Sasson/Sautter, Verdi, Pucchini und Pergolesi statt Webber in Beverungen Unterhaltung von Weltformat

Beverungen (WB/mfr). Beverungen ist am Samstagabend zum Mekka für alle Musical-Fans geworden: »Das Phantom der Oper« präsentierte sich in hochkarätig besetzter, opulent ausgestatteter und völlig neuer Version in der Stadthalle.

Deborah Sasson und ihr Ensemble brillierten in ihrer ganz eigenen Version des Musicals. Ein Wiedersehen mit dem Opernstar könnte es bereits 2019 geben, denn dann will die Kulturgemeinschaft Sasson und ihr Musical »Der kleine Prinz« nach Beverungen holen.
Deborah Sasson und ihr Ensemble brillierten in ihrer ganz eigenen Version des Musicals. Ein Wiedersehen mit dem Opernstar könnte es bereits 2019 geben, denn dann will die Kulturgemeinschaft Sasson und ihr Musical »Der kleine Prinz« nach Beverungen holen. Foto: Michaela Friese

Oper trifft Musical

Manch einer der rund 700 Besucher der Aufführung dürfte verblüfft gewesen sein: Der Abend hat eben erst begonnen, als Deborah Sasson die Bühne betritt und »O mio babbino caro« aus Giacomo Puccinis »Gianni Schicchi« zum Besten gibt. Eine Opernarie in einer Musical-Aufführung? Es bleibt nicht die einzige an diesem Abend. Das Publikum kam in den Genuss einer erfrischend anderen Version des bekannten Stoffes, die nichts mit dem gleichnamigen Erfolgsmusical von Andrew Lloyd Webber zu tun hatte. Schöpfer der Neuinszenierung sind Deborah Sasson und Jochen Sautter. Aus ihrer Feder stammt das 21 Stücke umfassende musikalische Fundament des Musicals – in das zudem vier Opernarien eingebettet sind.

Deborah Sasson brilliert

Die weibliche Hauptrolle in der Geschichte des Chormädchens Christine, die dank der Hilfe eines ominösen, in der Pariser Unterwelt lebenden Phantoms Karriere an der Oper macht, übernimmt Sasson selbst. Dass die 58-Jährige altersgemäß nicht mehr so wirklich in diese Rolle passt, ignoriert man als Zuhörer gerne – denn stimmlich hätte sie nicht besser ausgefüllt sein können. Überhaupt weiß das Ensemble, allen voran Phantom-Darsteller Axel Olzinger und dessen Gegenspieler Jochen Sautter (Raoul Comte de Chagny), bis in die letzte Nebenrolle gesanglich zu überzeugen. Dass im Bühnengraben der Stadthalle Platz für ein 16-köpfiges Live-Orchester ist und nicht ein Ton vom Band kommt, sorgt zudem für satten Sound.

Vom Ballsaal auf den Friedhof

Der größte Überraschungsstar des Abends aber ist die Bühnenbild-Technik: Auf durchsichtige Vorhänge werden die verschiedensten Schauplätze (Ballsaal, Garderobe, Friedhof, Unterwelt und mehr) täuschend echt und in beeindruckender Qualität projiziert. Dass so viel Perfektion nicht langweilig wird, dafür sorgt die Tatsache, dass auch der Humor nicht zu kurz kommt. Einige der Charaktere sind amüsant überzeichnet und der (einstmals) großen Starsopranistin La Carlotta entfährt inmitten einer Arie auch einfach mal ein lauter Rülpser.

Zwei Stunden bester Unterhaltung

Das Publikum, das zwei Stunden lang bestens unterhalten wird, belohnt dies schließlich mit lang anhaltendem Applaus, bevor –natürlich – »La Sasson« den letzten Ton hat: Als Carmen zieht sie in der Zugabe noch einmal stimmlich alle Register und sorgt so für den perfekten Schlusspunkt.

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