Schlingnatter-Umsiedlung an B64: Nabu-Kreischef begrüßt BI-Pläne »Bald ein Fall für Bund der Steuerzahler«

Höxter/Godelheim (WB). Der Naturschutzbund im Kreis Höxter (Nabu) sieht in der geplanten Umsiedlung von 150 Schlingnattern in noch zu bauende »Wohlfühloasen« entlang der neuen B64 einen »zukünftigen Fall für den Bund der Steuerzahler«.

Von Michael Robrecht
Sitzt auf Stein des Anstoßes: eine Schlingnatter.
Sitzt auf Stein des Anstoßes: eine Schlingnatter. Foto: Frank Grawe

Wie am 5. Januar berichtet, schlägt die Bürgerinitiative »Pro B64« vor, darauf zu verzichten, entlang der Bahnstrecke zwischen Ottbergen und Godelheim teure Refugien für Schlingnattern zu errichten. Vielmehr sollten die Tiere an der stillgelegten Bahnstrecke Wehrden-Boffzen – unweit von Godelheim – angesiedelt werden. Diese vom BI-Vorsitzenden Günter Babik ins Spiel gebrachte kostengünstigere Variante müsse zügig geprüft werden, erklärte der Nabu-Vorsitzende Theo Elberich. Die Idee sei vernünftig und koste keine Millionen.

 Der Nabu-Chef ist sich sicher, dass die Schlingnattern, die man zwei Jahre lang nach dem Winterschlaf einsammeln könne, sich am von der BI benannten Bahndamm mit seinen Stein- und Schotterflächen schnell wohlfühlen würden, wie jene Tiere, die man dort schon vermutet. Der Lebensraum an der stillgelegten Bahntrasse sei doch fast identisch mit den jetzigen Siedlungsräumen entlang der Bahnstrecke Godelheim-Ottbergen.

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Umsiedlungsaktion sehr schnell erfolgen könne und man nicht lange Bauphasen und fünfjährige Nachweiszeiten für eine erfolgreiche Ansiedlung benötige. Zudem könne man am alten Bahndamm doch Zäune aufstellen, damit die Tiere dort überlebten und nicht von den vorhandenen Nattern aufgefressen würden. Zäune seien längst nicht so teuer wie die Baukosten für ein kilometerlanges neues Steinhaufen-Siedlungsband – mit Terrassen am Brunsberg.

Für Theo Elberich (sein Nabu hat im Kreis Höxter 1800 Mitglieder) ist es ein »Hammer«, dass die Schlingnatter-Problematik (»umständlich und irrsinnig teuer«) den B64-Ausbau auf die lange Bank schiebe, obwohl es offensichtlich Alternativen gebe, die leider noch gar nicht untersucht worden seien. »Es geht anders, wenn man es nur will«, so seine Bewertung. Schlingnattern einsammeln und an die Bahntrasse Wehrden-Fürstenberg umsiedeln, das sei auch Naturschutz. Deshalb bewertet er den BI-Vorschlag als vernünftig.

»Schon beim Kammmolch ist mit 600 000 Euro viel zu viel Geld verbraten worden. Ein weiterer Millionenaufwand für die Schlingnatter ist nicht zu rechtfertigen«, schimpft der Nabu-Kreischef. Der gesunde Menschenverstand müsse eingeschaltet werden und die Alternative von Straßen NRW und dem Fachbüro ernsthaft und zügig geprüft und in die Planungen einbezogen werden. Das würden auch viele Bürger so sehen.

Theo Elberich ist der Meinung, dass man als Naturschützer nicht grundsätzlich immer alles verhindern dürfe. Auch die heimische Politik müsse sich zu dem Thema noch äußern. Ihn beschleiche zudem das ungute Gefühl, dass die Schlingnatter eine »politische Schlange« sei. Sie passe gewissen Leuten, die die B64 nicht wollten, sehr gut ins Konzept. Ihn habe schon immer gewundert, warum die für die weitere B64-Planung so missliche Natter-Thematik erst so spät ins Spiel gebracht worden sei. Schon 2008 seien doch Schlingnattern am Taubenborn längst lokalisiert und auch gezeigt worden. Er habe sie selbst gesehen. Theo Elberich fordert alle Verantwortlichen auf, die teure Schlingnatter-Umsiedlungs und die weiterlaufende Planung mit Landkauf so nicht weiter einfach hinzunehmen.

Auch die B64-Planer von Straßen NRW in Paderborn beschäftigen sich inzwischen mit dem BI-Vorschlag, den alten Bahndamm mit einzubeziehen. Gerhard Hüllweg kündigte gegenüber dem WB an, dass es dazu in Kürze eine fachliche Stellungnahme seines Hauses geben werden.

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