In der Nacht auf den 5. Januar 1918 sterben zwei Menschen Vor 100 Jahren: großes Bahnunglück in Hembsen

Brakel (WB/tig). »Es war ein wüstes Chaos, das von den brennenden Packwagen hell beleuchtet wurde«: Nur noch Augenzeugenberichte in der Hembser Dorfchronik erinnern an das Bahnunglück vor 100 Jahren, bei dem zwei Menschen starben. Drei Güterzüge kollidierten während eines Schneesturms in der Nacht auf den 5. Januar 1918. Warum?

In dieser Kurve ereignet sich in der Nacht auf den 5. Januar 1918 in Hembsen ein schweres Eisenbahnunglück, bei dem zwei Menschen sterben, drei werden verletzt.
In dieser Kurve ereignet sich in der Nacht auf den 5. Januar 1918 in Hembsen ein schweres Eisenbahnunglück, bei dem zwei Menschen sterben, drei werden verletzt. Foto: Ortschronik Hembsen

Von der Bahnstation, die vor einem Jahrhundert noch in Hembsen stand, ist in der Ortschaft heute nichts mehr übrig. Weder das Schaffnerhäuschen, noch die Wartestation und auch nicht die Zugtrümmer, die dort am Morgen des 5. Januar 1918 herumlagen.

Dritter Zug vergrößert Unheil weiter

Die einzigen Augenzeugenberichte wurden in der Dorfchronik »Hemmeteshus 900 bis Hembsen 2000« festgehalten. Darin erklärt der ehemalige Ortsheimatpfleger Joseph Potthast, wie es in der verschneiten Nacht vor 100 Jahr zum Zusammenstoß zweier Züge kommen konnte – und warum ein weiterer, dritter Zug das Unheil noch vergrößerte.

Auslöser für den Unfall war ein Haltesignal, welches ein aus Ottbergen kommender Eisenbahnzug vor der Station Hembsen erhielt. Dieser sollte unverzüglich halten, mitten auf freier Strecke. Als er sich wieder in Bewegung setze, teilte sich der Zug durch eine gebrochene Wagenverbindungskette in der Mitte und fuhr ohne den hinteren Teil weiter. Das erkannte im Führerstand der Zuglok niemand – der Schlusswaggon blieb stehen.

Zwei Tote und drei Schwerverletzte

Ein weiterer Zug, auch aus Ottbergen kommend, fuhr nur kurze Zeit später auf, mehre Waggons wurden zertrümmert und schleuderten teilweise auf das Nebengleis. Nur wenige Minuten später komplettierte sich die Katastrophe: Aus der entgegengesetzten Richtung kam ein weiterer Güterzug und fuhr – wegen der Schneeverwehungen ungebremst – in den Trümmerhaufen.

Auf dem hohen Bahndamm gegenüber des ehemaligen Hembser Schulhauses gerieten einige Zugteile in Brand, darunter auch zwei Packwagen.

Zwei Eisenbahner wurden bei dem nächtlichen Unfall vor genau einhundert Jahren in Hembsen getötet, drei Beamte bei den anschließenden Rettungsarbeiten schwer verletzt.

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