Tag des offenen Dorfes zum 1000-jährigen Bestehen mit buntem Programm – Gäste reisen aus Australien an Bellersen von seiner schönsten Seite

Brakel (WB). Schon so alt und doch noch lange nicht eingerostet: Die Ortschaft Bellersen hat sich gestern anlässlich des 1000-jährigen Bestehens beim Tag des offenen Dorfes von ihrer besten Seite präsentiert. Bei Sonnenschein kamen nach Schätzungen der Organisatoren 10 000 Besucher.

Von Dennis Pape
Franziska (rechts)  und ihre beste Freundin Pauline  haben  eine Zeitreise in das Mittelalter unternommen und dabei auch noch eine historische Form  der Kleiderherstellung kennengelernt – eine von vielen spannenden Programmpunkten in Bellersen.
Franziska (rechts) und ihre beste Freundin Pauline haben eine Zeitreise in das Mittelalter unternommen und dabei auch noch eine historische Form der Kleiderherstellung kennengelernt – eine von vielen spannenden Programmpunkten in Bellersen. Foto: Dennis Pape

Das Tourismus-Musterdorf ist angesichts seiner vielfältigen Angebote jederzeit einen Besuch wert. Dennoch setzten die Veranstalter mit zahlreichen helfenden Händen noch einen drauf – und bewiesen einmal mehr, was eine intakte Dorfgemeinschaft leisten kann.

Das beginnt bereits bei den Kleinsten: »Wir sind mächtig stolz, echte Jungs aus Bellersen zu sein. Hier zu leben, ist wirklich toll – hier haben wir unsere Freunde, mit denen wir uns zum Fußballspielen treffen«, sagten Vincent (9) und Lukas (10). Sie zogen mit ihren Bellersen-T-Shirts durch den Ort, um anschließend gemeinsam mit dem Kinderchor auf dem gut besuchten Platz am Backhaus die Besucher zu einer musikalischen Rundreise einzuladen.

Musikalisch ging es auch in der Alten Mühle zu, wo der bekannte Panflötist Matthias Schlubek mehrere Kurzkonterte gab. »Ich habe es nie bereut, nach Bellersen zu ziehen. Was das gesamte Dorf hier auf die Beine gestellt hat, ist wirklich atemberaubend«, sagte der Künstler. Während mehr als 30 Aussteller aus der Region ihre Produkte präsentierten und sich auch die heimischen Unternehmen über einen großen Besucherandrang freuten, bot das bunte Programm auch viele Möglichkeiten, die Ortschaft Bellersen und seine Geschichte hautnah zu erleben.

Spannende Museumskisten hatte zum Beispiel der Landschaftsverband Westfalen-Lippe zur Verfügung gestellt. So konnten sich Leon (9) und Collin (5) aus Alhausen in einer originalgetreuen Ritterrüstung wie hart gesottene Männer aus dem Mittelalter fühlen. Franziska und ihre beste Freundin Pauline zogen dagegen die Kleidung mittelalterlicher Frauen vor – und lernten ganz nebenbei noch, wie früher gerösteter Flachs zu verspinnbaren Fasern verarbeitet worden ist.

Bestens besucht war auch das Café Hinkelstein. Dort waren die Kuchen der kfd heiß begehrt. Und die Damen verstehen ihr Handwerk – immerhin ist ihr Buch »Backrezepte aus dem Dorfe B.« bereits in zweiter Auflage erschienen. Wer dagegen einen leckeren Apfel aus Bellersen vorzog, der wurde kostenlos von feschen Damen in barocker Kleidung versorgt.

Einen besonderen Tag verlebten auch Gäste aus Südaustralien in Bellersen: Tim Fischer und sein Cousin John Temme kamen mit ihren Familien an den Ort zurück, an dem ihr Ur-Ur-Großvater Friedrich-Wilhelm Temme aufgewachsen ist, bevor er nach Australien auswanderte. »Es ist ein tolles Gefühl, zu seinen Wurzeln zurückzukehren«, sagte Tim Fischer in gutem Deutsch.

Heimatvereinsvorsitzender Frederik Köhler begrüßt Tim und Gaye Fischer aus Australien. Foto: Dennis Pape

Heimatvereinsvorsitzender Frederik Köhler freute sich darüber, dass die 1,5 Kilometer lange Ralley durch den Ort von vielen Gästen gut angenommen wurde. »Gewonnen haben auch alle Teilnehmer schon vor der Preisvergabe – denn sie haben viele spannende und markante Punkte in unserer Ortschaft entdecken können«, sagte er.

Gewinner waren gestern auch der Verein Mukoviszidose, der ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst für den Kreis Höxter und die Alexianer aus Köln. An sie sind 2500 Euro übergeben worden – der Erlös des Benefizkonzertes des Landespolizeiorchesters im April. »Es macht mich unglaublich stolz, was wir als Dorfgemeinschaft auf die Beine gestellt haben. Die Planungen für diesen Tag begannen schon 2013«, betonte Köhler, der allen Organisatoren und Helfern für ihren Einsatz dankte.

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