Verwaltung: Grundschule Lüchtringen soll im Sommer 2018 schließen Aus für Realschule Höxter?

Höxter (WB). Die Stadt Höxter schlägt vor, die Grundschule Lüchtringen spätestens im Sommer 2018 zu schließen. Ebenso soll die Realschule Höxter von Sommer 2016 an auslaufen. Mit diesen Vorschlägen der Verwaltung muss sich der Ausschuss für Bildung, Familie und Sport am Mittwoch, 4. Februar, befassen.

Von Ingo Schmitz
Die Realschule Höxter könnte bald Geschichte sein.
Die Realschule Höxter könnte bald Geschichte sein. Foto: Harald Iding

Die Stadt will auf die rückläufigen Schülerzahlen reagieren und nach eigenen Worten »frühzeitig den Eltern die Möglichkeit geben, sich über die einzelnen Schulen zu informieren«. Es geht aber auch um Kosten: 235 000 Euro würde die Schließung in Lüchtringen sparen. Durch die Schließung der Realschule seien nur geringere Verwaltungskosten absehbar, teilt die Stadt mit.

Grundschule

Die Entscheidung im Jahr 2012/13, ob die Grundschule Stahle oder Lüchtringen fortgeführt werden soll, fiel damals knapp aus. Stahle hatte das Nachsehen. Nun muss über Lüchtringen neu nachgedacht werden. Basis sind diese Zahlen: Im Sommer 2015 werden dort 20 Kinder eingeschult. 2016 rechnet man mit 21 i-Dötzchen sowie im Sommer 2017 sogar mit 30 Erstklässlern. 2018 sind es dann nur noch 16 sowie 2019 wieder 19 ABC-Schützen. In all diesen Jahren wird die erforderliche Mindestzahl von 15 Schülern erreicht, um eine Klasse bilden zu können. Das Hauptproblem ist aber die Gesamtschülerzahl. Nach jetzigen Prognosen wird die vom Land vorgegebene Mindestgrenze von 92 unterschritten. Das trifft erstmals für das Schuljahr 2016/17 zu. Dann wird es laut Prognosen nur 91 Kinder an der Lüchtringer Schule geben. Dies ist zu wenig, um den Standort Lüchtringen als eigenständige Schule fortführen zu können, sagt die Erste Beigeordnete Maria Schmidt. Für das Schuljahr 2018/19 werden 89, für 2019/20 nur noch 86 und ein Jahr später insgesamt 83 Schulkinder prognostiziert. Um als Hauptstandort geführt werden zu können, sind aber mindestens 92 Jungen und Mädchen erforderlich.

Die genannten Zahlen hätten zur Folge, dass Lüchtringen Teilstandort einer anderen Schule würde und keine eigene Schulleitung mehr hätte. Auch die Lehrerversorgung werde dann über den Hauptstandort erfolgen, sagt Maria Schmidt. Da Haupt- und Teilstandort dann in der Gesamtheit betrachtet werden müssten, hätte dies eklatante Auswirkungen auf die Verteilung der Kinder auf die beiden Standorte. Eingangsklassen müssten dann wechselweise mit Kindern von einem Standort zum anderen aufgefüllt werden.

Maria Schmidt erläutert: »Dies hätte zur Folge, dass einzelne Kinder aufgrund der Obergrenze der zu bildenden Klassen und der maximalen Klassengröße zum anderen Standort befördert werden müssten. Im Schuljahr 2017/18 müsste mindestens ein Kind von Lüchtringen nach Höxter befördert werden. Im Schuljahr 2018/19 müssten dann Schüler aus Höxter, Brenkhausen, Lütmarsen, Ovenhausen oder Bosseborn nach Lüchtringen gebracht werden.« Wegen dieses Nachteils, so Schmidt, schlage die Verwaltung die Auflösung der Schule vor.

