Unverständnis über fehlende Marketing-Gelder im ersten Welterbe-Jahr Gastronomen machen Corvey Gästen schmackhaft

Höxter/Corvey (WB). Hoteliers und Gastronomen versprechen sich in 2015 viel Schwung durch die Anerkennungs Corveys als Weltkulturerbe. Die Besucherzahlen sind im ersten Jahr der Welterbeanerkennung in Corvey um rund 30 Prozent angestiegen. Das Gastgewerbe in Höxter und Marienmünster bietet ab sofort spezielle Arrangements und Speisen zum Welterbe Corvey an.

Von Michael Robrecht
Ziehen an einem Strang: Bärbel Menne-Potthast, Christian Potthast, Wilhelm und Karin Driehorst, Gesine Kramer, Rainer und Ute Sievers, Marc Strathmann, Frank und Marlene Sievers, Heiko Böddeker, Antje und Werner Lange sowie Dr. Claudia Konrad.
Ziehen an einem Strang: Bärbel Menne-Potthast, Christian Potthast, Wilhelm und Karin Driehorst, Gesine Kramer, Rainer und Ute Sievers, Marc Strathmann, Frank und Marlene Sievers, Heiko Böddeker, Antje und Werner Lange sowie Dr. Claudia Konrad. Foto: Michael Robrecht

Die offizielle Zertifizierung der Häuser durch den Kulturkreis wurde gestern im Hotel-Restaurant »Kiekenstein« in Stahle vorgenommen. Eine Urkunde nahmen entgegen: Ringhotel Niedersachsen (Frank und Marlene Sievers), Flair Hotel Stadt Höxter (Rainer und Ute Sievers), Hotel Kiekenstein in Stahle (Marc Strathmann), Tonenburg in Albaxen (Gesine Kramer), Gasthaus Driehorst in Godelheim (Wilhelm und Karin Driehorst), Wirtshaus am Brunnen in Marienmünster-Vörden (Antje und Werner Lange), Wirtshaus Strullenkrug Höxter und Schlossgastronomie Corvey (beides Bärbel Menne-Potthast und Christian Potthast).

Kommentar

Dass das »Corveyer Streichkonzert« für Misstöne sorgt, ist nachvollziehbar. Das hat es bisher auch noch nirgendwo in Deutschland gegeben: Da wird ein Objekt Weltkulturerbe und die Geldquellen für Marketing-Maßnahmen versiegen just im ersten Jahr nach der Anerkennung, weil es noch keine Strukturen gibt, wie das Welterbe (Eigentümer Kirche und Herzog) bespielt wird. Dabei müsste der Corvey-Tourismus eigentlich jetzt so richtig in Schwung gebracht werden. Wie man es richtig macht, das ist in Kassel-Wilhelmshöhe oder bei der Zeche Zollverein zu besichtigen, wo in PR- und Medienaktionen im Welterbe-Anerkennungsjahr von der öffentlichen Hand sofort massiv investiert worden ist. Wie schnell Null-Werbung Besucherzahlen zum schmelzen bringt, ist beim Corveyer Weihnachtsmarkt 2014 zu sehen: minus 2000 Besucher! Und wer die Worte »Corvey« und »Welterbe« bei Google eingibt, erfährt, wie die Corvey-Berichterstattung quantitativ zusammengebrochen ist. Das alles ist Sparen am falschen Ende. Trotz leerer Kassen muss hier - auch für den Übergang bis zu einer endgültigen Struktur - dieses Jahr ein Werbe-Schwerpunkt gesetzt werden – wenn man die Welterbeanerkennung wirklich ernst nimmt. Michael Robrecht

»Die liebsten Speisen des Fürstabten Caspar von Böselager«, der »Corvey-Burger« oder »Welterbe & Westfälischer Genuss«, so und ähnlich heißen die neuen Angebote auf den Speisekarten sowie in den Arrangementkatalogen 2015 in Höxter. Kulturkreis-Geschäftsführerin Dr. Claudia Konrad freut sich, dass acht Betriebe aus dem Gastgewerbe sich in Zusammenarbeit mit dem Kulturkreis als »Gastgeber mit Kultur« für die anstehende Tourismussaison aufgestellt haben. Ein neuer Flyer stellt die frisch zertifizierte Gastronomie übersichtlich vor.

»Ich bin begeistert, mit welchen Einfällen und mit welcher Energie die Hotels und Restaurants sich des Themas angenommen haben«, freut sich Dr. Claudia Konrad. Die Idee zu den Welterbe-Gastgebern sei aus einem Dehoga-Treffen der örtlichen Gastronomie und des Kulturkreises entstanden. Die Gasthäuser und Hotels in Höxter sowie Marienmünster hätten sich sofort an der ersten Zertifizierungsrunde beteiligt, weitere Runden mit anderen Häusern sollen folgen – beispielsweise mit Holzminden.

Keine Gelder für Marketing

Für Frank Sievers (Hotel Niedersachsen) und die anderen Gastronomen ist eine sichtbare Beschilderung von Corvey unverzichtbar. Da müsse in und um Höxter noch einiges geschehen. Christian Potthast (Schlossgastronomie/Strullenkrug) wünscht sich mehr Wegweiser zu Hotels und Gastronomiebetrieben, wie das an anderen touristischen Zielen auch üblich sei. Auf Corvey müsse sogar an den Bundesstraßen oder an der A44 hingewiesen werden. Für Rainer und Ute Sievers (Hotel Stadt Höxter) werden Höxter und Corvey erst richtig interessant, wenn in einem Paket weitere Ziele wie »tom Roden« und die Altstadt auf Schildern mit beworben werden.

Kulturkreis-Geschäftsführerin Dr. Claudia Konrad schaute in viele staunende Gesichter, als sie von den fehlenden Geldern für ein wirkungsvolles Marketing in 2015 hinwies. Deshalb sei auch der Weihnachtsmarkt in Corvey abgesagt worden, was viele Hoteliers nicht verstehen konnten – dieser habe zusätzliche Übernachtungs-Gäste angelockt. Besonders die Zahl der Busreisenden solle stark zunehmen. Statt 1500 Schlossführungen in 2014 seien 2015 gut 2500 vorgesehen, so Dr. Konrad.
Bärbel Menne-Potthast (Dehoga-Vorsitzende) wies darauf hin, dass alle Gastronomiebetriebe seit der Anerkennung im Juni sofort ein Plus an Gästen beobachtet hätten.

Dr. Konrad sagte auf WB-Anfrage, dass sie nach den aktuellen Finanzplanungen 2015 weniger Geld für ihre Aufgaben bekomme. »Dabei brauchen wir mehr Mittel, besonders in einem ersten Jahr als Welterbe. Bundesweites Marketing kostet Geld!« Sie wolle auf der Gesellschafterversammlung auf die dringende Notwendigkeit für Werbemaßnahmen hinweisen.

Zum 30. April laufen zudem die Efre-Mittel aus, mit denen beispielsweise Marketing-Mann Heiko Böddeker bezahlt worden ist und der ab 1. April zur GfW wechselt. Personell wird der Kulturkreis ausgedünnt: Es bleiben noch Geschäftsführerin Dr. Konrad, eine Schreibkraft und eine Sekretärin (zwei halbe Stellen) sowie die Museumspädagogin (Viertelstelle), ferner fünf Aufsichten und acht Schlossführer auf Honorarbasis. Konrad: Man habe viele Ideen, aber ohne Mitarbeiter und Geld laufe leider zu wenig. Darum bitte sie um Unterstützung.

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