Jennifer Diekmann fliegt während des Putschversuchs von Antalya in die Heimat Kurzurlaub endet mit großem Zittern

Bellersen/Kumköy(WB). Es war ein spontaner Überraschungsbesuch bei ihrer Schwester an der türkischen Riviera. Allerdings endete der Kurztrip von Jennifer Diekmann (31) mit dem großen Zittern.

Von Jürgen Köster
Die Banderole von Turkish Airlines ist noch am Koffer: Jennifer Diekmann ist soeben aus der Türkei zurückgekehrt. In Side hat sie von den Ereignissen zunächst wenig mitbekommen. Die Erleichterung war groß, als ihr Flugzeug abhob.
Die Banderole von Turkish Airlines ist noch am Koffer: Jennifer Diekmann ist soeben aus der Türkei zurückgekehrt. In Side hat sie von den Ereignissen zunächst wenig mitbekommen. Die Erleichterung war groß, als ihr Flugzeug abhob. Foto: Jürgen Köster

Zusammen mit einer Freundin war sie von Erfurt nach Antalya geflogen. Im nahe gelegenen Hotel in Kumköy wollte die Bellersenerin ihre Schwester Alicia Piechula (18) überraschen, die dort im Urlaub ist.

»Das klappte auch alles prima. Niemand hatte etwas verraten. Meine Schwester hat sich wirklich gefreut. Es waren vier schöne Tage. Bestes Wetter, nette Leute. Aber zum Schluss haben wir ein mulmiges Gefühl bekommen«, blickt Diekmann zurück.

Um 0.40 Uhr sollte sie in ihrem Hotel abgeholt werden. Der Abflugtermin war vorverlegt worden. Die Urlauberin: »Wir haben in der Lobby gewartet, wo sich auch viele Türken aufhielten. Sie blickten immer wieder auf ihre Handys. Es wurde immer unruhiger. Viele schauten sehr betroffen.« Dann habe ein Hotelangestellter den Fernseher eingeschaltet.

Zunehmende Hektik

Es liefen türkische Nachrichten. »Die Hektik nahm zu. Wir sahen nur die Bilder und konnten nicht erkennen, welche Ausmaße die Unruhen angenommen hatten«, schildert die junge Frau ihre Eindrücke. Erst durch Informationen über ihre eigenen Handys sei klar geworden, was sich in der Türkei gerade abspielte.

An der Rezeption fragten sie, ob die dramatischen Ereignisse Auswirkungen auf ihre Abreise haben würden. Ein Pärchen mit zwei Kindern habe am Schalter gestanden und sich nach einer sofortigen Abflugmöglichkeit erkundigt: egal wohin in Europa, nur raus aus der Türkei.

Die Unruhe habe sich nicht mehr gesteigert. Diekmann: »Die meisten Gäste waren ja schon im Bett. Wir aber haben gezittert, ob unser Bus überhaupt kommen würde und wenn ja, ob das Flugzeug in Antalya dann auch starten dürfte.«

Fast wie immer

Auf dem Weg zum Flughafen habe der Bus noch an anderen Hotels gehalten, um weitere Fluggäste zusteigen zu lassen. Von Panik sei im Bus nichts festzustellen gewesen. »Eigentlich war es fast wie immer«, sagt Diekmann, die ebenso wie ihre Schwester schon sehr häufig in der Türkei Urlaub gemacht hat.

Am Eingang des Flughafens hätten zwar viel mehr Polizisten als sonst gestanden. Sie alle seien jedoch eher gelassen gewesen. Im Flughafengebäude hätten sie sofort die Abflugtafel studiert. Nur zwei Flüge – einer nach Linz, der andere nach Köln ­– seien gecancelt gewesen.

Große Sorge daheim

»Als wir in der Maschine saßen und diese tatsächlich abhob, waren wir schon erleichtert«, blickt Diekmann auf die Heimreise zurück, die sie über Bremen und Erfurt wieder nach Bellersen führte. Viele Freunde und Verwandte hätten sich bei ihr gemeldet. Bei ihnen sei die Sorge offenbar sogar größer gewesen als bei ihr selbst.

»Ich werde auch wieder in die Türkei fliegen«, sagt sie. »Man darf sich vom Terror nicht terrorisieren lassen, wenn man irgendwohin in den Urlaub fliegen möchte. Nur noch in den eigenen vier Wänden leben – das kann es ja auch nicht sein.«

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