Kreishandwerkerschaft und Jobcenter arbeiten erneut Hand in Hand Klein-Gehrden weckt großes Interesse

Brakel-Gehrden (WB). Der Teich in der Mitte des Ortes, die Häuser drumherum, das charakteristische Schloss neben der Kirche und am Rande des Ortes eine Kapelle – wer Gehrden kennt, wird den Ort aus der Vogelperspektive schnell wiedererkennen, auch wenn alle Gebäude im Modell, das derzeit im Ausbildungszentrum Bau in Istrup steht, 400mal kleiner sind.

Von Frank Spiegel
Im Ausbildungszentrum Bau entstehen derzeit zwei Modelle der Ortschaft Gehrden. Franz-Josef Wolff (von links), Tanja Hartmann, Friedhelm Bröker, Ferdinand Gerdes und Peter Rech sind mit dem ersten Modell sehr zufrieden.
Im Ausbildungszentrum Bau entstehen derzeit zwei Modelle der Ortschaft Gehrden. Franz-Josef Wolff (von links), Tanja Hartmann, Friedhelm Bröker, Ferdinand Gerdes und Peter Rech sind mit dem ersten Modell sehr zufrieden. Foto: Frank Spiegel

Thorsten Lauer arbeitet an dem Projekt mit und sägt hier Häuser im Maßstab 1:400. Foto: Frank Spiegel

Und wer das Dorf noch nicht kennt, der hat anlässlich des Festes zum 1150-jährigen Bestehen die Gelegenheit, sogar in Gehrdens Vergangenheit zu reisen. Neben dem Modell aus der jetzigen Zeit, das eine Abordnung des Festausschusses jetzt begeistert in Augenschein nahm, soll auch eines aus der Zeit zwischen 1950 und 1960 entstehen.

Geschichte veranschaulichen

Wie Franz-Josef Wolff vom Festausschuss berichtete, soll so die jüngere Geschichte des Jubiläumsdorfes veranschaulicht werden. »In den 60er Jahren hatten wir tiefe Einschnitte. Das fing an mit der Aussiedlung der Bauernhöfe, dem Bau des Feriendorfes und der Nutzung des Schlosses als Erholungsheim für Familien«, erläuterte Wolff. Hinzu sei die Ortssanierung gekommen. »Das war damals ein Musterprojekt des Landes, an dem Gehrden teilnehmen durfte«, führte er aus. Das Dorf sollte modern und fortschrittlich gestaltet werden.

Vor der Sanierung habe es noch etwa 100 Fachwerkhäuser gegeben im Ort. Geblieben seien davon etwa zehn Prozent. Auf der großen Freifläche etwa, auf der heute Volksbank und Pfarrheim stünden, habe es zum Beispiel früher fünf Bauernhöfe einschließlich Stallungen und Scheunen sowie die alte Schule gegeben. Im Festausschuss sei man sich einig gewesen, dass man diese Veränderungen zeigen wolle.

Veränderungen zeigen

Uwe Schneider (links) lässt sich von Friedhelm Bröker Tipps für den Bau der Häuser im Modell geben. Foto: Frank Spiegel

»Zum Glück gibt es noch Zeitzeugen von damals. Offizielle Unterlagen und Pläne sind im Zuge der kommunalen Neugliederung verschwunden«, sagte Wolff. Lediglich im Katasteramt des Kreises Höxter sei man fündig geworden. Und ein Modell aus der jüngeren Geschichte sei auch für die heutige Generation interessanter. »Da kann man noch nachhalten, wo die Vorfahren einst gelebt haben. Ein Modell aus dem 17. oder 18. Jahrhundert wäre da weniger geeignet«, ist der Gehrdener überzeugt.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Entstanden ist das Modell des Gehrdens von heute durch eine Zusammenarbeit der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg mit dem Jobcenter Kreis Höxter. Und auch die alte Ansicht ist dort in Arbeit und wird in dieser so genannten Arbeitsgelegenheit verwirklicht.

»Neun Teilnehmer, die Leistungsbezieher im Jobcenter sind, arbeiten hier im Team zusammen und können hier ihre berufliche Erfahrungen einbringen«, erläuterte Tanja Hartmann vom Jobcenter. Ziel sei die Stabilisierung und Qualifizierung der Teilnehmer mit Ausrichtung auf den Arbeitsmarkt.

Alle sind zufrieden

»Alle Beteiligten sind mit dem Erreichten sehr zufrieden«, berichtete Friedhelm Bröker, Projektleiter beim Ausbildungszentrum. Vor allem seien die Teilnehmer froh, etwas fertigen zu können, das Bestand hat. Beide Modelle sollen in der Bürgerhalle in Gehrden zu sehen sein.

Schloss und Kirche hat Ferdinand Gerdes mit viel Liebe zum Detail gefertigt und beigesteuert. Foto: Frank Spiegel

»Wir haben anfangs viel experimentiert und Sand eingefärbt, um Straßen, Wege und Felder darstellen zu können«, blickte er zurück. Der Projektleiter: »Einige waren zunächst unsicher, ob wir das schaffen können.« Gemeinsam seien die Teilnehmer schließlich zum Ziel gekommen – ein Erfolgserlebnis.

»Wir sind der Realität recht nahe gekommen, mussten natürlich irgendwo eine Grenze ziehen, sonst hätten wir uns verzettelt«, führte er aus.

Schloss und Kirche allerdings hat Ferdinand Gerdes aus Gehrden dann allerdings doch mit vielen Details in der heimischen Kellerwerkstatt hergestellt. »Das sind die markantesten Gebäude im Ort«, erklärte er seinen Einsatz.

Auf Topographie verzichtet

Die Männer vom Festausschuss sind höchst zufrieden mit dem Gesamtergebnis. »Auf die Topographie haben wir verzichtet«, merkte Franz-Josef Wolff an. Den Weg zur Kapelle St. Katharina auf dem Katharinenberg topographisch korrekt darzustellen, hätte zu viel Aufwand benötigt. Jetzt freuen sich alle auf das zweite Modell. Mit dem ersten ist im Oktober begonnen worden. Im Juli soll das zweite fertig sein, rechtzeitig zu den offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten vom 31. August bis zum 2. September. Franz-Josef Wolff weiß, dass sich vor allem ältere Menschen auf das Modell des Gehrdens von einst freuen. »Viele wissen noch, wo ihr Elternhaus gestanden hat«, ist er sich sicher.

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