Realschule

Diesmal will die Verwaltung Nägel mit Köpfen machen und einen rechtssicheren Beschluss herbeiführen, der das endgültige Aus der Realschule zum Ziel hat. Hatte die Verwaltung im September 2013 noch vorgeschlagen, das Auslaufen der Realschule ab Sommer 2014 von einem Restbedürfnis abhängig zu machen, so wird dieses Restbedürfnis im Beschlussvorschlag für den Rat nun gestrichen. Sollte dieser Vorschlag eine Mehrheit finden, könnten an der Realschule zuletzt im Sommer 2015 neue Fünftklässler eingeschult werden – vorausgesetzt, es kämen mindestens 36 Kinder zusammen. Für 2016 würde es kein Anmeldeverfahren mehr geben.
Die Verwaltung steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dass es künftig nicht genügend Schüler geben wird, um neben Sekundarschule und Gymnasium die Realschule dauerhaft sichern zu können. In der Vorlage heißt es: »Es ist absehbar, dass sich nicht nur aufgrund der demographischen Entwicklung sondern auch in Bezug auf das Wahlverhalten der Eltern erhebliche Veränderungen bei der Wahl der einzelnen Schulformen abzeichnen, die Auswirkungen auf den Bestand der Schulformen haben.« Die Sekundarschule mit ihrem pädagogischen Konzept orientiere sich an einem Großteil der Elternwünsche. »Insbesondere betrifft dies den Wunsch nach einem längeren gemeinsamen Lernen, der Möglichkeit der Beschulung nach gymnasialen Standards und dem Weg zum Abitur in neun Jahren durch die Kooperationen mit dem König-Wilhelm-Gymnasium und den Berufskollegs in Höxter und Brakel«, erläutert Schmidt.

Abschließend heißt es in der Begründung: »Durch die Schließung der Hoffmann-von Fallersleben Realschule wird der Schulstandort Höxter letztlich gestärkt.«

Sitzungstermine

Die Sitzung des Schul-Ausschusses beginnt am Mittwoch, 4. Februar, um 18 Uhr in der Mensa des Schulzentrums (gegenüber Bielenberghalle). Der Rat muss am 18. Februar den endgültigen Beschluss fassen.

Kommentare

Warum immer diese Skepsis gegenüber Neuen?

Seit fast 8 Jahren lebe ich mit meiner Familie nun schon in Höxter und wir leben gerne hier. Immer jedoch wenn es gilt in Höxter etwas Neues zu schaffen oder einzuführen gibt es massenweise Skeptiker, Kritiker und "Oberbedenkenträger". Das aktuelle Beispiel mit der geplanten Veränderung der Schullandschaft in Höxter ist wieder ein Beispiel dafür, da melden sich Ehemalige lautstark zu Wort mit argumentieren mit der Historie, mit 60 Jahren Erfahrung und Erfolgen der Realschule. Ich denke es geht nicht darum diese Erfahrungen zu verlieren, vielmehr muss es doch möglich sein diese Erfahrungen auch in eine andere Schule einzubringen. Das setzt natürlich die Bereitschaft voraus dieses auch zu wollen,in persönlichen Gesprächen habe ich oft gemerkt das beim Erhalt der Realschule Befindlichkeiten einzelner Personen eine sehr große Rolle spielen.
In anderen Gesprächen wiederum, zum Beispiel mit Eltern von Grundschülern, stelle ich immer wieder fest das sich negative Gerüchte, aus teilweise zweifelhaften Quellen, über die Sekundarschule halten.
Diese Neue Schule in Höxter existiert nun schon ein Schulhalbjahr lang und nahezu ausnahmslos alle Eltern der Schüler an der Sekundarschule sind sehr zufrieden mit der Arbeit an dieser Schule.
Aussagen wie "... das ist doch nur eine bessere Hauptschule" oder "....da gibt es doch keine Noten oder Bewertungen" sind schlichtweg falsch, in Gesprächen mit Schülern und Eltern habe ich nur Begeisterung für diese Schule erfahren.
Ich bin mir sicher, den Willen vorausgesetzt, das es möglich ist auch bei einem Auslaufen der Realschule die Erfahrungen in die Sekundarschule einfließen zu lassen und sie im modernen pädagogischen Konzept der Sekundarschule unterzubringen, geht es doch schließlich um die Bildung unserer Kinder.
Eltern die zukünftig vor der Entscheidung der Schulwahl stehen sollten sich doch vor Ort informieren und nicht, wie in Höxter gern gemacht, auf Gerüchte und ein "...ich habe da gehört" verlassen.
Auch Zahlen werden in der aktuellen Diskussion wieder reichlich strapaziert und der "Elternwille" wird regelmäßig ins Boot geworfen, tatsächlich waren es 2014 doch nicht einmal 20% der Schüler welche die Grundschulen in Höxter verließen und sich für die Realschule entschieden.

Schlag ins Gesicht der Demokratie: Elternwille geohrfeigt!

