Antonius Tillmann: Landwirte sollen Betriebe analysieren und Chancen nutzen »Wir sind ständig auf dem Weg«

Brakel (WB). »Es wird für die Mehrheit unserer Betriebe weiterhin die arbeitsteilige ›ganz normale‹ Landwirtschaft sein, mit der unsere Verbraucher zu günstigen Preisen mit Lebensmitteln sicher versorgt werden.« Mit dieser Feststellung schloss Vorsitzender Antonius Tillmann seine Rede zur Eröffnung des Kreisbauerntages in der Stadthalle.

Von Jürgen Köster
Die Entscheidung fällt »zwischen Daumen und Zeigefinger«, dann zeigt sich ob die Verbraucher bereit und in der Lage sind den Preis zu zahlen, wie es immer heißt. Auch dieses Thema haben die »Stacheligen Landfrauen« musikalisch aufgegriffen.
Die Entscheidung fällt »zwischen Daumen und Zeigefinger«, dann zeigt sich ob die Verbraucher bereit und in der Lage sind den Preis zu zahlen, wie es immer heißt. Auch dieses Thema haben die »Stacheligen Landfrauen« musikalisch aufgegriffen. Foto: Jürgen Köster

Gastgeber und Ehrengäste (von links): stellvertretender Landrat Johannes Reineke, Stefan Legge, Marianne Thomann-Stahl, Udo Engemann, Antonius Tillmann und Hans-Josef Hanewinkel. Foto: Frank Spiegel

Der Beifall von 300 Zuhörern unterstrich, dass er auch mit dieser Einschätzung offenbar richtig lag.

Er forderte seine Berufskollegen im Beisein von zahlreichen Vertretern des öffentlichen Lebens aber auch dazu auf, die Zeit zu nutzen, in der die Landwirtschaft von der Öffentlichkeit verzerrt wahrgenommen werde, einer Zeit in der die politisch Handelnden nicht den Mut hätten, ihr klare Signale zu geben, wie sie sich aufstellen solle.

»Ganz normale Landwirtschaft« bleibt

»Analysieren Sie Ihren Betrieb und die eigene Situation. Wenn Sie Chancen sehen, nutzen Sie diese. Das kann der Biobereich sein oder die stärkere regionale Vermarktung«, sagte Tillmann. Aber – so vermutete der Kreisvorsitzende – die Zukunft werde eben für die meisten Betriebe, die »ganz normale Landwirtschaft« sein.

Tillmann überprüfte in seiner Rede die Aussagen in den aktuellen Diskussionen auf ihren Wahrheitsgehalt. So würden die Themen »Glyphosat« und »Rückgang der Insektenpopulation« mitein­ander vermischt, obwohl sie getrennt betrachtet werden müssten. Die Tierhaltung sei immer wieder gut für eine Quote im Fernsehen oder die Auflage der Boulevardpresse.

Besonders hervorgetan hätten sich in diesem Herbst die Tierretter. »Sie sind in Ställe eingedrungen, haben gefilmt, diese Filme dann in aller Ruhe passend aufbereitet und abgewartet, wann die Inszenierung am wirkungsvollsten ist. Ging es um die Tiere? Nein, sonst musste doch sofort Meldung beim Kreistierarzt gemacht werden. Es geht um das Geschäftsmodell Spenden sammeln«, übte Tillmann Kritik.

»Tierretter denken an Spenden«

Einbruchsopfer berichteten immer, dass der schlimmste Gedanke sei, die Einbrecher seien in ihre Privatsphäre eingedrungen. »Wie fühlen sich wohl Bauernfamilien, die einen Stalleinbruch erlebt haben«, fragte der Vorsitzende.

Einen Schwerpunkt setzte er bei dem Schlagwort »industrielle Landwirtschaft«. An einem Beispiel einer modernen Ziegelei machte er deutlich, dass »industriell« nicht immer schlecht sein müsse. »Unsere Arbeit im Stall und auf dem Feld muss so klar durchstrukturiert sein wie in der Industrie, sonst können wir die Qualitätsanforderungen nicht erfüllen«, stellte Tillmann fest.

»Wir sind als Landwirtschaft nie am Ziel mit unseren Produktionsmethoden, wir sind ständig auf dem Weg. Neue Erkenntnisse bringen immer wieder neue Lösungen. Darum müssen wir offensiv nach vorn gehen«, meinte Tillmann.

Wohin die Reise hinsichtlich einer neuen Landwirtschaft gehen könnte, zeigte Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, auf und vertiefte dies in einer Diskussionsrunde mit Dr. Ludger Schulze-Pals, Chefredakteur der Zeitschrift top agrar sowie den Junglandwirten Michael Rode aus Eversen, Tom Rose aus Calenberg und Charlotte Peine aus Daseburg.

Bottermann betonte, eine zukünftige Landwirtschaftspolitik in NRW basiere auf neuesten Erkenntnissen und Fachwissen.

»Landwirte brauchen Wertschätzung«

»Viele Menschen kennen das Thema Landwirtschaft gar nicht mehr. So aber funktioniert gesellschaftlicher Umgang miteinander nicht«, urteilte Bottermann.

»Landwirte brauchen Wertschätzung für das, was sie tun.« Von der Politik aus Brüssel forderte er mehr Handlungsspielräume. »Wir wollen, dass man wieder mehr von Vertrauen spricht, statt dass man eine Dokumentation des Misstrauens aufbaut«, setzte er sich für Bürokratieabbau ein.

Dass sich die Landwirte selbstkritisch hinterfragten, sei richtig, lobte Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl. Die Landwirtschaft sei ein ganz starker Wirtschaftsfaktor in OWL. Sie freue sich, dass sich die wirtschaftliche Situation der Landwirte verbessert habe. Das hänge auch mit ihrem Engagement und der Bereitschaft zu Veränderungen zusammen.

Auch stellvertretender Landrat Johannes Reineke und Bürgermeister Hermann Temme stellten die Bedeutung der Landwirtschaft für die heimische Region heraus. Die »Ackerdemiker« und die »Stacheligen Landfrauen« umrahmten den Nachmittag.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.