DLRG Brakel von neuem Gerät zur Personensuche unter Wasser begeistert – zwölf Multiplikatoren geschult Sonar stößt auf positives Echo

Brakel (WB). Wenn Menschen an einem See vermisst werden, kommen die Taucher der DLRG zum Einsatz. Die Ortsgruppe Brakel verfügt nun über ein Echolot, das die Personensuche erheblich erleichtert. Es ist das erste seiner Art im Hochstift.

Von Frank Spiegel
Während Mathias Lehr den »Alligator« steuert, erläutert Oliver Beerhenke Verena Lücht die Funktionsweise des Sonargerätes. Sie und die anderen an der Multiplikatorenschulung beteiligten Mitglieder der DLRG Brakel sollen ihr Wissen nun weitergeben.
Während Mathias Lehr den »Alligator« steuert, erläutert Oliver Beerhenke Verena Lücht die Funktionsweise des Sonargerätes. Sie und die anderen an der Multiplikatorenschulung beteiligten Mitglieder der DLRG Brakel sollen ihr Wissen nun weitergeben. Foto: Frank Spiegel

Mit Hilfe der Side-Scan-Technik kann auch der Laie erkennen: Da liegt ein Auto auf dem Seegrund. Foto: Sonar-Akademie

Der Kreis Höxter hat es angeschafft und den Rettern der Nethestadt zur Verfügung gestellt. Bis gestern wurden zwölf von ihnen an dem Gerät ausgebildet.

»Die Suche nach Vermissten ist für die Rettungstaucher aber auch für die Angehörigen eine große Belastung. Mit Hilfe des Echolotes lässt sich effektiver suchen, auch ist nicht so viel Personal erforderlich«, berichtet Horst Starke, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Brakel.

Zuletzt hätten die Fachleute aus der Nethestadt ein solches Gerät im Juli des vergangenen Jahres gut verwenden können. Ein 86-Jähriger war im Willekesee bei Beverungen schwimmen gegangen und nicht zurückgekehrt. Fast zwei Tage haben Taucher den See abgesucht bevor die den Senior gefunden haben.

Effektiver suchen

Zur Person

Oliver Beerhenke ist der Kreis Höxter nicht unbekannt. Er stammt aus Steinheim. Er hat an der Universität Bielefeld Medienpädagogik und Psychologie studiert und war danach selbstständig im Bereich IT Schulungen und Kommunikationswesen tätig. 2011 entwickelte er zusammen mit Geschäftsführer Thomas Schlageter Aus- und Weiterbildungskonzepte für Behörden und Fachkräfte im Bereich der Sonar- beziehungsweise Echolottechnik und wurde hier 2013 Ausbildungsleiter in der Sparte Behördenschulungen für den Einsatz von Echolottechnologien. Der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist Oliver Beerhenke durch seine Tätigkeiten als Stand-up Comedian und Fernsehmoderator. Diese ist inzwischen in den Hintergrund getreten.

»Mit dem Sonar lässt sich ein Bereich bis zu jeweils 35 Meter rechts und links des Bootsrumpfes absuchen«, erläutert Oliver Beerhenke, Ausbilder der Echolot-Akademie Deutschland mit Sitz in Paderborn. So ein großer Bereich sei natürlich für eine Personensuche ungeeignet. Ein Auto lasse sich auf diese Weise aber zum Beispiel schon sehr gut orten.

Genutzt werde dazu die so genannte Side-Scan Technik. Dabei werde nicht nur nicht die aktuelle Wassertiefe angezeigt, es entstehe vielmehr eine fotorealistische Darstellung des Untergrundes unter dem Schiffsrumpf.

Aber auch wenn das die Suche nach Personen und Objekten stark vereinfacht – ohne Training ist es für den Laien nicht leicht zu erkennen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, der auf dem Hochwasserboot »Alligator« der DLRG Brakel steht.

»Viele vergleichen das mit einem Ultraschallbild zum Beispiel beim Gynäkologen«, weiß Oliver Beerhenke. Aber um den Rettern aus der Nethestadt die Funktion des Sonars zu erläutern, ist er da.

Über Erfahrungen in diesem Bereich verfügt die Sonar-Akademie Deutschland in diesem Bereich reichlich. »Bei der Personen- und Gegenstandssuche sind wir einer der führenden Anbieter in Europa und Kanada. Neuerdings sind wir sogar in den USA vertreten«, berichtet Beerhenke.

Die Polizei, die Bundeswehr, die Feuerwehren, die DLRG, das THW, das Rote Kreuz, die Wasserwachten, Wasserschifffahrtsämter und viele Institute und Universitäten gehörten zum Kundenkreis.

Mitglieder geben Wissen weiter

Und nun auch der Kreis Höxter beziehungsweise die DLRG-Ortsgruppe Brakel. Zwölf Mitglieder sind an dem etwa 4000 Euro teuren Sonar namens »Humminbird Helix 12« ausgebildet worden.

»Sie stehen der Ortsgruppe in Zukunft als Multiplikatoren bezüglich der Sonarortung zur Verfügung, um anderen Ortsgruppenmitgliedern ihr Wissen weiterzuvermitteln«, erläutert Horst Starke. Er ist dem Kreis Höxter dankbar, dass er das Gerät angeschafft und in die Obhut der Nethestädter Retter gegeben hat.

Nachdem zunächst Theorie auf dem Plan gestanden hat, ging einen Tag später daran, das Erlernte auch praktisch umzusetzen.

Dabei kam auch ein »Darwin 13« zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine Figur, die auf den ersten Blick an eine Schaufensterpuppe erinnert. »In Darwin steckt aber mehr Aufwand als es den Anschein hat«, verrät Oliver Beerhenke.

Um die Menschenortung realistisch üben zu können, sei es wichtig, dass das Übungsobjekt auch wie ein Mensch auf dem Sonar dargestellt werde. Mit Grafitpulver und allerlei weiteren Finessen hat das Team der Echolot-Akademie Darwin präpariert.

Ausbilder vom See begeistert

Die Figuren werden weiter verfeinert, »Darwin 14« soll nach der Ortungsübung zum Beispiel selbstständig aufsteigen können. So bleibt diesem das Schicksal eines der Vorgänger von »Darwin 13« erspart. »›Darwin 11‹ liegt immer noch im Rhein. Den haben wir wohl zu gut versteckt«, berichtet Oliver Beerhenke schmunzelnd.

Die DLRG hat auch den Praxisteil mit Begeisterung bewältigt. »Wir sind nun in der Lage, das Gerät im Ernstfall einzusetzen. Es ist toll, was mit dieser Technik machbar ist«, sagte Horst Starke. Diese sei eine erhebliche Erleichterung für die Arbeit der DLRG und reduziere sowohl die physische als auch die psychische Belastung bei einem Sucheinsatz. »Bei dieser Technik geht es nicht darum, uns zu ersetzen. Wir sind nun aber in der Lage, noch effektiver zu arbeiten«, stellt er klar.

Ausbilder Oliver Beerhenke ist vom Übungsgewässer, dem Godelheimer See, restlos begeistert. »Wir machen etwa 120 Schulungen jährlich, aber dieser See ist von einer Struktur unter Wasser wirklich etwas ganz Besonderes«, schwärmt er.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.