Kirche kündigt Vertrag mit Stadt – Brauerei und Festwirt Clemens finden keinen Konsens Streit um Bier im Annenzelt

Brakel(WB). Die Kirchengemeinde St. Michael hat der Stadt Brakel den Vertrag für die Überlassung des Kirchplatzes während des Annentages zum kommenden Jahr gekündigt. Der Grund: Im Annenzelt wird in diesem Jahr Veltins ausgeschenkt.

Von Frank Spiegel
Pfarrer Willi Koch (links) und Bürgermeister Hermann Temme haben in der Vergangenheit den Fassanstich zum Annentag gemeinsam vorgenommen. Um dessen Inhalt ist nun ein Streit entbrannt.
Pfarrer Willi Koch (links) und Bürgermeister Hermann Temme haben in der Vergangenheit den Fassanstich zum Annentag gemeinsam vorgenommen. Um dessen Inhalt ist nun ein Streit entbrannt. Foto: Frank Spiegel

Pfarrer Willi Koch hatte den Beschluss des Kirchenvorstandes bei der Pressekonferenz zum Annentag mitgeteilt. »Wenn, dann nur mit Bier aus Rheder«, nannte er die Bedingung, unter der die Gemeinde den Kirchplatz für das Annenzelt weiter zur Verfügung stellen würde. Der Kirchenvorstand setze auf regionale Produkte.

Festzeltbetreiber Andreas Clemens und die Brauerei Rheder hatten keinen gemeinsamen Nenner finden können. Andreas Clemens wirft der Geschäftsführung vor, diese habe sich nicht verhandlungsbereit gezeigt und auf mehrfache Bitten um ein Gespräch nicht reagiert. Unter den neuen Konditionen, die  Rheder  ihm angeboten habe, hätte er 15 000 Euro Mehrkosten gehabt. 

»Den Schwarzen Peter hat die Brauerei«, sagt er. Die habe sich nicht beziehungsweise erst zu spät gemeldet. Bereits Ende vergangenen Jahres habe er um ein Gespräch gebeten, Anfang April habe er dann Fakten schaffen müssen und Verträge mit Veltins gemacht.

Rheder-Geschäftsführer René Sauer erklärt auf Nachfrage des WESTFALEN-BLATTES, von einem Stichtag Ende März habe er nichts gewusst.

Mitte und Ende April hätten Gespräche zusammen mit dem Bürgermeister stattgefunden: »Da wurde nicht deutlich, dass das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.«  Die Türen hätten offen gestanden und seien auch immer noch offen.

Wirt will sich nicht erpressen lassen

»Ich habe aber auch immer gesagt, dass Verhandlungen nicht nur für die Jahre 2016 und 2017 geführt werden können, sondern immer auch für 2015«, stellt Sauer klar. Alles andere sei Rosinenpicken: »In diesem Jahr mit dieser Brauerei, im nächsten mit einer anderen.«  Er sieht einen Vertrauensbruch darin, schließt deshalb aber eine mögliche Zusammenarbeit nicht aus.

Andreas Clemens war von der Kündigung seitens der Kirche überrascht und schockiert. Ursprünglich sei verabredet gewesen, sich nach dem Annentag zusammenzusetzen, um eine Lösung zu finden.

Zudem sei es geplant gewesen, in diesem Jahr trotz der Differenzen sowohl Annen-Dunkel als auch Rheder Pils an allen Tagen anzubieten, wenn auch teurer.  »Ob wir dieses Entgegenkommen  nach diesen Entwicklungen noch aufrecht erhalten, kann ich jetzt noch nicht sagen«, erklärt Andreas Clemens. Er und seine Vorfahren hätten seit mehreren hundert Jahren Bier aus Rheder verkauft:

»Wir stehen für Regionalmarketing. Nur lassen wir uns nicht erpressen.« Bürgermeister Hermann Temme will alles daran setzen, dass die Differenzen beigelegt werden können. »Streit hat es in der Geschichte des Annentages sicher schon öfter gegeben, Mutter Anna hat sie alle wieder zusammengeführt«, setzt auch Pfarrer Willi Koch auf eine Einigung.

Kommentare

Veltins im Annenzelt

Sehr geehrter Herr Holtemeyer, liebe Leser und Leserinnen!
Ich bin 28 Jahre selbstständig und meine Familie und Vorfahren haben über Jahrhunderte seit 1616 Gastronomie betrieben und auch immer Rheder Biere verkauft! Aber nachdem die Brauerei von der Familie Sauer aus Augsburg die Rheder Brauerei zu 90 % erworben hat, weht ein anderer "Wind" in der Brauerei. Die Brauerei schrieb in den letzten 8 Jahren Jahresverluste von 150.- bis 200.000,-€ (Quelle:Bundesanzeiger) diese wurden in der Vergangenheit durch den Land.- und Forstbetrieb der Familie v. Spiegel ausgeglichen.
Die neuen Betreiber teilten im Oktober 2014 ihren Kunden mit ,daß Sie die Preise zum 01.02.2015 anheben werden, um zukünftig wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Gleichzeitig wurde mitgeteilt das zukünftig Leihmieten für Festmobilar voll zu zahlen sei, es keine Werbekostenzuschüsse und entsprechende Rückvergütungen auf Absatzmengen mehr gäbe. Für mich allein zum Annentag im Vergleich zu 2014 wäre dieses eine Mehrbelastung von 15.000,-€. Ende November hat es ein Gespräch im Hause der Brauerei gegeben und habe dem neuen Geschäftsführer über Belieferungen von Veranstaltungen in 2015 ohne Brauereibindung in Aussicht gestellt und Er möge mir ein Angebot unterbreiten. Dieser wollte mir innerhalb von 14 Tagen ein Angebot unterbreiten. Am 22.12.14, am 06.01. und 09.01.15 habe ich nachgefragt wie es mit dem Angebot aussieht. Kein Angebot bekommen. Nachdem ich bis zum 13.03.15 immer noch kein Angebot hatte, teilte ich der Brauerei schriftlich mit das ich von den in 2015 in Aussicht gestellten Geschäften Abstand nehme. Am 16.03.15 habe ich dann die Warsteiner-, Detmolder Brauerei und Veltins gebeten mir ein Angebot zu unterbreiten. Von allen drei Brauereien hatte ich innerhalb von 3 Tagen ein Angebot auf dem Tisch und am 14.04.2015 habe ich dann eine Vereinbarung mit der Brauerei Veltins unterzeichnet! Und auf Grund dieser Vereinbarung können wir in diesem Jahr trotz Erhöhung des Standgeldes und anderer Kosten, die Verkaufspreise für unsere Kunden stabil halten!!!

Veltins im Annenzelt

Ein Annenzeltbesuch ohne Bier aus der Schlossbrauerei Rheder ist eine traurige Entwicklung.
Die kleinen Unternehmen können bei solchen Preiskämpfen einfach nicht mithalten. Die 15.000 €, die der Wirt mit der heimischen Brauerei an Mehrkosten gehabt hätte, sind definitive keine Mehrkosten. Die Veltins versucht bereits seit Jahren, sich in den "ostwestfälischen Gefilden" zu erweitern und geht gerne mit Dumpingpreisen und Sonderkonditionen für den Wirt ins Rennen. In meinen Augen können solche Lockangebote einer Großbrauerei nicht als Mehrkosten gegenüber einer heimischen Brauerei verkauft warden. Ich werde in diesem Jahr bestimmt kein Bier im Annenzelt trinken und finde die Reaktion der Kirche sehr gut und nachvollziehbar.

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