Hat man es kommen sehen? Einerseits: Ja, der politische Landeswille schafft durch Neugründung und großzügige Förderung der einen Schulform und krasse Reduzierung der Versorgung der anderen Schulformen ein neues Bild von Schule. Andererseits: Nein, denn bei allen sich ändernden Umständen verlässt sich der Bürger eines demokratischen Landes darauf, dass er verwaltet wird von einer Institution, die den Willen eben des Bürgers, für den die Verwaltung geschaffen ist, achtet und respektiert. Ist das etwa zu viel verlangt? Offensichtlich ja, wenn es nach der Stadt Höxter geht.
Die Unruhe in der Schulwelt der Stadt Höxter ist nicht die Regel für das Land. Das im letzten Jahr von den Eltern der Realschule Höxter durchgezogene und gewonnene Verwaltungsgerichtsverfahren genießt in NRW exemplarischen Charakter. Fazit der verwaltungsgerichtlichen Beurteilung des Vorgehens der Stadt Höxter war, dass die Stadt mit der Methode ihres Vorgehens in Sachen Auflösung der Realschule den Elternwillen, auf Deutsch gesagt, mit Füßen getreten hat. Das Vorgehen war selbstherrlich und bürgerfern – das wurde in der öffentlichen Auseinandersetzung wie auch vor dem Verwaltungsgericht mehr als deutlich.
Nun macht die Stadt Höxter Gebrauch von der ihr vom Verwaltungsgericht angedeuteten Möglichkeit des Auflösungsbeschlusses für die Realschule. Ja, damit war zu rechnen, denn eine Schule der Sekundarstufe 1 ist nun mal erheblich billiger als drei. Also weg mit Hauptschule und Realschule, damit die Sekundarschule auf sicheren Füßen steht. Doch wo bleibt der Elternwille, der im letzten Jahr so überaus deutlich zu Tage trat?
Wieder wird mit der Angst gespielt, die bekanntlich rationale Entscheidungen schwierig macht. Es ist Februar, die Anmeldungen stehen vor der Tür, die Eltern haben zu einem großen Teil bereits Gespräche mit den weiterführenden Schulen geführt. Da kommt die Ankündigung der Auflösung der Realschule bestimmt nicht zufällig als Vorlage in den zuständigen Ausschuss, ohne dass die betroffenen Eltern, vertreten durch die genau dafür gegründete Stadtschulpflegschaft, davon in Kenntnis gesetzt wurden, geschweige denn, dass ein Gespräch stattgefunden hätte.
Als ehemaliger Leiter der Realschule kann ich leider nur mein Entsetzen über die obrigkeitlich bürgerferne Vorgehensweise der Stadt Höxter in dieser Angelegenheit zum Ausdruck bringen. Ich wünsche den betroffenen Eltern weiterhin die Kraft und die Nerven, um die Berücksichtigung der ihnen zustehenden Rechte vehement zu kämpfen. Dass dieser Kampf nun nach einseitig gebrochenem Schulfrieden, der nicht einmal ein Jahr gehalten hat, wieder notwendig wird, ist schlechthin erschütternd! Dass Unsicherheit, Angst und Orientierungslosigkeit an der Realschule selbst, also bei Schülern und Lehrkräften, mittlerweile zum festen Alltag gehören, scheint nicht zu interessieren. Dass hier eine Generation von Schülern gebildet und erzogen wird, die wie in den letzten 60 Jahren überaus erfolgreich geschehen, ihren Platz in der Arbeitswelt dieser Stadt finden soll, muss zu der Frage führen, ob sie das dann noch will. Denn in erreichbarer Nähe liegen doch genügend Städte, die nicht nur Schulen und Schwimmbäder, sondern darüber hinaus auch noch attraktive Arbeitsplätze bieten. So vermeidet man nicht Abwanderung, so etabliert man sie!
Gerhard Mnich, Realschulrektor i.R.

Wie zu erwarten ...

Wieder einmal droht die Stadt Höxter mit der Schließung der Realschule. Wenn es nicht so traurig wäre müßte man schmunzeln. Der Zeitpunkt ist taktisch klug gewählt.
Die Anmeldefrist für die weiterführenden Schulen steht bevor, die Frist zur Anmeldung auf die Realschule nach Brakel ist vorbei. Ist doch ideal, die Eltern erneut zu verunsichern, so daß alle Schüler an der Sekundarschule angemeldet werden und die Realschule nicht genug Zulauf erhält.
Da stellt sich doch die Frage: Wieso hat die Stadt solche Angst, daß die Realschule weiter existiert?
Was wäre denn wenn die Realschule doch mehr Zulauf hätte?
Was würde das für die teuer ins Leben gerufene Sekundarschule bedeuten?
Geht es hier wirklich um das Wohl der Kinder oder doch eher um perönliche Eitelkeiten und um den finanziellen Aspekt, der entsteht, wenn das Modell Sekundarschule nicht so funktioniert, wie es von der Stadt vorgesehen ist.
Als Abschluß sei noch darauf hinzuweisen, das der soganannte Elternwille, der über allem stehen soll, sowohl letztes Jahr als auch jetzt von den Verantwortlichen in keinster Weise berücksichtigt wurde!

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