sollten dort Asylbewerber untergebracht werden. Trotz aller Versuche, die Bürger im Vorfeld zu beruhigen, erreichte Bürgermeister Alexander Fischer sein Ziel nicht. Zu groß sind die Vorbehalte. Stattdessen entgleiste die Informationsveranstaltung im Rahmen der Fragerunde.

Altbürgermeister Hermann Hecker kritisierte das Vorgehen der Verwaltung in dieser Angelegenheit aufs Schärfste. Der jetzige Bürgermeister habe sich mit dem Rat zurück gezogen, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit den Beschluss zu fassen, die Immobilie zu kaufen. Der Standort sei ungeeignet, stellte Hecker fest. Auch aus baurechtlicher Sicht sei das Vorhaben nicht möglich, meint er.

Als direkt betroffener Anlieger des Wohnheims trug er die Ängste und Sorgen vor, die manche Höxteraner momentan beschäftigen: »Hier sollen 90 junge Männer komprimiert untergebracht werden, die keiner Arbeit nachgehen dürfen, die keine sinnvolle Beschäftigung und keinen strukturierten Tagesablauf haben.« Auch machte er auf mögliche Wertverluste bei den Immobilien aufmerksam.

Buh-Rufe und Beifall

Für seinen Redebeitrag erntete Hecker Buh-Rufe wie Beifall – der amtierende Bürgermeister entzog dem Vorgänger schließlich das Wort. Volker Betram (Die Grünen) relativierte die Ängste vor Wertverlusten bei den Häusern. Michael Urbaniak, ebenfalls Anlieger, schlug eine dezentrale Unterbringung vor. Die Stadt solle ihre leerstehenden Schulen in Lütmarsen (Förderschule), Stahle und Ovenhausen überprüfen.

Gunda Meyer appellierte an die Höxteraner, die neuen Nachbarn nicht als »Gefahr, verdächtig oder gefährlich« anzusehen. Wer dies beherzige, werde auch keine Ängste haben: »So werden wir hier eine psychologische und kulturelle Wertsteigerung erfahren.« Bürgermeister Alexander Fischer erklärte, dass er Verständnis für die Sorgen und Nöte der Höxteraner habe. Dass die Asylbewerber aufgenommen werden müssten, sei eine Pflichtaufgabe. »Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Menschen aus Kriegsgebieten kommen und traumatisiert sind«, bat Fischer um Verständnis. Er dankte in dem Zusammenhang für das ehrenamtliche Engagement der Bürger, die sich für die Asylbewerber einsetzten. Und die erste Beigeordnete Maria Fischer versprach alles dafür zu tun, dass die Sorgen der Anlieger nicht Realität werden. Sie widersprach, dass in der Louis-Flotho-Straße nur Männer untergebracht werden sollen. Es seien auch Familienzimmer und einzelne Frauen vorgesehen.

Georg Beverungen von der Bauverwaltung der Stadt Höxter erläuterte die Hintergründe zur Immobilie. Die Bausubstanz schätze er als verhältnismäßig gut ein. Investiert werden müsse vor allem in den Brandschutz. Die Sanierung werde ein halbes Jahr in Anspruch nehmen und 550 000 Euro kosten, sagte Beverungen.

Kommentare

NATO Brakel

Ich erinnere nur an die Zeit der "NATO" in Brakel. Hierbei handelte es sich um einen absoluten Brennpunkte, wo nicht einmal die Polizei gegen Einbruch der Dunkelheit durchfuhr.

Wir werden sehen

Die direkten Anwohner sind die Versuchskaninchen, soviel ist klar. Diejenigen die von Toleranz und Pflicht reden wohnen irgendwo und sind gar nicht betroffen. Das ist ja generell die Situation im Land, die Politiker wohnen in ihren Villen und die kleinen Leute ertragen in den betroffenen Stadtvierteln die Probleme der Zuwanderung. Die möglichen Komplikationen die so eine Einrichtung produzieren kann möchte ich gar nicht auflisten.

Das ist das dümmste, was Herr Fischer je fabriziert hat

da kann man gar nicht laut genug BUH rufen!!!!!! Wie naiv sind unsere Politiker eigentlich???? Muss erst was passieren? 90 junge Männer? Asylbewerber ohne Perspektive? Das wird nicht gut gehen!! Das ist unsere Stadt und wir haben mit zu entscheiden!!!! Fragen Sie uns vorher, ob wir diese Menschen als unmittelbaren Nachbarn haben möchten!!!!

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