Agentur und Jobcenter ziehen positive Bilanz – 189 Flüchtlinge integriert Arbeitslosenquote stark gesunken

Höxter (WB). Die Wirtschaft im Land boomt und das zeigt sich auch im Kreis Höxter: Der absolute Rückgang der Arbeitslosenzahlen war 2017 so hoch wie schon seit fünf Jahren nicht mehr.

Von Dennis Pape
Haben die positive Bilanz vorgestellt (von links): Rüdiger Matisz, Holger Schütte und Martin Schoppmeier.
Haben die positive Bilanz vorgestellt (von links): Rüdiger Matisz, Holger Schütte und Martin Schoppmeier. Foto: Dennis Pape

Im Jahresdurchschnitt 2017 waren 3414 Frauen und Männer im Kreis Höxter arbeitslos, und damit 324 Personen beziehungsweise 8,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt sank im Vergleich zum Vorjahr von fünf auf 4,6 Prozent. Dabei ging die Arbeitslosigkeit im Versichertenbereich (SGB III) von 1635 um 10,8 Prozent auf 1458 und im SGB II von 2103 um sieben Prozent auf 1.956 zurück – ein weiterer Anstieg der im Kreis Höxter sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten von 43.429 Personen im Juni 2016 um 746 Menschen auf 44.175 im Juni 2017.

Stärkster Rückgang seit 2011

»Ein stärkerer Rückgang der Arbeitslosenzahlen war zuletzt 2011 zu verzeichnen«, stellt Rüdiger Matisz, Leiter der Paderborner Arbeitsagentur, fest. »Wir haben 2017 von einer starken Konjunktur profitiert, und das wird sich auch 2018 voraussichtlich nicht ändern.« Allerdings bedeute dies, dass auch neue Herausforderungen entstehen, wie er betont: »Der Fachkräftemangel ist schon jetzt für viele Unternehmen ein Problem.« Deshalb würden sich Agentur und Jobcenter weiterhin in den örtlichen Netzwerken engagieren und mit ihren Fördermaßnahmen die Qualifizierung sowohl von Kunden als auch von Erwerbstätigen ermöglichen. Wichtig sei aber auch die Flexibilität der Arbeitgeber – Matisz dazu: »Es gilt, sich auch auf schwächere Bewerber einzulassen oder bereits vorhandene Mitarbeiter ausreichend zu qualifizieren.«

Weniger junge Menschen arbeitslos

Die Arbeitslosigkeit der über 55-Jährigen hat von 855 auf 801 Personen abgenommen. Die altersspezifische Arbeitslosenquote sank im Jahresdurchschnitt von 5,7 auf 5,1 Prozent. Auch bei den Langzeitarbeitslosen ist ein Rückgang zu verzeichnen: 2017 gab es im Jahresdurchschnitt mit einem Rückgang von 1.278 Personen auf 1.167 Personen 111 weniger Langzeitarbeitslose als 2016. In diesem Bereich sehen Agentur und Jobcenter auch im neuen Jahr eine Schwerpunktaufgabe. Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) ist von 472 auf 387 Personen gesunken – die altersspezifische Arbeitslosenquote fiel hier von 5,6 Prozent auf 4,5 Prozent. Wie Matisz verrät, soll es in Höxter bald auch eine eigene Jugendberufsagentur geben.

Erfolgreiche Integration

Ein Rückgang ist nach Angaben der Agentur auch bei Ausländern zu verzeichnen: Hier sank die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt von 698 auf 640 Personen ab. Unter den geflüchteten Menschen nahm die Arbeitslosigkeit allein im Dezember 2017 von 538 Personen im Dezember 2016 auf 291 Personen im Dezember 2017 (Rückgang um 247 Personen) ab. »Diese Entwicklung zeugt zum einen von einer guten Konjunktur«, sagt Martin Schoppmeier, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Höxter: »Zum anderen zeigt es aber auch, dass 2017 schon zahlreiche geflüchtete Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten und auch viele Personen, die schon sehr lange arbeitslos waren, wieder eine Beschäftigung erlangen konnten.« Für das Jahr 2017 verzeichnete man insgesamt 189 erfolgreiche Integrationen geflüchteter Menschen, erklärt Schoppmeier: »Das ist sehr erfreulich, allerdings ist die Integration eine langfristige Aufgabe. Wichtig ist es nach wie vor, die Sprache zu erlernen.«

Besetzungsprobleme werden größer

Der Zugang von Stellenmeldungen beim Arbeitgeberservice ist deutlich gestiegen: In der Jahressumme wurden 4893 Stellen gemeldet – 499 mehr als 2016. Der Bestand an offenen Arbeitsstellen lag 2017 im Jahresdurchschnitt bei 1827 – 2016 waren es im Schnitt 96 weniger. »Auch auf dem Stellenmarkt beobachten wir eine positive Entwicklung. 2018 wird diese voraussichtlich weitergehen«, prognostiziert Matisz. Er fügt hinzu: »Steigende Stellenbestände deuten auf größer werdende Besetzungsprobleme hin.« Holger Schütte, Geschäftsführer der Agentur, betont: » Deshalb setzen wir auch 2018 verstärkt auf Qualifizierung. Wir versuchen die Leute zu überzeugen, dass eine Umschulung oder Ausbildung eher zu einem dauerhaft sicheren Job führen kann als das Streben nach schnellem Geld.«

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